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Das Rätsel Tom Lüthi – leidet er an Sturzverletzungen?

Tom Lüthi

Tom Lüthi

Die Vorsaison hatte er dominiert – aber auch bei der Wiederaufnahme der Moto2-WM kommt er nicht aus dem Mittelmass heraus.

Was ist mit Tom Lüthi (33) los? Diese Frage müsste eigentlich leicht zu beantworten sein. Über keinen anderen Moto2-Piloten ist schon so viel geschrieben und gesendet worden. Er hält gleich mehrere Rekorde: Am meisten Rennen hintereinander in den Punkten (119), am meisten Podestplätze (53), mit 1759 WM-Punkten die Führung in der «ewigen Rangliste» der zweitwichtigsten Töff-WM.

Aber bei der Wiederaufnahme der Moto2-WM am Sonntag in Jerez (das erste und bisher einzige Rennen ist am 8. März in Katar gefahren worden) ist die grosse Frage: Was ist mit dem 125er-Weltmeister von 2005 los? Ist er nun Titelkandidat oder Bruchpilot?

Ja, die Spekulationen, er sei durch Sturzverletzungen handicapiert, wollen einfach nicht verstummen. Aus gutem Grund: Die ersten offiziellen Tests Mitte Februar in Jerez hatte er nach Belieben dominiert. Seine Kombination aus Talent, technischem Verständnis und Erfahrung war unschlagbar. Es schien möglich, dass er dieses Jahr nach zwei 2. Plätzen (2016 und 2017) zum WM-Titel zu brausen vermag.

Aber seither ist er bei den anschliessenden Tests und den Trainings zum ersten Saison-GP in Katar viermal gestürzt. Das letzte Mal gestern Vormittag im ersten Training zum GP von Spanien in Jerez. Tom Lüthi versichert, er sei hundertprozentig fit. Aber das sagt auf entsprechendes Nachfragen eigentlich jeder Pilot. Niemand verrät Schwäche an die Konkurrenz. Und dass er auch am Freitag nach dem Sturz zur Kontrolle ins Medical Center gebracht und für «fit» erklärt worden ist, heisst wenig. Fit heisst, gesund genug, um fahren zu können.

Ist Tom Lüthi durch Sturzverletzungen handicapiert?

Die Frage geht an einen, der eigentlich immer sagt, was Sache ist. An seinen langjährigen Manager und Freund Daniel Epp. Auch deshalb, weil der sonst selbstbewusste Baselbieter in Katar vor dem Rennen ungewöhnlich pessimistisch war und seinem Schützling ganz entgegen seiner Art keinerlei Chancen auf eine Spitzenklassierung eingeräumt hatte.

Was sich als richtig erwiesen sollte: Tom Lüthi ratterte bloss als Zehnter über die Ziellinie. Wusste also Epp etwas und verschwieg es? «Nein, nein. Es stimmt, ich war pessimistisch. Aber aus dem einfachen Grund, weil ich um die Abstimmungsschwierigkeiten wusste.»

So ist das Rätsel um Tom Lüthi nach wie vor nicht gelöst

Die Unsicherheit, die Nervosität, die er in Katar verraten hatte, vermochte er in Jerez nicht abzustreifen. Bei den Tests am Mittwoch reichte es bloss zu Rang 13 und am Freitag am ersten Trainingstag stürzte er am Vormittag und kam nach zwei Trainings auf Position elf. Wie kann es sein, dass einer die ersten Testtage im Februar fast nach Belieben dominiert hatte, nun ins Mittelfeld zurückgefallen ist?

Wird Tom Lüthi durch eine geheim gehaltene Verletzung behindert? Sind es Abstimmungsschwierigkeiten mit der Maschine? Oder ist er ganz einfach nervös? Technische Probleme wären bei der hohen Qualität seines Teams verwunderlich. Nervosität bei der Erfahrung des 17-fachen Siegers erstaunlich.

Auch das Wetter taugt nicht zur Erklärung

35 Grad war es gestern, die Asphalttemperatur stieg auf fast 60 Grad. «Ich kann mich nicht an eine solche Hitze erinnern» sagt Lüthi. Aber ein Problem ist auch das nicht. Die äusseren Bedingungen sind für alle gleich, und Lüthi gehört zu den durchtrainiertesten Piloten.

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