Einzelkritik
Unsere Schlussbilanz: Das sind die Noten der Schweizer Nati-Spieler für ihre Leistungen an der EM

Die Europameisterschaft endete mit einem Drama - die Schweiz verliert den Viertelfinal gegen Spanien nach heroischem Kampf im Penaltyschiessen. Es war trotzdem ein unvergessliches Turnier. Zeit für die Analyse: Wer hat überzeugt? Wer hat Verbesserungspotenzial? Lesen Sie unsere Noten für Spieler und Trainer.

Etienne Wuillemin und Christian Brägger
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Vladimir Petkovic, Trainer

Auch er ist zu Beginn nicht in Form. Nach dem Italien-Spiel muss man gar das Schlimmste befürchten. Doch dann beginnt die Schweizer Metamorphose - und Petkovic ist der Hauptverantwortliche dafür. Wie es ihm gelingt, das Team aufzurichten und dann für den Achtel- und Viertelfinal einzustellen, ist erste Sahne. Hat allen Zweiflern definitiv den Beweis geliefert, dass er ein grosser Trainer ist. Note 6

Yann Sommer, Torhüter

Daniel Mihailescu / AP

Herausragendes Turnier. Sogar noch besser als bei der WM 2018. Seine Penalty-Parade gegen Mbappé ist unvergesslich. Beschert der Schweiz ihr Sommer-Märchen. Note 6

Nico Elvedi, Verteidiger

In jedem Spiel nahezu fehlerlos. Harmoniert perfekt mit Akanji. Macht er so weiter, hat er noch eine grosse Zukunft vor sich. Note 5,5

Manuel Akanji, Verteidiger

Anton Vaganov / AP

Ein Gewinner dieser EM, seine blondierten Haare sorgten ja auch nicht für so viel Unruhe wie jene von Xhaka. Der eloquente Redner hat bestätigt, was man sich von ihm immer schon versprochen hat: Dass er dereinst der unbestrittene Chef im Abwehrverbund sein wird - und die Mannschaft mittragen wird. Note 6

Fabian Schär, Verteidiger

Verliert nach zwei Spielen seinen Stammplatz, ist hinter Akanji/Elvedi im Moment nur noch dritte Wahl. Schade, verschiesst er gegen Spanien seinen Elfmeter. Nicht sein Turnier. Note 4

Ricardo Rodriguez, Verteidiger

Kirill Kudryavtsev / Pool / EPA

Licht und Schatten wechseln sich beim ihm ab. Als Aussenläufer zu langsam und damit eine Fehlbesetzung, auch für die Zukunft. Aber am Schluss gegen Spanien, da war da viel Licht. Muss unbedingt den Klub wechseln, damit er mehr spielt. Note 5

Silvan Widmer, Aussenläufer

Seit der Türkei-Partie erste Wahl. Rechtfertigt das Vertrauen mit generösem Einsatz. Hält mit Ausnahme von 20 Minuten auch dem Druck der Franzosen und Spanier stand. Geht nie unnötiges Risiko ein. Note 5

Kevin Mbabu, Aussenläufer

Gegen Wales und Italien setzte Petkovic noch auf den Wolfsburger. Danach verdrängte ihn Widmer. Mbabu hat Potenzial, seine Flanke auf den Kopfball von Seferovic, der zum Anschlusstor gegen Frankreich führte, war top. Aber noch immer ist es bei Mbabu nicht die innige Liebe mit der Nati. Note 4

Steven Zuber, Aussenläufer

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Gegen Wales und Italien musste er noch Rodriguez als Aussenläufer Platz lassen. Dann schlugen seine Stunden, gegen die Türken und Frankreich mit insgesamt vier Assists. Schade, hatte er gegen Spanien dann wieder etwas weniger Einfluss. Note 5,5

Granit Xhaka, zentrales Mittelfeld

Xxstringerxx Xxxxx / X01348

Zu Beginn des Turniers nicht gut und auf Nebenschauplätzen aktiv. Dann kommt der Sinneswandel, und Xhaka treibt sich und das Team als Einheit zu Höchstleistungen. Endlich ist er der Captain, den diese Schweiz sich wünscht und braucht. Wermutstropfen: Zwei dumme gelbe Karten, die zur Sperre im Viertelfinal führen. Note 5,5

