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Die Familie hat ihren Vater und Ehemann wieder: Wie Roger Federer sich vom Wimbledon-Drama erholt

Betretene Gesichter in der Box von Roger Federer nach dem dramatisch verlorenen Wimbledon-Final. Auch bei seinen vier Kindern.

Betretene Gesichter in der Box von Roger Federer nach dem dramatisch verlorenen Wimbledon-Final. Auch bei seinen vier Kindern.

Erstmals in seiner Karriere verliert Roger Federer (37) einen Grand-Slam-Final, in dem er einen Matchball nicht nutzen kann. Er unterliegt Titelverteidiger Novak Djokovic mit 6:7, 6:1, 6:7, 6:4, 12:13. Geknickt ist nicht nur er, sondern seine ganze Familie.

Fast fünf Stunden hatte sich Roger Federer mit Novak Djokovic duelliert, am Ende deutlich mehr Punkte gewonnen, zwei Matchbälle gehabt – doch zum dritten Mal nach 2014 und 2015 verlor er gegen den Serben einen Wimbledon-Final. Es ist auch der erste seiner 31 Grand-Slam-Finals, den Federer nach Matchball verliert. In der Geschichte des Tennis gab es das erst zehn Mal – letztmals 2004 in Roland Garros, als der Argentinier Guillermo Coria seinem Landsmann Gaston Gaudio unterlag. In Wimbledon gab es das erst ein Mal – 1948 und damit weit bevor Roger Federer damit begann, die Geschichtsbücher des Tennis neu zu schreiben. Doch auch in der Niederlage verlor Federer den Humor nicht.

«Meine Kinder werden ab diesem Teller nicht begeistert sein. Sie würden wohl eher das goldene Ding wollen», sagt Federer noch auf dem Platz. Vor seinen Eltern Robert und Lynette. Vor seiner Ehefrau Mirka. Und auch vor den Augen seiner Kinder – den Zwillingsmädchen Charlene und Myla, die am 23. Juli ihren 10. Geburtstag feiern, und den Zwillingsbuben Leo und Lenny, die im Mai 5 Jahre alt wurden. Die Enttäuschung – sie steht auch ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch ihnen scheint klar zu sein, welch emotionalen Moment ihr Vater auf dem Platz erlebt. «Wir hatten eine tolle Zeit hier und ich liebe sie so sehr», sagt Federer. «Für mich heisst es nun: Zurück in die Rolle als Vater und Ehemann.»

Fünf Grand-Slam-Titel hat Roger Federer gewonnen, seit er Vater geworden ist: 2010, 2017 und 2018 in Melbourne, 2012 und 2017 in Wimbledon. Doch nur einmal durfte er den Pokal im Beisein der ganzen Familie in Empfang nehmen. In Australien lagen die Kinder schon im Bett, als Vater Federer um Grand-Slam-Ehren spielte. «Das ist für uns als Familie», sagte Federer vor zwei Jahren nach seinem bislang letzten Wimbledon-Sieg, wohlwissend, dass die adrett gekleideten Buben die Bedeutung des Moments nicht verstehen.

Tatsächlich machten die beiden Blondschöpfe Grimassen, bohrten in der Nase und sorgten damit für heitere Stimmung in der Federer-Box.

2017 durfte Roger Federer vor seinen vier Kindern den Wimbledon-Pokal in Empfang nehmen. «Das ist für uns als Familie», sagte er damals.

2017 durfte Roger Federer vor seinen vier Kindern den Wimbledon-Pokal in Empfang nehmen. «Das ist für uns als Familie», sagte er damals.

Inzwischen verstehen die Buben, was auf einem Tennisplatz geschieht, spielen auch selber und zeigen Interesse, dabei zu sein, wenn der Papa spielt. «Sie sind gerne hier in Wimbledon», sagt Federer.

Bei Myla und Charlene erlösche das Interesse am Tennis jeweils schneller. «Zehn Minuten ist für sie okay, dann können sie wieder gehen. Sie fragten mich auch schon, ob sie Bücher mitnehmen dürfen, falls ihnen während des Spiels langweilig werde. Deshalb kommen sie auch nicht so oft. Sie sollen selber entscheiden, ob sie Lust haben.»

Federers Lust auf Knuddeln

Bei den Buben sei das Interesse am Tennis grösser. Bei der Achtelfinal-Gala gegen Matteo Berrettini sassen sie im Publikum, machten die Welle. «Daran hatten sie mega Freude.» Danach fehlten sie, weil Federer und Mirka den Kindern die Anspannung nicht zumuten wollten. Danach hätten sie indes telefoniert. «Sie haben gedacht, ich hätte Geburtstag und Happy Birthday gesungen. Wahrscheinlich, weil alle so glücklich waren und es das einzige Lied war, das sie konnten. Es ist schön, dass Mirka noch gerne an die Spiele kommt. Es ist ja bei uns so viel los. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich.» Über Tennis würde er aber auch mit ihr selten sprechen. «Wir haben ja andere Dinge zu erledigen.»

Nach der Niederlage in Wimbledon sagt Federer, er habe das Gefühl, eine unglaubliche Möglichkeit verpasst zu haben. «Ich bin eher wütend als enttäuscht oder traurig.» Federer gönnt sich nun eine Pause, lässt das Turnier in Montreal aus und kehrt erst Mitte August in Cincinnati in zurück. Er sei stark darin, wieder nach vorne zu schauen. «Irgendwann vergesse ich auch diese Niederlage. Es bringt ja nichts, dauernd daran zu denken. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen. Und Ablenkung habe ich genug.» Zum Beispiel durch seine Kinder. Als er vor zwei Jahren gefragt wird, was er von ihnen gelernt habe, sagt Federer: «Geduld und wie schön es ist, zu knuddeln. Ich kann sie gar nicht genug knuddeln.» Auch das wird helfen, die Niederlage gegen Djokovic schnell zu vergessen.

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