Black Lives Matter
Der Fussball solidarisiert sich und zeigt Haltung – die Schweiz hat noch Nachholbedarf

Nach dem Tod von Georg Floyd solidiert sich Europa mit der der «Black Lives Matter»-Bewegung. Wichtigen Anteil daran hat auch der Fussball, der mit klarer Botschaft in die Offensive geht. Nun ist Kontinuität gefragt. Engagement wäre dabei auch von Schweizer Klubs wünschenswert.

Nik Dömer
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Hertha Berlin und Borussia Dortmund gehen vor dem Spiel gemeinsam gegen Rassismus aufs Knie.

Hertha Berlin und Borussia Dortmund gehen vor dem Spiel gemeinsam gegen Rassismus aufs Knie.

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Der Fussball hat bewegte Tage hinter sich. Nach dem schrecklichen Tod von Georg Floyd, der durch Polizeigewalt vor zwei Wochen ums Leben kam, solidarisieren sich Spieler und Teams in ganz Europa mit der «Black Lives Matter»-Bewegung und machen dabei auch darauf aufmerksam, dass es sich hierbei nicht nur um ein Problem der USA handelt.

Während Bundesliga-Spieler wie Weston McKennie, Jadon Sancho, Achraf Hakimi, Marcus Thuram und Anthony Modeste etwas mehr als einer Woche mit Botschaften und Gesten den Startschuss für eine Solidarisierungs-Welle im europäischen Fussball gaben, wurden in der letzten Wochen auch ganze Mannschaften aktiv.

Colin Kaepernick lancierte 2016 den «Take a Knee»-Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze – nun verwenden zahlreiche Fussballteams die Geste.

Colin Kaepernick lancierte 2016 den «Take a Knee»-Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze – nun verwenden zahlreiche Fussballteams die Geste.

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Spitzenklubs wie Liverpool, Chelsea oder Dortmund gingen in der vergangenen Woche im Training aufs Knie. Es ist die Geste des amerikanischen Quarterbacks Colin Kaepernick, der jeweils bei der Nationalhymne vor den Spielen so gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstrierte.

Wichtiger Schritt vom DFB

Inzwischen werden immer mehr Teams Teil der Bewegung. Am vergangenen Bundesliga-Spieltag wurde fast bei jeder Begegnung Statements abgegeben. Gemeinsames Knien vor dem Anpfiff, Armbinden und Shirts mit klaren Botschaften.

Es ist eindeutig ein Ruck, der gerade durch den Fussball geht. Es ist Zeit, dass auch der Fussball nicht mehr wegschaut, schliesslich schreibt man sich seit Jahrzehnten den Kampf gegen Rassismus auf die Fahne.

«Say No to Racism» - der Fussball kämpft schon seit vielen Jahren gegen Rassismus.

«Say No to Racism» - der Fussball kämpft schon seit vielen Jahren gegen Rassismus.

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Ein wichtiges Zeichen hat auch der Deutsche Fussball-Bund gesetzt: Obwohl Sancho, Hakimi und McKennie die Botschaft «Justice for Georg Floyd» auf Ausrüstungsgegenständen trugen, was gemäss Statuten nicht erlaubt ist, wurden sie dafür nicht bestraft. Vorschläge zur Regelanpassung sollen nun ausgearbeitet werden.

Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, betonte dazu: «Im konkreten Fall handelt es sich um gezielte Anti-Rassismus-Aktionen der Spieler, die sich damit für Werte starkmachen, für die der DFB ebenfalls steht und immer eintritt. Daher werden keine Verfahren eingeleitet, auch bei vergleichbaren Anti-Rassismus-Aktionen in den nächsten Wochen nicht.»

Gut möglich, dass die Geschehnisse in der Bundesliga auch auf die anderen Ligen abfärben werden und sich der Fussball in Europa dementsprechend mit Botschaften auch in den nächsten Wochen nicht zurückhalten wird. Nicht zuletzt, weil die Proteste immer mehr zu einer internationalen Bewegung entwickeln.

Zwar galt im Fussballgeschäft lange der Tenor, dass Sport mit Politik nichts zu tun hat. Dass dies ein Widerspruch in sich ist, sollte mittlerweile jedem Fussballfan bekannt sein.

YB geht in der Schweiz voran

Auch in der Schweiz haben die Super-League-Teams noch Nachholbedarf. Nur wenige Teams (YB, FC Sion und GC) haben sich in den sozialen Medien mit der Bewegung solidarisiert. Der Schweizer Meister ging dabei mit einem Kniefall der gesamten Mannschaft voran.

Schliesslich ist der bunte, vielschichtige europäische Fussball prädestiniert dazu, kontinuierlich mit klaren Statements zur Sensiblisierung der Gesellschaft für das Problem der Diskriminierung beizutragen. Denn gerade für uns alle gilt derzeit und auch künftig das gleiche Motto wie in den Vereinigten Staaten: Den Menschen zuhören, deren Stimmen viel zu oft ungehört blieb und von ihnen lernen. Damit künftig noch stärker gegen Rassismus im Alltag gehandelt werden kann.

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