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Der letzte Akt der Schweizer Basketball-Ikone Thabo Sefolosha

15 Jahre lang spielte Basketballer Thabo Sefolosha in der besten Liga der Welt. Nun droht ihm der ungewollte Abschied.

15 Jahre lang spielte Basketballer Thabo Sefolosha in der besten Liga der Welt. Nun droht ihm der ungewollte Abschied.

Die Elite der NBA spielt in Disneyworld in Orlando um den Titel, doch Sefolosha hat sich gegen eine Teilnahme entschieden. Dem Romand droht nach 15 Jahren ein Abgang durch die Hintertüre.

Es hätte der perfekte Abschied werden können, ein Rührstück nach Hollywood-Drehbuch: dass Thabo Sefoloshas erster Titel mit dem Karriereende zusammenfällt, nach 15 Jahren in der National Basketball Association (NBA). Es sollte nicht sein.

Die Liga bietet in Disneyworld, dem von der Aussenwelt hermetisch abgeschirmten neutralen Playoff-Spielort, derzeit jeden Tag erstklassige Unterhaltung. Doch der Basketballsommer fehlen aus Schweizer Optik die wichtigsten Ingredienzien: Bis Anfang Februar waren Clint Capela und Thabo Sefolosha, die beiden einzigen Schweizer NBA-Profis der Geschichte, bei den Houston Rockets engagiert gewesen, einem der Titelfavoriten. Dann wurde der Genfer Capela an die Atlanta Hawks weitergereicht, für die schon die Playoff-Qualifikation unerreichbar war.

Und am 1. Juli gab Thabo Sefolosha als einer von knapp zehn Profis bekannt, auf eine Fortsetzung der Saison zu verzichten. Die Familie sei ihm wichtiger, liess er verlauten, er ist zweifacher Vater. So nachvollziehbar das ist: aus rein sportlicher Sicht ist sein Fehlen bedauerlich.

Geld und Verantwortung anstelle von Titelchancen

Sefolosha, 36, hatte es 2013 mit Oklahoma City in den Playoff-Final geschafft, zuletzt jedoch in ziemlich schwachen Teams ohne reelle Titelchance gespielt. Als er 2018 bei den Utah Jazz unterschrieb, lehnte er eine Offerte des damaligen Serienmeisters Golden State Warriors ab – Utah bot mehr Geld und Verantwortung. Houston war seine grosse Chance, doch noch einen Titel zu holen, auf ein Happy-End. Bei den Rockets traf er auf die Stars James Harden und Russell Westbrook, die einstigen Weggefährten aus Oklahoma.

Nach der Bekanntgabe seines Verzichts ersetzte Houston ihn noch am gleichen Tag – und man fragt sich, ob es das für den Schweizer Pionier gewesen sein könnte. Schon im Sommer 2019 musste Sefolosha lange warten, bis er einen Vertrag erhielt. Erst nachdem er bei einer Art Probetraining Mitte September zu überzeugen vermochte, sicherten sich die Rockets seine Dienste.

Es war ihnen immerhin 2,564 Millionen Dollar wert, was allerdings nur auf den ersten Blick viel Geld ist: der Gesamtarbeitsvertrag schreibt vor, dass ein Spieler mit Sefoloshas Erfahrung nicht weniger verdienen darf. Der Defensivspezialist spielte bei den Rockets eine Nebenrolle mit durchschnittlich elf Minuten Einsatzzeit pro Abend.

Nur fünf Spieler in der NBA sind älter

Man kann sich ihn in dieser Kapazität auch 2020/21 vorstellen, irgendwo, aber es ist keineswegs gesichert, dass sich jemand an ihn erinnern wird: Schon jetzt war er der sechstälteste Spieler einer Liga, die immer jünger wird: der aktuelle Altersschnitt ist der tiefste der Geschichte, er ist in den letzten 20 Jahren von 27,7 auf 26,1 gefallen.

Und dann ist da das Geld: den 30 Teams bieten sich günstigere Alternativen – ein Liga-Neuling beispielsweise kann für einen Drittel von Sefoloshas Salär verpflichtet werden.

Vorderhand dürfte Sefolosha zu Hause die Playoffs mit Interesse verfolgen, Houston führt in der Achtelfinalserie gegen Oklahoma mit 2:0-Siegen. Sollten die Rockets tatsächlich ihren ersten Titel seit 1995 holen, darf Sefolosha sich auch als Meister fühlen – und würde wohl endlich auch einen dieser protzigen Meisterschafts-Fingerringe erhalten. Sollte seine famose Karriere im Herbst tatsächlich enden, wäre das immerhin ein Trost.

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