Sport

Dürfen Kinder noch ins Sport-Training?

Dürfen Kinder weiter Sport treiben? Welchen Einfluss haben die Massnahmen des Bundesrates sonst noch auf den Schweizer Sport? Dieses Symbolbild zeigt die Leichtathletin Mujinga Kambundji in Luzern mit Kindern. Fotografiert im Januar 2020.

Dürfen Kinder weiter Sport treiben? Welchen Einfluss haben die Massnahmen des Bundesrates sonst noch auf den Schweizer Sport? Dieses Symbolbild zeigt die Leichtathletin Mujinga Kambundji in Luzern mit Kindern. Fotografiert im Januar 2020.

Bundesrätin Viola Amherd empfängt am Mittwoch Sportvertreter zum runden Tisch – ein Gespräch mit Swiss Olympic Covid-Taskforce Mitglied Daniel Bareiss über die grössten Probleme im Schweizer Sport.

Nachdem der Bundesrat heute Mittag seine Massnahmen präsentiert hat, empfängt Sport­ministerin Viola Amherd verschiedene Vertreter des Sports zu einem runden Tisch. Was ist davon zu erwarten? Und was sind die grössten Probleme, die der Sport lösen muss? Ein Gespräch mit Daniel Bareiss, Mitglied der Covid-Taskforce von Swiss Olympic.

In welchem Umfang wird die Bevölkerung ab Mittwochmittag noch Sport treiben können?

Daniel Bareiss: Ich denke, der Amateursport wird harte Grenzen erfahren. Der Spielbetrieb könnte flächendeckend gestoppt werden. Es wird eine Herausforderung, überhaupt Kontaktsport treiben zu können. Aber ich sage trotz der riesigen Herausforderung auch: Es ist möglich, in einem Rahmen Sport zu treiben, der für die Gesundheit bedenkenlos ist. Und das muss weiter möglich sein.

Wie ist das möglich in einem Moment, wo die Fallzahlen besorgniserregend steigen?

Es braucht höchste Disziplin. Doch die Politik muss anerkennen, dass diese Disziplin im Sport vorhanden ist. Es wäre ein falsches Zeichen und eine Verkennung der Situation, wenn es wieder einen kompletten Sport-Lockdown gibt.

Zur Person

Daniel Bareissist Zentralpräsident von Swiss Unihockey und einflussreiches Mitglied des ­Exekutivrats von Swiss Olympic. Swiss Unihockey hat am letzten Freitag als erster Sportverband in der Schweiz den Spielbetrieb wegen der steigenden Coronazahlen bis mindestens 23. November ausgesetzt. Bareiss ist gut informiert und bestens vernetzt in Bundesbern. (ewu)

Daniel Bareiss

ist Zentralpräsident von Swiss Unihockey und einflussreiches Mitglied des ­Exekutivrats von Swiss Olympic. Swiss Unihockey hat am letzten Freitag als erster Sportverband in der Schweiz den Spielbetrieb wegen der steigenden Coronazahlen bis mindestens 23. November ausgesetzt. Bareiss ist gut informiert und bestens vernetzt in Bundesbern. (ewu)

Welche Massnahmen schlagen Sie konkret vor?

Im professionellen und semiprofessionellen Sport ist der Trainings- und Spielbetrieb dank umfassenden Schutzkonzepten möglich. Im Breitensport kann über eine bestimmte Zeit der Körperkontakt im Training vermieden werden. Es können Kleingruppen gebildet werden. Damit auch der Abstand jederzeit eingehalten werden kann. Diese Erfahrung haben wir aus der ersten Welle. Kein Verständnis hätte ich dafür, wenn nun auch wieder Sportarten ohne Körperkontakt wie Tennis oder Schwimmen, wie Velofahren oder Joggen beschränkt würden.

Wie sieht es mit Trainings von Kindern aus?

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten ausserordentlich viele Texte und Studien zu ­Corona gelesen. Ich habe noch ­immer das Gefühl, es herrsche keine Einigkeit. Kinder unter 12 Jahren sollen weiter in die Schule. ­Darum ist für mich auch klar: Wir müssen alles dafür tun, dass sie auch weiter ins Training können. Wenn sich Kinder länger nicht mehr bewegen können, hätte das fatale Folgen. Ich gebe aber auch den Sportverbänden Forderungen auf den Weg: Es braucht innovative Ideen. Neue Spielformen. Turnierformate, wo sich Hunderte Erwachsene und Kinder treffen, können natürlich nicht stattfinden. Dafür vielleicht einmal ein Einzelspiel.

Wie nachhaltig leidet der Sport?

Für viele Sportlerinnen und Sportler steht der Wettkampf an erster Stelle. Er ist Motivationsgeber für all die Trainings. Im organisierten Sport treiben nur die wenigsten Sport, einfach weil sie gesund bleiben wollen. Das müssen wir uns bewusst sein. Nachhaltige Schäden im Sport werden wir erst in ein bis zwei Jahren sehen. Ich gehe davon aus, dass die Schweizer Sportwirtschaft mehrere Jahre braucht, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden zu kompensieren. Und man kann sich fragen: Finden wir noch viele Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, wenn es lange keine Wettkämpfe mehr gibt?

Wie sehr hängt der Amateursport am Tropf der Profiligen?

Es gibt eine doppelte Abhängigkeit. Die Pyramide geht vom Breitensport in den Leistungssport. Für unsere Gesellschaft wäre es darum fatal, wenn es in Zukunft keinen funktionierenden Leistungssport mehr gibt. Dort sind die Leuchttürme, zu denen alle aufschauen. Umgekehrt gibt es keinen Leistungssport ohne Nachwuchs- und Breitensport. Unser Sportsystem fördert und unterstützt genau diese Abhängigkeiten.

Die Profi-Ligen fühlen sich von der Politik nicht immer wirklich verstanden. Was läuft aus Ihrer Sicht schief?

Zunächst einmal ist eines wichtig: Jeder, der sich rund um den Schweizer Profisport bewegt, weiss: In der Schweiz gibt es nicht haufenweise Millionäre im Fussball und Eishockey. Die Ligen sind auf einem guten Weg, diese Fakten sichtbar zu machen. Bestenfalls gelingt es auch, diese Werte der Bodenständigkeit und Bescheidenheit im Alltag zu leben. Und vielleicht gelingt es, auch einmal etwas demütig zu sein. Nicht immer sind die lauten Töne jene, die am wirkungsvollsten sind. Da gibt es aus meiner Sicht manchmal noch Verbesserungspotenzial.

Glauben Sie, Subventionen für den Profisport haben eine Chance?

Das ist schwierig zu beurteilen. Ich habe Verständnis für die Anliegen der Profiligen. Die Proficlubs definieren sich selber als KMU. Die Balance zwischen unternehmerischem Risiko und Subventionsgelder ist schwierig. Hier gilt es von der Politik einen Konsens zu finden. Dazu beitragen würde sicher auch die rasche Umsetzung von Lohnanpassungen und einer weitsichtigen Finanzplanung. Ich bin überzeugt, dass die Ligen dazu Hand bieten werden.

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