Champions League

«Das war viel, viel zu wenig»: Julian Draxler platzt nach dem Champions-League-Aus von PSG der Kragen

Das 1:2 im Achtelfinal-Rückspiel (Hinspiel: 1:3) am Dienstagabend eine Lehrstunde für den mit Öl-Millionen aufgepumpten Scheich-Klub. PSG-Spieler Julian Draxler ist nach dem Spiel frustriert.

Tief in den Katakomben des Prinzenparks versuchte Klubchef Nasser Al-Khelaifi gerade, das erneute Scheitern seines Milliarden-Projekts irgendwie zu erklären, da legte Weltmeister Julian Draxler den Finger ganz tief in die Wunde. «Das war viel, viel zu wenig», sagte der frustrierte 24-Jährige nach der Champions-League-Pleite von Paris Saint-Germain: «Es ist schwer zu akzeptieren, dass wir so sang- und klanglos ausgeschieden sind.»

Mehr noch war das 1:2 (0:0) im Achtelfinal-Rückspiel (Hinspiel: 1:3) am Dienstagabend eine Lehrstunde für den mit Öl-Millionen aufgepumpten Scheich-Klub. «Jeder im Stadion hat gespürt, dass das Spiel nicht mehr kippen wird, weil die Intensität von uns einfach nicht da war», sagte Draxler: «Am Ende hat Real Madrid das Ding so was von souverän runtergespielt, dass die nicht mal im Ansatz nervös waren.»

"Das alles fèr nichts!"

Wie Al-Khelaifi reagieren wird, ist noch offen. Am Dienstagabend beschwichtigte der Katarer, gleichzeitig Chef der milliardenschweren Investmentfirma Qatar Sports, die den Klub vor sieben Jahren gekauft hatte, Paris sei ja «nicht gegen irgendjemanden» ausgeschieden, und dass er «weiterhin an das Projekt und seine Spieler» glaube. PSG-Trainer Unai Emery wird dennoch schwer um seinen Job zittern müssen.

«Das alles für nichts!», schrieb «L’Equipe» am Mittwochmorgen. Schliesslich war der Champions-League-Titel das erklärte Ziel, die Pariser waren seit der Katar-Übernahme nie über das Viertelfinale hinausgekommen. «Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über Veränderungen zu sprechen», sagte Al-Khelaifi: «Jeder ist sauer, wir müssen uns erst beruhigen.»

Der Katarer Nasser Al-Khelaifi, Präsident des französischen Fussballclubs PSG.

Der Katarer Nasser Al-Khelaifi, Präsident des französischen Fussballclubs PSG.

Im Sommer war 222-Millionen-Mann Neymar verpflichtet worden, der verletzt aus Brasilien traurige Grüsse an seine niedergeschlagenen Teamkollegen schickte. Frankreichs Sturm-Juwel Kylian Mbappe, das im kommenden Sommer 180 Millionen kosten wird, konnte auch nicht für die Wende sorgen. Und Weltmeister Draxler wurde von Emery lange auf die Bank verbannt.

Der Umbruch brachte nichts

«Da war ich überrascht und auch ein bisschen sauer», sagte Draxler: «Das 1:1 ist zwar gefallen, aber ein 1:1 hätte uns gar nichts gebracht. Deswegen habe ich gedacht, dass wir weiter auf die Tube drücken und offensiv spielen sollten.» Erst in der 76. Minute wurde der 24-Jährige eingewechselt, getroffen hatten da schon Ronaldo (51.) und Edinson Cavani (70.).

Marco Verratti sah in der 66. Minute von Schiedsrichter Felix Brych die gelb-rote Karte.
Auch Bundestrainer Joachim Löw, der das Spiel live verfolgte, gefiel die PSG-Taktik ohne Neymar nicht. «Ihre drei Mittelfeldspieler agieren relativ weit hinten, keiner geht mit in die Spitze. Deswegen hängen die drei Superstürmer von Paris ein bisschen in der Luft», meinte Löw.

Der Deutsche Bundestrainer verfolgte das Champions-League-Spiel live.

Der Deutsche Bundestrainer verfolgte das Champions-League-Spiel live.

Draxler habe auf der Bank «sehr gelitten», verriet der frühere Schalker und Wolfsburger. Ob ein erneuter Umbruch im Team nötig sei, kommentierte Draxler fast ironisch: «Im Sommer haben wir 400 Millionen Euro in die Hand genommen – ich glaube, da kann man auch von einem Umbruch sprechen.» Geholfen hat es nicht.

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