Die FCL-Torhüter auf dem Prüfstand

Der FC Luzern startet am Sonntag (16:00 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Sion in die Rückrunde. Wir nehmen vorgängig die drei Torhüter David Zibung, Mirko Salvi und Loïc Jacot und den an Kriens ausgeliehenen Simon Enzler unter die Lupe.

Daniel Wyrsch
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David Zibung: Das Urgestein mit dem Instinkt

Der Routinier und älteste Spieler des FC Luzern: David Zibung (35). (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern. 6. März 2016))

Der Routinier und älteste Spieler des FC Luzern: David Zibung (35). (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern. 6. März 2016))

Seine Stärken: David Zibung (35) besitzt eine enorme Erfahrung. 375 Spiele in der Super League hat er auf dem Buckel. Alle für den FC Luzern. Er kennt den Club wie kein Zweiter. Vor 20 Jahren wechselte er von Hergiswil zum Innerschweizer Fussball-Aushängeschild. Er steht für den FCL und die Region. Zibung, inzwischen Vater zweier Mädchen und mit der Familie in Schenkon wohnhaft, zeichnet ein hervorragender Instinkt aus. Er weiss ganz genau, was der FCL in der jeweiligen Situation braucht, was ein Torhüter tun muss, um seine Vorderleute richtig zu positionieren und in der Hintermannschaft kompakt zu sein. Lautstark dirigiert er seine Mitspieler auf dem Platz, rüttelt sie wach, weist sie aber auch ausserhalb des Feldes zurecht oder gibt ihnen Ratschläge, wenn dies denn gefragt sein sollte. Gleich wie sein ehemaliger Teamkollege und späterer Trainer Gerardo Seoane kennt Zibung jeden Raum und Schalter der Swisspor-Arena. Damit und dank seiner Mentalität ist er hier jedem Goalie-Rivalen überlegen. Der einzige, der sich in den letzten 13 Jahren gegen ihn durchsetzen konnte, ist der aktuell beste Keeper der Liga, Jonas Omlin.

Seine Schwächen: Das FCL-Urgestein ist eine selbstbewusste Persönlichkeit, die aber durchaus auch selbstkritisch ist. David Zibung ist sich bewusst, dass er mit den explosiven und sprunggewaltigen Torhütern wie Jonas Omlin nicht mithalten kann. In Gedanken beim Obwaldner Ex-FCL-Goalie, der nun im Basler Tor steht, stellte Zibung kürzlich fest:

«Ich werde nie mehr zum Torhüter, der die Bälle aus dem Lattenkreuz kratzt.»

Trotzdem gelingen Zibung dann und wann spektakuläre Paraden wie im Cup gegen Servette oder beim Überraschungssieg gegen YB. Aber klar, ein Torhüter, der die Flanken fast immer sicher runterpflückt oder bei jedem Weitschuss wie eine Bank zur Stelle ist, ist Zibung nicht. Mit Jahrgang 1984 gehört er fussballerisch gesehen zur Generation «old school», sei es goalie- und vor allem fussballtechnisch. Dennoch hat Zibung kürzlich seinen Vertrag um ein Jahr verlängert, weil man weiss, was man an ihm hat. Er wird voraussichtlich am Sonntag im Heimspiel gegen Sion zum 376. Mal in einem Match der höchsten Liga zwischen den Luzerner Pfosten stehen – und wieder ein bewährter Rückhalt für den FCL sein.

Mirko Salvi: Der Neue kämpft um den Platz

Angriffslustiger Romand im Kampf um die Nummer 1: Mirko Salvi (24). (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 4. August 2018))

Angriffslustiger Romand im Kampf um die Nummer 1: Mirko Salvi (24). (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 4. August 2018))

