Am Ursprung steht ein Nationenwechsel. Aufgewachsen in den Hügeln um die slowenische Hauptstadt Ljubljana wandert er 2008 als 18-Jähriger nach Hertfordshire nördlich von London aus. Weil ihm in Slowenien die Unterstützung und geeignete Trainingspartner fehlen. Grossbritannien wird seine neue Heimat. Einsätze im Davis Cup sein grosser Traum – und später zum Albtraum.

Er kauft ein Haus, trainiert im Gosling Tenniscenter und bewirbt sich um den britischen Pass, der ihm 2015 übergeben wird. Fortan spielt Bedene für seine Wahlheimat und wird zum Kandidaten für das Davis-Cup-Team, dem neben Andy Murray zu diesem Zeitpunkt valable Alternativen fehlen. Captain Leon Smith möchte Bedene aufbieten, doch der Tennisweltverband ITF macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Denn 2015 führt die ITF eine neue Regelung ein. Sie besagt, dass Spieler in ihrer Karriere bei Olympischen Spielen und im Davis Cup nur eine Nation repräsentieren dürfen. 

Dead Rubbers

Bedene steht im Teamwettbewerb drei Mal für Slowenien im Einsatz, das letzte Mal 2012. In allen Fällen sind die Spiele so genannte „Dead Rubbers“, Spiele also, die für den Ausgang der Begegnung keinerlei Bedeutung mehr haben. Besonders bitter: Bedene hat es verpasst, vor der Einführung der neuen Regelung eine Ausnahmeregelung zu beantragen. Unwissenheit, sagt Bedene; Unvermögen der Tennisweltverband – und stellte sich fortan quer. Mit Hilfe des britischen Verbands versuchte Bedene während zwei Jahren auf juristischem Weg, die Starterlaubnis zu erwirken. Vergeblich.

Titelverteidiger Roger Federer gehört am Australian Open in Melbourne zu den Favoriten auf den Turniersieg

Titelverteidiger Roger Federer gehört am Australian Open in Melbourne zu den Favoriten auf den Turniersieg

Ende 2017 zieht Aljaz Bedene enttäuscht einen Schlussstrich unter die Saga und erklärt, dass er im neuen Jahr wieder für sein Geburtsland antritt. „Es sind zwei meiner wichtigsten Karriere-Ziele, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein und im Davis Cup anzutreten. Es war mein Traum, für Grossbritannien zu spielen. In dieser Phase meiner Karriere will ich keine Chance verpassen, doch noch an Olympischen Spielen teilnehmen zu können und im Davis Cup zu spielen.“ Seine Zeit unter britischer Flagge bezeichnet er als „grossartige Reise mit einem schlechten Ende.“

Ganz bricht Bedene seine Zelte im Königreich nicht ab, aber er verlegt seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Slowenien und folgt seiner Frau Kimalie, die in der Heimat einst zu einer Popgruppe gezählt hatte, die als „Spice Girls Sloweniens“ bezeichnet wurde. Auch sie fand ihr Glück auf der Insel nicht, blieb als Sängerin eine Randerscheinung und verliess das Land schon im letzten Jahr. Geholfen hat bei der Entscheidung sicher auch, dass sich der slowenische Verband zuletzt intensiv um die Rückkehr Bedenes bemüht hat und ihn, anders als die Briten, mit offenen Armen empfangen.

Zwillingsbruder Andraz

So wird kolportiert, der bisherige Davis-Cup-Captain Blaz Trupej sei auf Bedenes Wunsch hin durch Miha Mlakar ersetzt worden, der als sein Vertrauter gilt. Als Assistent amtiert Zwillingsbruder Andraz, der es bis auf Rang 840 der Weltrangliste geschafft hat. Dieser stellte die Beziehung zu seinem Bruder vor zwei Jahren auf eine echte Belastungsprobe. Er hatte sich auf der Dating-App Tinder als sein erfolgreicher Bruder ausgegeben und einer Bekanntschaft später Unten-ohne-Fotos geschickt haben. Doch der Schwindel flog auf, ein gefundenes Fressen für die britische Boulevard-Presse.

Noch so eine unglückliche Geschichte in der Vita des Aljaz Bedene. Doch das alles ist Makulatur, wenn er heute das erste Duell gegen Roger Federer gewinnt. Nur: Es fällt schwer, daran zu glauben.