Remo Freuler, zentrales Mittelfeld

Für einmal darf nicht der letzte Eindruck haften bleiben, sondern der vorletzte: Steigerte sich während des Turniers kontinuierlich. Gegen die Türkei gut, gegen Frankreich sehr gut, gegen Spanien erneut stark, mit dem vorbereiteten Ausgleich als Highlight. Die rote Karte am Ende ist viel zu hart. Note 5

Denis Zakaria, zentrales Mittelfeld

Scheint seit seiner Knie-Verletzung nicht mehr vom Fleck zu kommen und ist in der Nati nur noch Reserve. Gegen Wales verliert die Schweiz die Stabilität mit seiner Einwechslung, dann spielt er gar nicht mehr. Gegen Spanien kann er Xhaka nicht vergessen machen und erzielt ein unglückliches Eigentor. Note 3,5

Djibril Sow, zentrales Mittelfeld

Muss noch beweisen, dass er sich festbeissen kann. Bislang im Schatten von Xhaka, Freuler und Zakaria. In der Schlussphase gegen Spanien eingewechselt und da mit einigen guten Ansätzen. Note 4

Xherdan Shaqiri, Spielmacher

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Auch er liefert, aber nicht immer. Gegen Frankreich ein Kämpfer, gegen Spanien der Captain, gegen die Türken genial. Ja, Shaqiri-Momente gab es zuhauf. Es könnte sie noch mehr geben, wenn er endlich Stammspieler in einem Klub wäre. Denn eines ist klar: Ist Shaqiri gut drauf, ist auch die Schweiz gut drauf und profitiert. Note 5,5

Haris Seferovic, Stürmer

Claudio De Capitani / freshfocus

Auch er ein Gewinner. Schiesst sich mit drei Toren in die Herzen des Schweizer Anhangs. Muss aber auch schwierige Spiele überstehen, in denen man merkt, dass er kein Konterstürmer ist. Vor allem zeigt er jedem, wie sehr er es liebt, in diesem Schweizer Dress zu spielen. Note 5,5

Breel Embolo, Stürmer

Ja, er kann es! Spielt ein konstantes, gutes Turnier. Beflügelt vom Tor gegen Wales, ein Durchsetzungsvermögen wie er hat sonst keiner im Team. Hoffentlich ist seine Verletzung nicht allzu schlimm - wäre toll, wenn er den Schwung in die neue Saison mitnehmen könnte. Und auch die Nati braucht anfangs September in der WM-Qualifikation gegen Italien einen fitten Embolo. Note 5

Mario Gavranovic, Stürmer

Claudio De Capitani / freshfocus

Der Schweizer Super-Joker. Schiesst drei Tore - wegen Offside zählt leider nur eines. Dieses eine gegen Frankreich ist aber für die Ewigkeit. Gab es je ein Schweizer Tor, das grossartiger war in Entstehung und Vollendung? Zudem: Zweimal souverän getroffen im Penaltyschiessen. Note 5,5

Ruben Vargas, Flügelstürmer

Kommt jeweils von der Ersatzbank. Ein belebendes Element ist er schon, und damit ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Noch fehlt etwas die Durchschlagskraft und Robustheit. Dafür hat er Mut, beweist diesen vom Elfmeterpunkt. Einmal hat er Glück, einmal ist er danach im Tal der Tränen. Note 4,5

Christian Fassnacht, Flügelstürmer

Seine beiden Ballgewinne vor dem 2:3 und dem 3:3 gegen die Franzosen stehen am Ursprung der spektakulären Wende. Im Viertelfinal dann ohne Einfluss und Fortune. Note 4,5

Admir Mehmedi, Flügelstürmer

Sein viertes grosses Turnier ist wahrscheinlich das letzte. Diesmal nur Ersatzspieler. Stand immerhin auf dem Platz bei der historischen Wende gegen Frankreich, und traf dabei cool im Penaltyschiessen. Note 4,5

Nicht bewertet: Mvogo, Kobel, Benito, Cömert, Omeragic, Edimilson Fernandes

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