Motorrad
Deshalb bleibt Dominique Aegerter ein halber Millionär

Der Teamwechsel hat für Moto2-Fahrer Dominique Aegerter keine finanziellen Folgen – dank Hilfe aus dem Heimatdorf. An Tom Lüthi kommt wird er in finanzieller Hinsicht jedoch nie herankommen.

Klaus Zaugg
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Dominique Aegerter hat Grund zum Lachen: Er wird auch bei seinem neuen Team genug verdienen.

Dominique Aegerter hat Grund zum Lachen: Er wird auch bei seinem neuen Team genug verdienen.

Keystone

Dominique Aegerter (26) finanziert seine Moto2-Karriere nach dem Zwei-Säulen-Prinzip. Eine Säule ist der Vertrag mit dem Team, das die Infrastruktur (Töff, technisches Personal) zur Verfügung stellt, einen Teil der Reisespesen übernimmt und ein Gehalt plus Prämien bezahlt.

Die zweite Säule ist die Werbefläche, die er auf Kombi und Helm auf eigene Rechnung verkaufen darf. Inzwischen frohlockt Manager Robert Siegrist: «Die finanziellen Voraussetzungen sind so gut wie noch nie.»

Wie ist das nach dem sportlichen Niedergang der vergangenen zwei Jahre möglich? Nach dem 5. WM-Schlussrang von 2014 folgten die WM-Ränge 17 (2015) und 12 (2016). Aegerter profitiert noch immer vom Sieger-Bonus, den er sich 2014 mit dem Triumph auf dem Sachsenring herausgefahren hat.

2014 konnte Aegerter auf dem Sachsenring gewinnen - und profitiert noch immer vom damaligen Sieger-Bonus.

2014 konnte Aegerter auf dem Sachsenring gewinnen - und profitiert noch immer vom damaligen Sieger-Bonus.

Keystone

Der Vertrag mit dem neuen Team von Stefan und Jochen Kiefer aus Deutschland ist sogar leicht besser als der Kontrakt mit dem bisherigen Rennstall: Knapp 100 000 Fixum und mit Prämien liegen nochmals gut 50 000 Franken drin.

Entscheidend für die Bewahrung des finanziellen Niveaus ist allerdings die Hilfe aus dem Heimatdorf. Aegerter lässt zwar aus steuerlichen Gründen seine Einnahmen über eine im Kanton Zug domizilierte GmbH laufen. Aber Rohrbach BE ist nach wie vor sein Wohnort.

Neuer Helmsponsor

Zwei Hauptsponsoren, die zusammen über 100 000 Franken pro Saison beigesteuert haben, sind ausgestiegen: die Diener AG (ein Unternehmen aus der Präzisionstechnik) und das Energie-Unternehmen Mibag. Erst schien es unmöglich, diese Geldgeber zu ersetzen. Aber nun baut die Lanz-Anliker AG das Engagement aus und wird neuer Helmsponsor.

Eine Firma, die sich aus der Dorfsattlerei zu einem internationalen Unternehmen zur Verarbeitung technischer Textilien entwickelt hat und die Karriere des Helden aus dem 1400-Seelen-Dorf seit den Anfängen alimentiert. «Ich bin sehr froh, dass wir diese Lösung gefunden haben» sagt Aegerter. Als neuer Sponsor steigt zudem «MotoScout24» ein, ein Internet-Töff-Marktplatz. Inzwischen ist nur noch eine Werbefläche auf dem Ärmel für rund 30 000 Franken nicht belegt.

Nach der enttäuschenden letzten Saison ist bei allen Verträgen das Fixum tiefer und der Prämienanteil grösser. Die Fixeinnahmen (Salär vom Team plus Werbung) liegen noch bei knapp 250 000 Franken.

Mit Prämien kann Aegerter diese Summe bei regelmässigen Klassierungen in den Top Ten und ein paar Podestplätzen sogar verdoppeln und ein trotzdem «halber Millionär» bleiben.

An Tom Lüthi (30) kommt der Berner allerdings finanziell nicht mehr heran. Sein Rivale wird in der nächsten Saison bei gleichen Resultaten wie 2016 auf einen Karriere-Rekord von über 700 000 Franken kommen.

Daumen hoch bei Tom Lüthi.

Daumen hoch bei Tom Lüthi.

Keystone

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