Eishockey
Filz im Schweizer Eishockey – regiert ein Agent Klotens Sportabteilung?

Kloten geht neue Wege: Sportchef Patrik Bärtschi gründet mit dem einflussreichen Spieleragenten Sven Helfenstein eine Hockey-Firma.

Klaus Zaugg
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Patrik Bärtschi, hier 2016 noch im Dress der ZSC Lions.

Patrik Bärtschi, hier 2016 noch im Dress der ZSC Lions.

Martin Meienberger/Freshfocus

Wir orientieren uns gerne an der National Hockey League (NHL). Der Mutter aller Ligen. Ein Milliardengeschäft. In der NHL gibt es ein ungeschriebenes Gesetz über die Gewaltentrennung: Der Besitzer soll besitzen, der Manager managen, der Coach coachen, der Spieler spielen und der Agent dealen. Es gibt sogar ein geschriebenes Gesetz: Ein NHL-Spieleragent darf keine Trainer vertreten. Um Interessenskonflikte zu vermeiden. Folglich ist es auch absolut undenkbar, dass beispielsweise ein NHL-Spieleragent mit einem NHL-Manager eine Firma gründet, die im Hockey Geschäfte tätigt.

Nun müssen wir ja nicht alles übernehmen, was aus Amerika kommt. Die National League ist nicht die NHL. Die Schweiz ist kleiner als Nordamerika. Unser Profihockey ist eine beschauliche Welt. So etwas wie eine schrecklich nette Familie. Jeder kennt jeden. Ein bisschen mischeln und mauscheln gehört dazu. Wer es zu etwas bringen will, persönlich oder mit dem Klub, der muss mitmische(l)n. Schlau sein, sogar bauernschlau. Am grossen Rad drehen und unkonventionelle Wege gehen. Nach dem Motto: «Gute Sportchefs kommen in den Himmel, schlaue überall hin.»

Macht man bei Kloten den Bock zum Gärtner?

Kloten will zurück in die höchste Liga. So ist es nur logisch, dass der tüchtige Sportchef Patrik Bärtschi mit Rückendeckung seines Präsidenten Mike Schälchli kräftig mitmischt. Er geht mit einem revolutionären Geschäftsmodell neue Wege: Bärtschi ist der erste Sportchef eines Profiklubs in der Geschichte unseres Hockeys, der mit einem Spieleragenten eine Firma gegründet hat: Sven Helfenstein. Einer der Einflussreichsten im nationalen Hockey-Business und TV-Experte mit Unterhaltungswert. Auch ein Klotener. Da sind Pfarrerstöchter sozusagen unter sich.

Ex-Spieler und nun Agent: Sven Helfenstein.

Ex-Spieler und nun Agent: Sven Helfenstein.

Instagram/Sven Helfenstein

Die Boshaften werden maulen: «Schluefweg-Mafia!» Da mache man im Schluefweg den Bock zum Gärtner. Ja, in Kloten regiere ein Agent. Zur Erklärung: Dem Sportchef obliegt es, mit dem Spieleragenten Lohnsummen der Spieler, Prämien, Vertragsdauer und Agentenprovisionen auszuhandeln. Das geht natürlich «gäbig», wenn der Sportchef und der Spieleragent gemeinsam eine Firma betreiben, die auch Transfers orchestrieren darf. Der im Handelsregister eingetragene Geschäftszweck definiert nämlich unter anderem: «Beratungsleistungen im Bereich des Eishockeys.» Helfenstein wird sicherlich froh sein, dass er mit seinem Kumpel und Geschäftspartner verhandeln kann, wenn er mal einen etwas in die Jahre gekommenen Spieler in Kloten unterbringen möchte.

Oder wenn es darum geht, für einen Klienten ein bäumiges Salär auszuhandeln. Eine boshafte Annahme? Ja, sogar bösartig. Es geht nämlich in Kloten alles mit rechten Dingen zu und her. Alles proper. Alles transparent. Bärtschi, Helfenstein und Schälchli erklären einmütig, dass es keine Interessenskonflikte gebe. Der einzige Zweck der Firma sei die Einführung von modernen Trainingsmethoden direkt aus Amerika für den Flyers-Nachwuchs und für Trainingscamps, die allen Spielern offenstehen. Für Helfenstein steht einzig und allein das Wohl des Hockeys im Vordergrund. Und nicht das Portemonnaie.

Alles im Dienste des Schweizer Eishockeys

Er sagt über seine Motivation für die Firmengründung: «Totale Barmherzigkeit im Dienste des Schweizer Eishockeys.» Mike Schälchli ergänzt: «Das Thema wurde stets transparent behandelt. Der Verwaltungsrat hat seinem Antrag (der Firmengründung mit Sven Helfenstein, die Red.) unisono zugestimmt.» Die Firma «Skillz Consulting GmbH» wurde am 7. Januar 2022 in Zug ins Handelsregister eingetragen. Man muss ja auch an die Steuerbelastung denken. Helfenstein und Bärtschi, seit Juni 2021 Klotens Sportchef, amtieren als Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift. Den Vorsitz führt Helfenstein.

Die Liga hat nichts gegen Klotens Geschäftsmodell. Liga-Chef Denis Vaucher sagt: «Wir respektieren die Handels- und Gewerbefreiheit.» Die Frage ist, ob Klotens Beispiel Schule machen wird. Das wäre dann der Fall, wenn Zugs Sportchef Reto Kläy aus «totaler Barmherzigkeit im Dienste des Schweizer Eishockeys» eine Firma mit dem im Kanton Zug ansässigen Spieleragenten Dani Giger gründen wurde. Oder Lions-Sportchef Sven Leuenberger mit dem Zürcher Spieleragenten Georges Müller. Kein Schelm, wer denkt, dass solche Firmengründungen unter Präsidenten wie Walter Frey oder Hans-Peter Strebel nicht toleriert würden.