Die Krienser Handballer gastieren beim Überraschungsteam St. Otmar St. Gallen

Kriens-Luzern gastiert beim formstarken St. Otmar St. Gallen zum Spitzenkampf. Der Sieger stösst auf den ersten Platz vor.

Stephan Santschi
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Andrija Pendic von St. Otmar St. Gallen rechnet sich gute Chancen gegen Kriens-Luzern aus.

Andrija Pendic von St. Otmar St. Gallen rechnet sich gute Chancen gegen Kriens-Luzern aus.

Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 8. November 2020)

Was sich im letzten Spiel von St. Otmar St. Gallen ereignete, passiert einer Mannschaft vor allem dann, wenn es rund läuft. Die Matchuhr im Auswärtsspiel gegen Pfadi Winterthur war bereits abgelaufen, der Zweimeter-Hüne Dominik Jurilj trat zum Freiwurf an, nahm aus elf Metern Mass und traf über die Mauer hinweg zum 34:33-Sieg. Es war der siebte Vollerfolg in Serie, seit zwei Monaten sind die Ostschweizer ungeschlagen. Letztmals verloren sie beim HC Kriens-Luzern (21:24) und der ist am Mittwoch (19.30, live auf handballtv.ch) in der Kreuzbleichehalle zu Gast. «St. Otmar ist das Überraschungsteam der NLA», sagt Goran Perkovac, der Krienser Trainer. Grund genug also für eine kleine Stippvisite beim nächsten Gegner.

Der Höhenflug der St. Galler lässt sich am besten an Regisseur Andrija Pendic illustrieren. Der 33-jährige Thurgauer, der in seiner langen NLA-Laufbahn auch für Schaffhausen, GC Zürich, Suhr Aarau und Endingen auflief, verbucht mit 7,6 Toren pro Spiel einen so starken Skorerwert wie noch nie. «Ich bin ja eigentlich eher der klassische, altmodische Spielmacher, der die Rückraumspieler und den Kreisläufer in Szene setzt. Es ist nicht mein Ziel, zehnmal pro Spiel aufs Tor zu werfen», erzählt der 1,90 Meter grosse Athlet und mit einem Schmunzeln fügt er an: «So viel wie jetzt kam ich noch nie zum Abschluss. Irgendwie fallen sie alle rein, egal von wo ich abziehe.»

«Einen General wie Goran Perkovac haben wir auch»

St. Otmar St. Gallen hat also einen Lauf und der ist durchaus erklärbar. Im Sommer kehrte Spielertrainer Bo Spellerberg nach Dänemark zurück, an seine Stelle trat der nicht mehr spielende und weniger kollegial auftretende Zoltan Cordas. Um den neuen Mann an der Seitenlinie zu beschreiben, vergleicht ihn Pendic mit dem Krienser Pendant Perkovac: «Goran ist ein General. Er zeigt die Richtung vor und alle haben zu marschieren. Wer ihm nicht folgt, ist weg. Wer einen Umweg macht, bekommt es sofort zu hören. So einen haben wir mit Zoltan Cordas auch.» Er selber bevorzuge diesen Typ Trainer, sagt Pendic, unter Perkovac spielte er selbst übrigens in der Schweizer Nationalmannschaft.

Neben den klaren Ansagen und der Disziplin kam es in St. Gallen zu einer Anpassung in der Trainingsarbeit. «Spellerberg legte das Augenmerk auf die Offensive, wir griffen oft mit sieben gegen sechs an. Cordas hingegen schult vor allem die Abwehr, vorne überlässt er die Entscheidungen meistens uns», erklärt Pendic. Während sich die Abwehr mit dem überragenden Nationalkeeper Aurel Bringolf gesteigert hat, verlor St. Otmar nichts an Durchschlagskraft. Dafür verantwortlich sind neben Pendic vor allem die ebenfalls spielstarken Filip Maros und Rares Jurca sowie Distanzschütze Jurilj und Kreisläufer Tobias Wetzel. Kurz: «Jeder ruft bei uns im Moment die Leistung ab, jeder trägt zum Erfolg bei.»

Die Kadetten prägten St. Gallens Spielmacher

Pendic rechnet sich nun auf gegen Kriens-Luzern gute Chancen aus. «Noch sind wir nicht so gut, dass wir die Krienser an die Wand klatschen können. Ihr Kader ist breiter, sie sind der klare Favorit. Doch wir spielen total ohne Druck und mit unserer momentanen Form spricht nichts dagegen, dass wir zu Hause gegen sie gewinnen.» Er selbst ist sich Spitzenkämpfe gewohnt, sieben Jahre lang war er Profi in Schaffhausen, gewann fünf Meistertitel, spielte in der Champions League und absolvierte 34 Länderspiele.

In Schaffhausen habe er auf seiner Position selten nur einen Konkurrenten gehabt. «Ich kämpfte jeden Tag im Training um meinen Platz, damit der Trainer auf die Idee kam, mich aufzustellen. Das hat mich geprägt», erzählt der zweifache Familienvater. Nun spielt Andrija Pendic in der dritten Saison für St. Otmar und erlebt persönlich einen weiteren Frühling, aktuell ist er mit 114 Treffern der Leader des Torschützenklassements. Wer am Mittwoch den Spitzenkampf gewinnt, wird zudem die Tabellenführung der NLA übernehmen.

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