Apropos
Die grosse Frage: Wo übernachtet die Frau von Dario Cologna?

Unsere Reporter in PyeongChang berichten über die sportlichen und unsportlichen Ereignisse im Olympiadorf. Heute: Warum Gold-Dario plötzlich mit den Tücken von «Fake News» kämpfen muss.

Rainer Sommerhalder, PyeongChang
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Über Dario Cologna wurden wohl in letzter Zeit einige «Zeitungsenten» geschrieben.

Über Dario Cologna wurden wohl in letzter Zeit einige «Zeitungsenten» geschrieben.

KEYSTONE/EPA/FILIP SINGER

In den Tagen vor «Fake News» sprach man gerne von «Zeitungsenten», wenn sich eine gedruckte Geschichte als falsch herausstellte. Seit das weltweite Netz unsere Informationsbeschaffung dominiert, ist dieser Begriff obsolet geworden. Dennoch versetzte die Angst vor einer solchen Ente die Schweizer Delegationsleitung am Wochenende in helle Aufregung. Und ich bin daran nicht ganz unschuldig.

Nach dem triumphalen Olympiasieg von Dario Cologna stürzte man sich auf jede Information, welche der eigenen Story mehr Pfeffer verleiht. Je seriöser dabei die Quelle, desto mehr Gewicht hat das Gesagte. Und da war dieser Kollege, dessen Name mir zwar nicht gerade entfallen ist, den ich aber hier trotzdem nicht nenne. Nur so viel: Er arbeitet für eine durchaus staatstragende Organisation und ist dem banalen Boulevard mindestens so abgeneigt wie die katholische Kirche dem Kondom.

Mit der Überzeugung eines Opernsängers in der Stimme erzählt er, dass Dario Cologna als einziger Schweizer Athlet das Privileg besitzt, im olympischen Dorf ein Doppelzimmer mit seiner Lebenspartnerin Laura zu teilen. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, dass dieser staatstragende Journalist soeben einen Witz gerissen hat.

Ordentlich wie ich bin, recherchiere ich am Abend beim Schweizer Delegationsleiter, ob diese Story stimmt. Ralph Stöckli legt mir unmissverständlich und einleuchtend dar, dass nichts, aber auch gar nichts davon stimme. Ich danke für die Aufklärung und beruhige ihn, dass aus meiner Feder kein Buchstabe dazu den Weg in die Zeitung finden werde. Es aber nicht auszuschliessen sei, dass sich andere Schreiberlinge schon längst genüsslich zu diesem Thema die Fingerbeeren an der Tastatur wundschrieben.

Das wiederum versetzt den Schweizer Olympia-General in den Notfallmodus. Er alarmiert seinen Presseattaché, das «Fake News»Abwehrdispositiv raufzufahren. Stunden später ist der Witz endlich als Witz identifiziert und die Ente definitiv geköpft. Mit der Konsequenz, dass ich als Überbringer der ungeheuerlichen Falschmeldung künftig bei der Newsjagd über Dario Cologna wohl am Ende der Nahrungskette stehen werde.

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