Leichtathletik

Die Diamond League gründet einen neuen Verein im Kanton Zug, um alte Geister loszuwerden

Christoph Joho, der Co-Direktor von Weltklasse Zürich, ist eine der führenden Personen bei der Weiterentwicklung der Diamond League.

Christoph Joho, der Co-Direktor von Weltklasse Zürich, ist eine der führenden Personen bei der Weiterentwicklung der Diamond League.

Das Aushängeschild der internationalen Leichtathletik mit dem Zugpferd «Weltklasse Zürich» gibt sich auch wegen einem Kriminellen einen anderen rechtlichen Rahmen. Federführend beim neuen Verein ist Co-Direktor Christoph Joho.

Lamine Diack ist seit fünf Jahren nicht mehr Leichtathletik-Weltpräsident und seit einigen Wochen hochoffiziell als Verbrecher verurteilt. Trotzdem geistert der 87-jährige Senegalese noch immer in den Köpfen so mancher Sportfunktionäre herum. Zum Beispiel wenn es darum geht, die von ihm praktizierten kriminellen Machenschaften in Zukunft zu verhindern.

So fällt der Name Diack auch als Erklärung, wieso sich der Zusammenschluss der grössten Leichtathletik-Meetings der Welt, die Diamond League, in diesem Herbst rechtlich neu aufgestellt hat. Am 21. September publizierte das Schweizerische Handelsamtsblatt die Gründung eines «Diamond League Vereins» mit Sitz in Steinhausen.

Aufgeführt als Vizepräsident des Vorstands ist Christoph Joho, der Co-Direktor von Weltklasse Zürich. Er war es auch, der 2009 gemeinsam mit dem damaligen Meetingdirektor Patrick Magyar die Diamond League gleichenorts – dem damaligen Geschäftssitz von Magyar - als Aktiengesellschaft eintragen liess.

«Weltklasse Zürich sah seine Rolle nach eigenem Selbstverständnis immer schon bedeutender, als nur jene eines gewöhnlichen Sportanlasses», erklärt Joho. Bei vielen Entwicklungen der letzten Jahre – national wie international – wirkten die Zürcher Organisatoren als Treiber. Auch beim Gedeihen der Diamond League.

Die AG verunmöglichte den Ausschluss von Meetings

Bereits beim Schritt vor elf Jahren ging es darum, dass sich diese Aushängeschilder der Leichtathletik eine gewisse Selbstständigkeit gegenüber dem Verband (IAAF) bewahren wollten. Die Aktien wurden unter allen Meetingorganisatoren sowie der IAAF aufgeteilt.

Doch die AG als Rechtsform stellte sich als nicht für alle Fälle optimal heraus. Mehrmals gab es ein Kompetenzgerangel zwischen Verwaltungsrat und Aktionären. Auch der vorgesehene Ausschluss von zwei Meetings aus dem erlauchten Kreis, weil deren Organisatoren die erforderlichen Qualitätsstandards nicht erfüllten, erwies sich in einer AG als schier unmöglich.

«Es drohte in verschiedenen weiteren Fällen ein komplexer juristischer Streit mit ungewissem Ausgang», sagt Joho. So wurde von Seiten Weltverband versucht, den Sitz der AG von Steinhausen nach Monaco oder Grossbritannien zu verlegen.

Zudem sei es schwierig gewesen, der internationalen Teilhaberschaft das Schweizer Aktienrecht verständlich zu machen. Diese Komplexität führte mangels Unklarheiten immer öfters zu einer Abwehrhaltung der Mitglieder. Entscheide und damit auch Weiterentwicklung wurden so blockiert.

Der frühere Leichtathletik-Verbandspräsident Lamine Diack wurde im September in Paris zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Der frühere Leichtathletik-Verbandspräsident Lamine Diack wurde im September in Paris zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Und da war eben auch Lamine Diack, ein Weltmeister im Erkennen und Aneignen von finanziellen Honigtöpfen. Der Senegalese wollte vor der Gründung der Diamond League die Rechte der Meetings übernehmen und bot dafür einen dreistelligen Millionenbetrag.

«Auch später hätte Diack den Verwaltungsrat durch bessere Detailkenntnisse über das Schweizer Aktienrecht viel mehr dominieren und seine Interessen durchsetzen können», sagt Joho. Angesichts des Werdegangs von Diack höchstwahrscheinlich mit katastrophalen Konsequenzen für die Serie.

Neues Kräfteverhältnis von Meetings und Verband

Neu ist die Diamond League nun also ein Verein. Die AG bleibt für den kommerziellen Bereich bestehen. Dem Verein gehören sämtliche Aktien. Er regelt die politischen Dimensionen der Meetingserie.

In den meisten Fällen entscheidet nun eine einfache Mehrheit der Vorstandsmitglieder über die Beschlussfassung. Auch das Kräfteverhältnis zwischen Meetings und Weltverband ist neu geregelt. Ebenso sei die Vereinsform in Sachen Transparenz die viel bessere Lösung, erklärt Joho.

Auch eine unfreundliche Übernahme rückt so in weite Ferne. Selbst wenn die Führung des Weltverbandes derzeit für Joho und Co. einen weitaus vertrauenswürdigeren Eindruck hinterlässt als vor einigen Jahren. Dazu beigetragen hat der neue CEO von World Athletics, der Brite Jonathan Ridgeon. Der 53-Jährige war selbst Weltklasse-Hürdenläufer und später Geschäftsführer einer Veranstaltungsagentur.

Ridgeon kennt die Bedürfnisse der Meeting-Direktoren. Lob für den Neuen an der operativen Spitze der internationalen Leichtathletik gibt es auch von Christoph Joho: «Ridgeon weiss im Gegensatz zu seinem Vorgänger, von was er spricht». Deshalb gilt auch für ihn: Willkommen im Verein.

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