Seine Stärken: Mirko Salvi (24) hat es beim FC Luzern von Anfang an nicht einfach gehabt. Der in Yverdon-les-Bains im Waadtland gross gewordene Italoschweizer musste sich in den ersten Monaten immer wieder die Vergleiche mit seinem Vorgänger Jonas Omlin anhören. Omlin ist das grosse Talent aus der Innerschweiz, der sich im Tor des FCL durchsetzte, rasant weiterentwickelte und schliesslich beim langjährigen Serienmeister FC Basel und gar im Kader der Schweizer Nationalmannschaft landete. Während Omlin bei den FCL-Fans trotz des Wechsels zu Basel immer noch ein Idol ist, musste sich Salvi erst beweisen. Kein einfacher Weg, besonders wenn hinter ihm Omlins Vorgänger David Zibung in Lauerstellung ist. Mitleid braucht Salvi aber nicht. Er ist ein guter Super-League-Goalie, der beim FC Basel eine vorzügliche Ausbildung genossen hatte und über eine profunde Technik verfügt. Der charakterlich einwandfreie Salvi war eineinhalb Jahre Stammtorhüter beim FC Lugano, er weiss, wie ein Schlussmann in der Super League agieren muss. Von seinen sportlichen Fähigkeiten her ist er Zibung mindestens gleichwertig.

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Seine Schwächen: Weniger stark ausgeprägt als bei David Zibung ist Mirko Salvis Persönlichkeit. Das hat auch damit zu tun, dass er von den FCL-Verantwortlichen nie besondere Rückendeckung bekommen hat. Er musste nach den herausragenden Leistungen von Jonas Omlin in der neuen Saison das schwere Erbe des Obwaldners antreten. Ihm ist gewiss nicht entgegengekommen, dass sich die Mannschaft im ersten Saisonviertel noch nicht gefunden hatte. Nach diesen neun Spielen hatte Luzern lediglich 9 Punkte (16 im zweiten Viertel mit Zibung) auf dem Konto, lag in der Tabelle auf Platz 8. Zibung bekam seine Chance gegen YB, der FCL gewann, Salvi erlitt im Training einen Innenbandriss und fiel drei Monate aus. Seit Anfang Januar ist er zurück, im Trainingslager in Marbella zeigte er sich angriffslustig:

«Ich kann jeden Tag zeigen, dass ich da bin.»

Im Testspiel gegen Steaua Bukarest (0:0) gelang ihm eine tadellose Leistung. Ob Salvi die Nummer 1 zurückerobert, wird sich zeigen. Ihm fehlt sicher noch etwas das Aussergewöhnliche eines Goalies. Derzeit ist völlig offen, ob der FCL Salvi Ende Saison definitiv von GC übernimmt.

Loïc Jacot: Der Wettkampftyp mit Ausstrahlung

Junger Mann mit beieindruckender Goaliepostur: Loïc Jacot (19). (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Marbella, 12. Januar 2019))

Junger Mann mit beieindruckender Goaliepostur: Loïc Jacot (19). (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Marbella, 12. Januar 2019))

Seine Stärken: Der Neuenburger Loïc Jacot hat mit seinen zarten 19 Jahren bereits eine eindrucksvolle Torhüterpostur. 1,90 Meter gross und 85 Kilo schwer ist der junge Mann aus Hauterive am Neuenburgersee. Wie ein typischer Goalie ist er äusserst zuverlässig, und selbstverständlich geht er dorthin, wo es weh tut. Diese kämpferische Mentalität habe er bei Torhütertrainer Lorenzo Bucchi und seinen Goaliekollegen David Zibung und Mirko Salvi erst so richtig verinnerlicht, erzählte Jacot. Insgesamt fällt er im Training weniger auf, sondern erwacht erst so richtig, wenn es um Siege und Punkte geht. Loïc Jacot gilt als Wettkampftyp, ein Keeper für die Matches. Für sein junges Alter ist er bereits sehr reif, und er strahlt Sicherheit aus. Am 8. Januar gab er im Testspiel gegen Winterthur (1:2) in Kriens seinen Einstand. «Für mich war das ein super Erlebnis», schwärmte Jacot. Er war schuldlos an den beiden Gegentoren. In dieser Saison ist er an Luzern ausgeliehen mit einer Kaufoption, bei Xamax würde sein Vertrag sonst bis 2021 weiterlaufen. Er lässt offen, wie es mit ihm weitergeht, will einfach weiterkommen.

«Mein Debüt war ein super Erlebnis.»

