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Eine logische Schweizer Niederlage in Spanien – Shaqiri ist zurück und trifft, aber es zählt nicht

Die entscheidende Szene: Sommer passt den Ball zum Gegner – Oyarzabal schiesst das 1:0 für Spanien.

Die entscheidende Szene: Sommer passt den Ball zum Gegner – Oyarzabal schiesst das 1:0 für Spanien.

Die Schweiz bleibt auch im vierten Länderspiel des Jahres ohne Sieg. Das 0:1 in Spanien ist leistungsgerecht. Immerhin: Xherdan Shaqiri gibt nach 489 Tagen sein Nati-Comeback.

Der Ball liegt im Tor. Und für einen kurzen Moment reisst Xherdan Shaqiri nach seinem Schlenzer ins Netz die Arme in die Höhe. 75 Minuten sind gespielt und man denkt: Was für eine Geschichte! Shaqiri, Geburtstagskind, Nati-Rückkehrer – und Schweizer Held in Spanien?

Nein, ein schriller Pfiff des Schiedsrichters. Foul! Und jetzt ist es Remo Freuler, der die Arme in die Höhe reisst, aber aus Protest, nicht aus Freude. Er trifft bei der Balleroberung seinen Gegenspieler minim am Fuss. Kann man so pfeifen, müsste man nicht. Aber so ist das nun einmal. Es bleibt beim 0:1. Bis am Ende.

Wieder verliert die Schweiz also ein Länderspiel. 2020, das Corona-Jahr, steht weiter auch für die Nati unter einem schlechten Stern. Es ist die vierte Partie in Serie ohne Sieg, nach einem 1:2 in der Ukraine, dem guten 1:1 gegen Deutschland und dem 1:2 gegen Kroatien folgt diese logische Niederlage in Spanien.

Logisch, weil die Iberer die erste Hälfte fast nach Belieben dominieren. Sie lassen die Schweizer kaum atmen, setzen immer wieder früh zum Pressing an. Sie spielen schnell nach vorne. Einzig: Für ihren Torerfolg sind sie auf die gütige Mithilfe von Yann Sommer und Granit Xhaka angewiesen. Ein Fehlpass des Torhüters, ein Ausrutschen des Captains – und schon trifft Oyarzabal. 14 Minuten sind da gespielt.

Die grosse Chance von Benito

Im Nachgang der Partie werden die Schweizer aber häufig über eine Szene reden, die sich drei Minuten zuvor abspielt. Loris Benito ist in der Hauptrolle. Nach einer schönen Vorarbeit von Silvan Widmer kommt er aus zehn Metern alleine zum Abschluss. Doch Spaniens Torhüter De Gea reagiert herausragend und verhindert die Schweizer Führung.

Es ist aus Schweizer Optik eine ernüchternde erste Halbzeit. Kaum etwas will gelingen. In manchen Momenten ist die Überforderung einzelner augenfällig. Wenn etwas positiv ist, dann dies: Auch den Spaniern gelingt es nur selten, sich Torchancen herauszuspielen. Einmal muss Sommer einen Kopfball von Torres abwehren, mehr aber nicht.

Trotzdem: Mutig wollten sie sein. Ihr Spiel aufziehen. Die Spanier auch einmal in Bedrängnis bringen. Aber das alles ist an diesem Abend in Madrid von den Schweizern kaum je zu sehen. Zwar ändert sich die Optik der Partie in der zweiten Hälfte etwas. Es ist jetzt ausgeglichener als zuvor. Doch wirklich zwingend werden die Schweizer im gegnerischen Strafraum nie.

Shaqiri: Das Comeback nach 489 Tagen

Auch nicht nach der Einwechslung von Xherdan Shaqiri. 489 Tage sind vergangen, seit er zum letzten Mal das Nati-Dress übergezogen hat. 16 lange Monate des Wartens. Und nun, ausgerechnet an seinem Geburtstag, und nach einer Woche voller Wendungen, feiert Shaqiri sein Nati-Debüt. Es ist dabei nicht zu übersehen, dass ihm die Spielpraxis fehlt. Manch einmal fehlen ein paar Zentimeter, oder gerät eine Ballannahme zu unsauber. Gleichwohl ist aber zu erkennen, dass ein Shaqiri dieser Mannschaft noch immer etwas geben kann. Um seine Genialität zu entfalten, braucht er aber mehr Vertrauen in sich selbst – also letzten Endes mehr Spielminuten im Alltag. Ob er diese in Liverpool erhält? Fragezeichen sind angebracht.

Der Schweizer Tross disloziert nun nach zwei Niederlagen nach Deutschland. In Köln steht am Dienstag die dritte und letzte Begegnung dieses Zusammenzugs an. Eine erneute Niederlage würde diesen Nati-Herbst dann doch langsam aber sicher trüben.

Das Tor:

14. Minute. Yann Sommer hat den Ball im eigenen Strafraum. Er versucht, Granit Xhaka anzuspielen. Doch der Pass missrät, Xhaka rutscht aus – Oyarzabal nützt den Fehler eiskalt aus.

Der Beste:

Silvan Widmer. Hat Wunderkind Ansu Fati meistens gut im Griff und findet auch noch Zeit für gefährliche Vorstösse. Bereitet mit einem Rush Benitos Grosschance vor. Note 5.

Die Noten der Schweizer Nati-Spieler im Überblick:

Die Stimmen:

Yann Sommer: «Wir wollten mutig auftreten. Das ist uns vor allem in der ersten Hälfte nicht genug gelungen. Wir haben uns das anders vorgestellt, klar. Wir haben uns selbst in Schwierigkeiten gebracht. Viele falsche Entscheidungen getroffen und zu wenige Lösungen gefunden. In der zweiten Hälfte waren wir etwas besser, einzig: die Torchancen fehlten.»

Vladimir Petkovic: «Alles in allem habe ich trotz der Niederlage einen positiven Abend gesehen. Die Niederlage schmerzt, aber Spanien hatte nicht viele Gelegenheiten für Tore. Und am Ende fast ein bisschen Angst, dass sie dieses Spiel gegen die Schweiz nicht gewinnen.»

Der Liveticker zum Nachlesen:

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