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Der Benji von früher siegt auf der Rigi

Benji von Ah feiert seinen Sieg im 6. Gang gegen Joel Strebel (links). Bild: Urs Flüeler/Keystone (Rigi-Staffel, 14. Juli 2019)

Benji von Ah feiert seinen Sieg im 6. Gang gegen Joel Strebel (links). Bild: Urs Flüeler/Keystone (Rigi-Staffel, 14. Juli 2019)

Der Giswiler Benji von Ah findet zu alter Stärke zurück und triumphiert am Rigi-Schwinget.

In dieser Saison hat sich in der Innerschweiz der Fokus auf drei Namen reduziert: Pirmin Reichmuth, Joel Wicki und Sven Schurtenberger. Das hängt mit ihren jüngsten Leistungen, mit ihrem Alter oder mit ihrer oft spektakulären Schwingweise zusammen. Wer erfolgreich ist, schürt aber automatisch die Erwartungen der Öffentlichkeit.

Reichmuth und Wicki werden auch ausserhalb der Innerschweiz als potenzielle Schwingerkönige gehandelt, für Schurtenberger ist zumindest eine tragende Rolle vorgesehen. Dass die Erwartungen abflachen, scheint nicht möglich. Eher dürfte das Gegenteil der Fall sein.

Zwei fast vergessene Figuren drängen ins Rampenlicht

Zwei Tage vor dem mit viel Prestige beladenen Bergkranzfest auf der Rigi musste Pirmin Reichmuth Forfait geben. Der Zuger erlitt im Training eine Prellung am Oberschenkel. Es tönt mehr nach Vorsichtsmassnahme denn nach gravierender Verletzung. Joel Wicki, der Titelverteidiger, liess in diesem Jahr die Rigi aus. Er trat am stark besetzten Südwestschweizer Verbandsfest an (Rang 3). Also blieb noch Sven Schurtenberger im Teilnehmerfeld übrig. Er wird dieses Fest mitprägen, aber schafft es nach dem Gestellten im ersten Gang (sein Gegner Fabian Kindlimann verweigert den Zweikampf partout) nicht mehr an die Spitze. Und so sind es fast vergessene Figuren, die diesem Fest letztlich ein Gesicht geben.

Konkret sind es zwei frühere Leader, die ins Rampenlicht drängen. Der 31-jährige Christian Schuler und Benji von Ah (32). Sie hatten bereits vor einer Woche am Innerschweizerischen Eindruck gemacht. Von Ah verblüffte, indem er Pirmin Reichmuth bodigte. Schuler tat dasselbe mit Sven Schurtenberger. Die Grosstaten von Flüelen blieben keine einsamen Glanzpunkte. Auf der Rigi folgte der Nachweis, dass die beiden Routiniers wieder zur Spitze gehören.

Schuler, von Ah und der Thurgauer Domenic Schneider (25) teilten sich die Ranglistenspitze nach fünf Gängen. Die Einteilung entschied sich für Schuler (der im fünften Gang von Ah bezwang) und Schneider als Schlussgangpaar. Der Entscheid war nachvollziehbar, die beiden hatten die besseren Notenblätter. «Einer dieser beiden wird gewinnen», sagte von Ah in eine Fernsehkamera. Mit einem verschmitzten Blick, der irgendwie nie aus seinen Gesichtszügen entweicht, verfolgte er den Schlussgang. Seinen Obwaldner Teamkollegen Stefan Ettlin, der neben ihm stand, schien der Schlussgang mehr zu berühren. Von Ah glaubte kaum an den Sieg.

Das Trauma
 vom Brünig

Schuler und Schneider waren aktiv, aber irgendwann gingen ihnen die Kräfte aus. Zwölf Minuten verstrichen, und Benji von Ah konnte sich vom Publikum feiern lassen. Endlich, ist man versucht zu sagen. Denn das Schwingpublikum scheint generell immer ein wenig darauf zu warten, diesen Giswiler feiern zu dürfen. Der 32-Jährige ist ein Sympathieträger. Er stand schon in Schlussgängen an den Bergfesten auf Weissenstein, Schwägalp und Brünig. Und verlor jedes Mal. Lange haderte er vor allem mit dem verpassten Brünig-Titel 2015. Im Schlussgang stellte er mit Matthias Glarner. Bernhard Kämpf erbte schliesslich den Sieg.

Neues Krafttraining 
bringt Erfolg

2011 holte Benji von Ah seinen bisher einzigen Sieg an einem Bergfest, als er auf dem Stoos gewann. Es ist ein Sieg aus einer anderen Zeit. Aber der Benji von damals scheint dem Benji von heute zu gleichen. Beim Radioreporter auf dem Festplatz provozierte das die Frage: «Sind Sie der Benji von Ah wie zu den besten Zeiten?»

Ob er so gut ist wie damals, wird man nicht abschliessend beurteilen können. Tatsache ist: Von Ah schwingt momentan ohne Knieschmerzen, und er ist dank einer Wettkampfpause von sechs Wochen spritziger als die meisten Konkurrenten. Und er hat sich im Karriereherbst nochmals professionalisiert. Seit letztem Herbst betreibt er ein individualisiertes Krafttraining. Er wird bei den Übungen einzeln von einer Fachperson betreut. «Das Krafttraining ist sehr genau auf die Schwingfeste ausgerichtet. Das bringt mir enorm viel.»

Dass von Ah und Schuler wieder zu alter Stärke zurückgefunden haben, darf alle im Innerschweizer Team freuen. Aber vor allem auch die grossen drei Namen. Sie werden in Zug nicht die ganze Last alleine tragen müssen.

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