Seine Schwächen: Um in seiner Karriere weiterzukommen, muss Loïc Jacot noch härter in den Übungseinheiten an sich schaffen. Selbstverständlich muss sich auch ein Torhüter im Training den Trainern aufdrängen. Gerade ein junger, wenig renommierter Keeper muss auf sich aufmerksam machen. In Luzern stehen ihm die erfahrenen David Zibung und Mirko Salvi noch vor der Sonne. Relativ überraschend hat FCL-Trainer René Weiler letzte Woche ein Zeichen für Jacot gesetzt, indem er aus dem Zweikampf zwischen Zibung und Salvi einen Dreikampf mit Zibung, Salvi und Jacot machte. Nichtsdestotrotz scheint die Torhüter-Hierarchie unverändert geblieben zu sein: Zibung hat die Nase vorn vor Salvi und dem dahinter- lauernden Youngster Jacot. Bei seinem Debüt gegen Winterthur spielte Jacot den Ball auffällig oft mit dem Fuss zu den Aussenverteidigern an der Seitenlinie. Nicht jeder Pass kam an, das ist verständlich und normal. Trotzdem hat Jacot gemäss der Meinung verschiedener Experten eine leichte Schwäche bei der Technik mit den Füssen. Sie sei ausbaufähig. Jacot ist jung und kann noch viel dazulernen.

Simon Enzler: Der Arbeiter mit grossem Talent

Der Zuger FCL-Profi kann sich beim SCK beweisen: Simon Enzler (21). (Bild: Pius Amrein/LZ (Luzern, 8. April 2018))

Der Zuger FCL-Profi kann sich beim SCK beweisen: Simon Enzler (21). (Bild: Pius Amrein/LZ (Luzern, 8. April 2018))

Seine Stärken: Simon Enzler (21) kommt aus dem Kanton Zug, seit Sommer 2012 gehört der ehemalige Junior des FC Ägeri und von Zug 94 dem FC Luzern. Von der U17 bis zur U21 spielte er im Luzerner Nachwuchs. Enzler überzeugte seine FCL-Juniorentrainer. Bis vor etwas mehr als einem Jahr spielte er unter Gerardo Seoane, der Anfang 2018 die FCL-Profis und seit Sommer die YB-Spieler zu zahlreichen Siegen coachte. Simon Enzler ist zwar ein Namensvetter des Appenzeller Satirikers Simon Enzler (42), doch selber ist er alles andere als ein Lautsprecher. Goalie Enzler ist einer der eher seltenen Spezies Sportler, die grosses Talent mit viel Willen verbindet. Dem an den Challenge-League-Verein SC Kriens ausgeliehenen Keeper wird riesiges Talent attestiert. Bei seinen früheren Trainern gibt es sogar solche, die über ihn sagen, er würde ein Naturtalent sein. Überzeugen kann Enzler auch mit technisch herausragenden Abwehraktionen, so gewann er zumindest im Nachwuchs mehr als die Hälfte der 1:1-Situationen gegen die Angreifer. Für Kriens-Trainer Bruno Berner ist Enzler nun die Nummer 1 in der Challenge League.

Seine Schwächen: Der frühere Luzerner Clubkollege Jonas Omlin setzte sich in einem Interview mit unserer Zeitung für Simon Enzler ein. «Ich hoffe für Simon Enzler, dass er irgendwann die Chance beim FCL bekommt», sagt die Nummer 1 des FC Basel. Die Luzerner Verantwortlichen scheinen jedoch noch nicht besonders viel von Enzler zu halten. Obwohl bis Ende Saison an Kriens ausgeliehen, ist der Vertrag mit dem Zuger noch nicht über den nächsten Sommer hinaus verlängert worden. FCL-Sportchef Remo Meyer bestätigte immerhin Überlegungen, um den Kontrakt mit Enzler zu verlängern. Nicht ganz ausgeschlossen ist vielleicht sogar ein Luzerner Torhütertrio ab der nächsten Saison mit den jungen Jacot und Enzler sowie dem erfahrenen Zibung. Enzler gehört weder zu den grössten noch zu den kleinsten Keepern. Mit einer Länge von 1,86 Metern und einem Gewicht von 78 Kilo kommt er weniger imposant daher wie beispielsweise Jacot. Arbeiten muss Enzler noch an seiner Persönlichkeit, wenn er einen Raum betritt, hat er (noch) nicht die raumfüllende Aura eines Pascal Zuberbühlers. Er hat noch Zeit, sich weiterzuentwickeln.

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