Super League

Der Hitze-Effekt – Was die hohen Temperaturen mit der Super League machen

Flüssigkeit für den schwitzenden Körper: Miroslav Covilo vom FC Lugano gönnt sich eine Erfrischung.

Flüssigkeit für den schwitzenden Körper: Miroslav Covilo vom FC Lugano gönnt sich eine Erfrischung.

Lauter englische Wochen in der heissen Jahreszeit. Viele Trainer reagieren auf die hohe Belastung und setzen die Ersatzspieler länger ein als vor dem Restart. Welche Auswirkungen die hohen Temperaturen auf den Körper haben, erklärt ein Sportphysiologe.

Es ist ein Fussballsommer. Einer ohne Public Viewings, ohne Fahnen und hupende Autos. Einer ohne Hits wie «Un’estate italiana» von Gianna Nannini oder «Wavin’ Flag» von Knaan. Und doch: Es ist ein Fussballsommer. Ein leiser vielleicht, aber auch ein heisser. St.Gallen will den Meister stürzen. Der FC Basel verliert Spiele und Selbstverständnis. Der unstete FC Sion kämpft gegen den Abstieg. Und natürlich, auch die Temperaturen sind hoch. Die Temperaturen von Zürcher Fiebermessern, von Thermometern in der gesamten Schweiz. Sechs englische Wochen mit so gar nicht englischen Temperaturen. Was macht das mit der Super League?

Die Spiele finden jeweils um 16.00, 18.15 und 20.30 Uhr statt. Lugano spielt sechsmal um 16 Uhr, St.Gallen viermal. Dagegen beginnt YB nur zwei Spiele am späten Nachmittag. Dafür gleich zehn um 20.30. Ein Vorteil? Schliesslich sind die Temperaturen abends tiefer. Severin Trösch, Sportphysiologe beim Bundesamt für Sport, sagt: «Zwischen 15 und 16 Uhr ist es am wärmsten im Tagesverlauf.» Bezüglich Temperatur sei der Anpfiff um 16 Uhr wohl der «Worst Case». Was macht das mit den Spielern?

Hitze hemmt Leistungsfähigkeit

Nicht nur Negatives. Trösch sagt: «Schnelle Bewegungen wie Sprints sind positiv beeinflusst von hohen Temperaturen.» Weil der Muskel wärmer sei. «Er kann schneller mehr Kraft entwickeln», sagt Trösch. Ein Fussballspiel ist eine Ansammlung von schnellen Bewegungen. Zwischen diesen Bewegungen läuft ein Spieler aber. Oftmals über zehn Kilometer pro Match. Deshalb müssen die Fussballer auch ausdauernd sein. Trösch: «Ausdauerbelastungen sind sehr negativ beeinflusst von hohen Temperaturen.» Warum eigentlich?

Trösch sagt: «Die hohen Temperaturen erhitzen den Körper.» Dieser funktioniert ideal, wenn er 37 Grad warm ist. Doch: Wenige Grade mehr und die lebenserhaltenden Prozesse des Körpers seien gefährdet. «Das will der Körper verhindern.» Wie macht er das? Trösch: «Zum einen muss er möglichst viel Sauerstoff zu den aktiven Muskeln bringen, zum anderen muss er sich kühlen, indem er schwitzt.» Allerdings habe der Körper Probleme, beide Funktionen wahrzunehmen. «Je heisser es ist, desto eher entscheidet sich der Körper für die Kühlung.» Entsprechend kommt weniger Sauerstoff zu den Muskeln und sie können weniger leisten.

Haben Teams, die öfter am Nachmittag spielen, einen Nachteil? Eher nicht. Weil ihre Gegner dieselben Bedingungen haben. Ausserdem sagt Trösch: «Die Hitze erschwert die Regeneration kaum.» Eine frühere Anspielzeit kann sogar vorteilhaft sein. Marcel Koller, Trainer des FC Basel, sagt: «Wenn man um halb neun spielt und dann noch drei Stunden mit dem Bus nach Hause fahren muss, merkt man das.» Man kommt später ins Bett und schläft noch später ein. FCB-Verteidiger Silvan Widmer sagt jedoch: «Ich spiele viel lieber am Abend. Und nur ungern, wenn es über 30 Grad warm ist.»

Trainer reagieren auf erhöhte Belastung

Viele Trainer reagieren auf die erhöhte Belastung. Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen, gab seinen Ersatzspielern vor dem Unterbruch die wenigsten Einsatzminuten. In den neun Spielen seit dem Restart setzte Zeidler seine Ersatzspieler durchschnittlich knapp 89 Minuten pro Spiel ein – Rang fünf im Ligavergleich. YB, das über das ausgeglichenste Kader verfügt, führt diese Wertung an: Gerardo Seoane gibt seiner Bank pro Spiel seit der Coronapause im Schnitt 134,6 Spielminuten Einsatzzeit. Ganz anders Fabio Celestini. Beim Trainer des FC Luzern kommen die Ersatzspieler deutlich weniger zum Zug: in 78,6 Minuten pro Partie.

Fabio Celestini, Trainer beim FC Luzern, setzt seine Ersatzspieler am kürzesten ein.

Fabio Celestini, Trainer beim FC Luzern, setzt seine Ersatzspieler am kürzesten ein.

In den 44 Runden seit Wiederaufnahme des Spielbetriebes gab es nur vier Siege nach Rückständen. Alle vier Siege wurden von den Top 3 eingefahren. YB schlug den FCZ und Servette nach zwischenzeitlicher Rücklage, Basel und St.Gallen holten drei Punkte gegen Xamax nach Rückständen. Vor der Coronapause gab es nur marginal mehr Siege nach Rückständen. Diese gelingen im eng getakteten Spielplan scheinbar aber nur noch den Topteams.

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