Rio 2016

Der Delegationsleiter vergleicht die Schweizer Medaillenausbeute mit einer ausgepressten Zitrone

Ralph Stöckli ist mit dem bisherigen Olympia-Abschneiden der Schweizer sehr zufrieden.

Ralph Stöckli ist mit dem bisherigen Olympia-Abschneiden der Schweizer sehr zufrieden.

Delegationsleiter Ralph Stöckli freut sich über die sieben Schweizer Medaillen, hält aber auch den Mahnfinger in die Luft.

Swiss Olympic bringt sieben Medaillen aus Rio mit nach Hause. Da gibt es kaum Grund zur Klage...
Ralph Stöckli: Für uns waren es extrem schöne Olympische Spiele mit wunderbaren Geschichten. Wir haben mit einem Feuerwerk angefangen und schlossen nun dank Nicola Spirigs Silber- und Nino Schurters Goldmedaille mit einem weiteren Feuerwerk ab.

Aber es gab auch die weniger erfreulichen Geschichten.
Ja. Ich sage immer: An Olympischen Spielen gibt es zwei Gesichter: das gute und das böse. Sowohl von den Fechtern, als auch von Reitern wie auch von Jolanda Neff haben wir alle mehr erwartet – vor allem die Athleten von sich selbst.

Was war für Sie der schönste Aspekt an den sieben Medaillen?
Ich stufe vor allem die Vielfalt der Sportarten, in denen wir erfolgreich waren, als sehr bemerkenswert ein. Wir holten in Weltsportarten Medaillen und mussten uns nicht auf Spezialdisziplinen verlassen, wie das bei anderen Ländern der Fall ist. Hier wurde Ausserordentliches geleistet.

Man sagt ja immer, Medaillen erzählen nicht die ganze Geschichte, trotzdem zählt am Ende doch am meisten der Blick auf die Edelmetall-Bilanz.
Es ist so: Die kleinen (Erfolgs-)Geschichten kann man in der Schweiz einer kleinen Fangemeinde erzählen. Aber auf der grossen Bühne zählen die Medaillen. Sie sind auch für das «Wir-Gefühl» in unserem Land wichtig.

Der Steigerungsraum ist knapp bemessen. Wo sehen Sie überhaupt noch Luft nach oben?
Die Zitrone ist ausgepresst. Wenn ich sehe, mit welchen Möglichkeiten andere Delegationen hier in Rio operiert haben, dann existieren riesige Unterschiede zu uns. Bei uns kochte der Rad-Nationalcoach die Pasta für die Athleten selber. Andere Nationen hatten eigene Ernährungsberater dabei. Uns fehlen dazu die Mittel. Deshalb muss sich gerade der Bund dringend Gedanken machen, wie es punkto Spitzensportförderung in unserem Land weitergehen soll.

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