Hattrick in der NHL
Der erste Schritt von Pius Suter zum Hockey-Millionär

Pius Suter bucht drei Tore in einem NHL-Spiel – sein Plan geht auf. Dabei musste er lange auf seinen Sprung in die beste Liga der Welt warten.

Klaus Zaugg
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Jubelt über einen seiner drei Treffer: Pius Suter (rechts), zusammen Philipp Kurashev.

Jubelt über einen seiner drei Treffer: Pius Suter (rechts), zusammen Philipp Kurashev.

CH Media

Ganz tief wird in den NHL-Archiven gekramt. Bis ins letzte Jahrhundert hinab. Ein sicheres Zeichen, dass Grosses geschehen ist. Pius Suter hat in seinem 6. Spiel für die Chicago Blackhawks gegen Detroit (6:2) einen Hattrick erzielt. Seine ersten drei NHL-Tore.

Der letzte, der seine ersten drei NHL-Treffer für Chicago im gleichen Spiel feierte, war Bill Kendall. Im Jahre 1933.

Ein Zürcher erobert die wichtigste Liga der Welt. Logisch und überraschend zugleich. Überraschend, weil er jahrelang von den NHL-Bürogenerälen ignoriert worden ist. Logisch, weil die Scouts ihn immer wieder gerühmt haben. Im «NHL Draft Black Book», einem über 500seitigen Wälzer, der jedes Talent ausführlich beschreibt, finden wir bereits in der Ausgabe von 2016 Lobeshymnen. Schon vor fünf Jahren ist erkannt worden, was inzwischen alle sehen: den Torriecher («good nose for the net»), Spielintelligenz, Furchtlosigkeit, die Art und Weise, wie er Eishockey spielt und denkt («the way, he competes and think the game»).

Mit 175 zu klein?

Jahr um Jahr sichern sich die NHL-Klubs beim Draft die Rechte an über 200 Spielern, die noch nicht in der NHL unter Vertrag stehen. Aber nie jene von Pius Suter. Der Grund? Ganz einfach: mit 175 Zentimetern zu klein. Zu wenig robust. Er entspricht in seiner Erscheinung neben dem Eis sowieso nicht einem rauen Mann für die härteste Liga. Eher einem Studenten. Eine schlanke Postur, weiche, jugendliche Gesichtszüge, eine unaufgeregte, leise Stimme und die Präsenz, nun ja, unscheinbar. Sanft in der Art, stark in der Tat.

Hier noch als Topskorer der ZSC Lions: Pius Suter.

Hier noch als Topskorer der ZSC Lions: Pius Suter.

Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 29. Februar 2020

Im Mai 2020 wird Pius Suter 24. So alt, dass er seinen NHL-Arbeitgeber frei wählen kann. Er sagt: «Wir haben einen Plan.» Als Topskorer der National League kommt er nun doch auf die NHL-Radarschirme. Klug beraten von seinem Agenten George Müller wählt er unter acht Angeboten das richtige aus: Chicago. Er ist ein Spieler für eine offensive Rolle. Für die Kunst. Nicht einer, der sich über den vierten Block nach oben «fräsen» kann. Die besten Chancen auf diese konstruktive Rolle hat er in Chicago. Dort arbeitet mit Marc Crawford einer seiner ehemaligen ZSC-Trainer als Assistent.

Der Plan geht auf. Zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Klub zu sein, ist der Schlüssel für eine grosse Karriere. An der Seite von Weltstar Patrick Kane stürmt Pius Suter schon im 6. Spiel zum ersten Hattrick. 925 000 Dollar brutto verdient er diese Saison. Gut möglich, dass er im nächsten Frühjahr für drei bis vier Millionen pro Jahr verlängern wird.