Champions League

Die beiden Schweizer Fussballer Freuler und Djimsiti surfen mit Atlanta Bergamo auf der Erfolgswelle

Remo Freuler: Die Laufmaschine im Mittelfeld von Atalanta.

Remo Freuler: Die Laufmaschine im Mittelfeld von Atalanta.

In der Serie A hat Atalanta 98 Tore erzielt. Jetzt soll in der Champions League auch der PSG die offensive Wucht der Bergamasken spüren. Am Mittwoch fordern die Italiener den französischen Serienmeister im Viertelfinale der Champions League.

Liverpool out, Dortmund out, Benfica out. Kein Shaqiri, kein Akanji, kein Seferovic: Die Schweizer Komponente beim Lissabonner Finalturnier in der Champions League ist ernüchternd überschaubar geworden. Und von den vier übrig gebliebenen Akteuren sind zwei zwar dabei, aber längst nicht mittendrin: Der 21-jährige Anthony Racioppi aus Genf wird im Kader von Lyon als Goalie Nummer 3 geführt, Yvon Mvogo bei RB Leipzig als Nummer 2.

Wenigstens die beiden anderen Schweizer sind unbestrittene Stammspieler. Und erst noch bei einem Team, das die Champions League so wohltuend aufmischt: Atalanta Bergamo. Der 27-jährige Berat Djimsiti, in Zürich geboren und aufgewachsen, ist Doppelbürger Albaniens und der Schweiz und in der Innenverteidigung gesetzt.

Der 28-jährige Aufbauer Remo Freuler aus Winterthur gehört ebenfalls zu jenen Profis, auf die Erfolgstrainer Gian Piero Gasperini selten verzichtet. «Wir trainieren unheimlich hart. Das ist sicher die Basis unseres Erfolgs», antwortet Freuler in einem Interview mit dem TV-Sender Sky auf die Frage nach den Gründen für den anhaltenden Höhenflug. «Dazu kommt ein enormer Teamgeist.» Seit Januar 2016 steht der 19-fache Internationale in Bergamo unter Vertrag und hat inzwischen in der Serie A 140 Spiele bestritten.

Die Schweizer und Gosens: brillantes Scouting

Djimsiti und Freuler dürfen sich gute Chancen ausrechnen, heute Abend in Lissabon gegen Paris Saint-Germain auf dem Rasen zu stehen. Die Entwicklung der beiden deckt einen weiteren Faktor auf, der Atalanta so stark macht: das exzellente Scouting. Der «Corriere dello Sport» schrieb: «Wo die Millionen nicht genügen, siegen die Ideen.»

In jungen Jahren bei GC für zu wenig gut befunden, wurde Freuler schliesslich beim FC Luzern von Atalanta entdeckt und nach Bergamo gelotst. Ganz speziell ist der Fall von Djimsiti. Die Italiener scherten sich keinen Deut darum, dass der damals knapp 23-Jährige den Ansprüchen des FC Zürich angeblich nicht mehr genügte. Sie sahen in ihm Qualitäten, kauften ihn, hatten dann aber doch ihre Zweifel, liehen ihn zu Avellino und Benevento aus und wollten ihn schon endgültig abgeben, als ein Verteidiger ausfiel und sie ihm eine letzte Chance gaben. Er packte sie – und spielt seither fast immer.

Auch Robin Gosens, 26, ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie gut Atalanta scoutet. In Deutschland ein unbeschriebenes Blatt, «grub» ihn Bergamo bei Heracles Almelo aus, überwies eine Million Euro nach Holland und darf jetzt bei einem Verkauf des baldigen deutschen Nationalspielers mit 20 Millionen Euro rechnen.

Das Schöne an der Geschichte: Atalanta spielt den attraktivsten Fussball in Italien und hat in der Serie-A-Saison 19/20 sagenhafte 98 Tore erzielt. Der PSG muss gut verteidigen, will er nach 25 Jahren wieder einmal einen Halbfinal in der Champions League erreichen. Es dürfte für ihn wie eine Warnung klingen, wenn Gasperini sagt: «Wir wollen den Menschen in Bergamo nach all der Trauer wegen Corona ein Lachen schenken.»

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