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Die Helfer an der Tour de France haben freie Fahrt

Simon Yates feiert seinen geglückten Coup.Bild: Yoan Valat/Keystone (Bagnères-de-Bigorre, 18. Juli 2019)

Simon Yates feiert seinen geglückten Coup.Bild: Yoan Valat/Keystone (Bagnères-de-Bigorre, 18. Juli 2019)

Simon Yates holt den Tagessieg an der Tour de France. Gelb bleibt auf den Schultern von Julian Alaphilippe.

Der erste Pyrenäentag dieser 106. Tour de France stand im Zeichen der Helfer. Gleich 42 Fahrer entfernten sich kurz nach dem scharfen Start aus dem Peloton. Es wären wohl noch ein paar mehr gewesen, wenn nicht Team Ineos in breiter Front die Strasse geschlossen hätte. «Ja, das war der schwerste Job», sagte lächelnd Ineos’ sportlicher Leiter Nicholas Portal dieser Zeitung. «Wir mussten die Strasse dichtmachen, damit keiner davonfährt, der eine Gefahr für die Gesamtwertung darstellt», erklärte der Franzose in britischen Diensten.

In der Gruppe gab es sehr unterschiedliche Interessen. Die Sprinterfraktion mit Peter Sagan und Sonny Colbrelli hatte es auf die Punkte in Bagnères-de-Luchon, noch vor dem ersten richtigen Berg des Tages, abgesehen. Bergkönig Tim Wellens wollte sich hingegen die Bergpunkte sichern. Ein paar Helfer hatten sie, Wellens zwei, Sagan sogar drei.

Die Rechnungen der Trikotträger gingen allesamt auf. Sagan holte sich die volle Punktzahl vor Colbrelli. Der Italiener schob sich immerhin auf Platz zwei der Wertung hinter Sagan vor. Der Bora hansgrohe-Profi hat jedoch einen Vorsprung von 86 Punkten.

Auch Wellens war erfolgreich, fügte weitere Bergpunkte seinem Konto hinzu. Bergkönig wie Sprintkönig liessen sich nach getaner Arbeit vom Peloton schlucken.

Simon Yates ist 
der Explosivste

Sagans Teamkollegen Maximilian Schachmann und Gregor Mühlberger hatten es hingegen auf den Etappensieg abgesehen. Mehr Glück im Pokerspiel der vorn verbliebenen Ausreisser hatte zunächst Mühlberger, der einen entscheidenden Vorstoss aus der Gruppe mitmachte. «Er hatte da schon ein paar Meter, ich hätte direkt mit Yates mitfahren müssen. Die Attacke war aber so schnell, da konnte ich nicht gleich reagieren», blickte Schachmann auf die entscheidenden Momente zurück. Danach hielt ihn der Ehrenkodex im Radsport zurück. «Man macht das einfach nicht. Man fährt nur hinterher, riegelt hinten ab, fährt die Attacken mit und versucht, dem Teamkollegen die anderen vom Leib zu halten», meinte der deutsche Meister im Ziel. Er wirkte dann enttäuscht, dass der Teamkollege nicht den ganz grossen Coup gelandet hatte. «Eigentlich war die Konstellation ja gut, er als ziemlich endschneller Bergfahrer mit den anderen beiden Bergfahrern», sagte Schachmann.

Gregor Mühlberger war die Enttäuschung ebenfalls anzumerken. «Natürlich hatte ich mir mehr erhofft. Aber Yates war eben sehr explosiv. Er hatte diesmal die schnellsten Beine. Mich hat dann noch Bilbao etwas eingebaut, aber ich wäre trotzdem wohl nicht an Yates vorbeigekommen», bilanzierte der Österreicher.

Als Helfer seines Zwillingsbruders angetreten

Yates hingegen nutzte seine Chance. Der Vuelta-Sieger von 2018 ist als Helfer für seinen Zwillingsbruder Adam nach Frankreich gekommen. «Simon hat keine Klassementambitionen», beteuerte Teamchef Matthew White zu Beginn dieser Tour. Damit auch die Rivalen das glauben, bemühte sich der Helferbruder in den vergangenen Tagen darum, genügend Rückstand anzuhäufen. Ineos liess ihn auch deshalb fahren.

Den Favoriten war ohnehin nach einem ruhigen Tag zu Mute. Einträchtig kletterten Thomas und Bernal, Quintana und Buchmann die beiden Berge des Tages hoch, einträchtig fuhren sie sie hinunter. Das Rennen lief ideal für Ineos. «Ich denke, beim Zeitfahren in Pau werden unsere Captains noch weiteren Vorsprung auf die Konkurrenz herausholen», prognostizierte Portal. Es sieht ganz nach einer Fortsetzung der Erfolgsserie des Dominanzrennstalls von der Insel aus.

106. Tour de France

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