Fussball Cup-Halbfinal

Die Stunde der Wahrheit: Ein junger Goalie soll den FC Luzern in den Final führen

Hat alle Voraussetzungen, um eine gute Karriere zu machen: Jonas Omlin, 1,90 Meter gross.

Hat alle Voraussetzungen, um eine gute Karriere zu machen: Jonas Omlin, 1,90 Meter gross.

Der junge Goalie Jonas Omlin soll den FC Luzern in Sion in den Cupfinal führen. Für den Obwalder, der schon als Kind immer Torwart werden wollte, ist es das wichtigste Spiel seiner bis jetzt jungen Karriere.

Es ist das wichtigste Spiel seiner Karriere. Aber sprechen darüber darf er nicht. Die Luzerner Trainer denken, dass es besser sei, wenn sich ihr junger Torhüter ganz auf seinen Job konzentriere und sich nicht durch Interviews ablenken lasse. Ein Sieg nur trennen Jonas Omlin und den FC Luzern vom Einzug in den Cupfinal.

In der Super League nach nur einem Sieg in der Rückrunde auf Rang 4 festgezurrt, ist der Cup für die Luzerner die grosse Chance, aus einer durchschnittlichen Saison eine gute bis sehr gute zu machen. Das aber gilt auch für den FC Sion. Und weil dieser in diesem Wettbewerb ein Spezialist ist und erst noch zu Hause antreten darf, muss sich Omlin auf einen heissen Abend einstellen. Darauf, dass ihm die Bälle vielleicht nur so um die Ohren fliegen.

Bitteres Debüt

Wer aber ist dieser Omlin? Aufgetaucht im Schweizer Spitzenfussball ist er vor zwei Jahren wie aus dem Nichts, war ein Wochenende lang in aller Munde, um dann wieder für fast zwei Jahre aus dem Blickfeld zu verschwinden. Ja, an jenem 21. März 2015 hatte er ein Super-League-Debüt gegeben, wie es kaum bitterer hätte sein können. Ihm, und nicht Lorenzo Bucchi, hatte Trainer Markus Babbel die Chance gegeben, gegen den FC Basel das Tor zu hüten, nachdem Stammkeeper David Zibung verletzt ausgefallen war.

Doch dann dieser Albtraum von einer Premiere. Einen Freistoss von Gashi aus 25 Metern liess er zum 0:1 passieren, obwohl der leicht flatternde Ball praktisch direkt auf ihn zugeflogen kam. Und vor dem 0:2 ging er gegen Embolo viel zu ungestüm in den Zweikampf, hatte aber noch Glück, dass der Schiedsrichter nur einen Penalty pfiff und ihn nicht auch noch vom Platz stellte.

«Das war fehlerhaft und ungenügend», beschönigte Omlin nach dem 1:4 nichts, gab sich aber kämpferisch und sagte: «Ich lerne daraus und freue mich aufs nächste Spiel.» Dass dieses, was die erste Mannschaft des FC Luzern betrifft, für ihn aber erst in der übernächsten Saison stattfinden würde, konnte er damals noch nicht ahnen. Im Sommer 2015 wurde er für eine Saison an den FC Le Mont ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln.

Daniel Gygax war damals im Waadtland sein Mitspieler. Der heutige Experte bei Teleclub stellt ihm ein gutes Zeugnis aus. «Jonas ist selbstbewusst, intelligent und stark mit den Füssen. Es überrascht mich nicht, dass der FC Luzern nun auf ihn setzt», sagt Gygax. Allerdings: Der im Sommer auslaufende Vertrag ist noch nicht verlängert worden.

Jonas Omlins Debüt war ein Alptraum.

Jonas Omlins Debüt war ein Alptraum.

Seit dem 1. März und dem Cupspiel in Aarau (5:3 für Luzern) steht der 23-Jährige im Tor der Zentralschweizer. Zumindest nach aussen hin macht der verdrängte Zibung gute Miene zum bösen Spiel. «Ich war vor 12 Jahren in derselben Situation wie Omlin. Damals erhielt ich die Chance. Ich wurde Andreas Hilfiker vorgezogen. Ich würde Jonas nun auch nicht im Wege stehen», sagte Zibung. Allerdings war das im Februar, als noch nicht klar war, dass seine Ablösung so nahe bevorstand.

Der Vater als Vorbild

Omlin kommt aus Sachseln im Kanton Obwalden und begann als Knirps beim FC Sarnen mit dem Fussball. Dort war früher sein Vater Torhüter gewesen, und der kleine Jonas wollte nie etwas anderes sein, als ebenfalls Goalie. Er war talentiert und wechselte in die Nachwuchsabteilung des FC Luzern.

«Bei Christian Brandt lernte ich viel, obwohl ich mit ihm auch mal Streit hatte und sogar aufhören wollte», erzählte Omlin der «Luzerner Zeitung». Omlin ging dann zum SC Kriens, wo er ebenfalls positive Eindrücke hinterliess. «Ein hervorragender Typ, den das Team gern gehabt hat. Er besitzt ein grosses Potenzial. Jetzt bekommt er die Gelegenheit, es zu entfalten», sagt Kriens-Trainer Marinko Jurendic.

Omlins Werdegang sei ein sorgfältig aufgegleistes Projekt», sagt der Luzerner U21-Trainer Gerardo Seoane, der den Musterathleten ebenfalls unter seinen Fittichen hatte. Auch er lobt: «Jonas ist keiner, der wild schreiend nach Aufmerksamkeit heischt. Er ist besonnen, sehr fokussiert und verfügt über eine überragende Physis.» Manchmal sei er aber noch etwas zu angespannt, müsse lockerer werden», sagt Seoane. Im Hexenkessel Tourbillon dürfte dieser Tipp heute Abend allerdings nur schwer umzusetzen sein.

Meistgesehen

Artboard 1