Spengler Cup

Am Dienstag beginnt der Spengler Cup – der Zeitpunkt für die Vertragsverlängerung von Patrick Fischer ist perfekt

Der Verband hat den Vertrag mit Nationaltrainer Patrick Fischer unmittelbar vor dem Spengler Cup um zwei Jahre verlängert.

Der Verband hat den Vertrag mit Nationaltrainer Patrick Fischer unmittelbar vor dem Spengler Cup um zwei Jahre verlängert.

Nun also bis zur Heim-WM 2020 in Zürich und Lausanne mit Patrick Fischer. Sein Kontrakt, der Ende Saison ausgelaufen wäre, ist vorzeitig um zwei Jahre verlängert worden.

Obwohl er in seiner gut zweijährigen Amtszeit bis auf eine Viertelfinal-Qualifikation 2017 noch rein gar nichts erreicht hat und die Schweizer soeben beim Karjala Cup alle Spiele verloren und teilweise kläglich gespielt haben.

Obwohl es für den Nationaltrainer gar keinen Stellenmarkt und damit überhaupt keine Notwendigkeit gibt, so früh vorzeitig zu verlängern. Kein Klub hat Interesse an den Diensten des gescheiterten ehemaligen Lugano-Trainers.

Es ist eine Vertragsverlängerung ohne Not und ohne Sinn. Nationalmannschaftsdirektor Raëto Raffainer bringt allerdings recht gute Argumente gegen diese polemische Behauptung vor:

«Es gibt zwei Gründe, um mit einem Trainer zu verlängern. Da sind einmal die Resultate. Aber es geht gerade beim Nationaltrainer um mehr: Es geht darum, ob er unsere Philosophie vertritt, wie er Schlüsse aus den erzielten Resultaten erzielt und wie er mit dem gesamten Coaching-Team zusammenarbeitet.»

Sportlich riskant, politisch grandios

Also sind es nicht primär die durch Resultate geschaffenen Fakten, die zur Vertragsverlängerung geführt haben. Sondern eher die Arbeitsweise, die Philosophie des Nationaltrainers. «Das können wir so sagen» bestätigt Raffainer. «Ein Nationaltrainer ist ja heute über seine Trainertätigkeit hinaus so etwas wie ein Nationalmannschafts-Manager.»

Der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer nominierte 27 Spieler für den Spengler Cup in Davos.

Der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer nominierte 27 Spieler für den Spengler Cup in Davos.

So ist das also: Fischer, der charismatische Kommunikator, ist «Verkäufer» der Nationalmannschaft bei den Klubs, den Werbepartnern und den Medien. Reden beim Business-Lunch und die Personifizierung und Popularisierung der «Swissness-Philosophie» sind so wichtig wie das Coaching und die Ausarbeitung der Taktik.

Das können auch die Assistenten. Der Nationaltrainer mehr als «Posterboy» unserer Hockey-Kultur denn als einfach langweiliger, profaner Resultate-Schmied. Gut reden wird langfristig so wichtig sein, wie Siege einzufahren. Der Glaube, dass es schon gut kommen wird, ist grösser als die Gewissheit aus Resultaten und Siegen der Vergangenheit. Sportlich hoch riskant, marketing-technisch und politisch grandios.

Der ideale Zeitpunkt

Einen besseren Zeitpunkt für die Vertragsverlängerung hätte Raffainer nicht wählen können. Die Nationalmannschaft tritt kommende Woche erstmals seit 1979 und zum insgesamt elften Mal beim Spengler Cup an. Auch da geht es mehr um gute Stimmung und Werbung als um profanes Resultat-Denken. Da sollte eigentlich nichts schiefgehen.

Nationalmannschaft-Trainer Patrick Fischer.

Nationalmannschaft-Trainer Patrick Fischer.

Die Nationalmannschaft taumelte zwischen ihrem Debüt 1964 und dem bisher letzten Auftritt 1979 zwischen Skandal und billiger Zirkusnummer durchs Turnier. Die letzten drei Teilnahmen (1977, 1978 und 1979) endeten gar mit einem schmählichen letzten Platz.

Der erste Erfolg nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung ist für Fischer also beim Spengler Cup programmiert: Die Schweiz wird diesmal nicht auf dem letzten Platz landen. Vielmehr wird Fischer das beste Resultat einer Nationalmannschaft bei diesem traditionellen Turnier in der Altjahreswoche erreichen.

Die Schweiz gehört zu den Titanen des Welthockey

Die Schweiz, in den 1960er- und 1970er- Jahren zeitweise international drittklassig, gehört heute allerdings als WM-Finalist von 2013 zu den Titanen des Welthockeys. Da gibt es selbst beim Spengler Cup auch eine gewisse resultattechnische Verpflichtung und Verantwortung.

Wer sagt, dass ausser gegen Team Canada beim Spengler Cup jede Niederlage als Schmach und Versagen gewertet werden muss, ist nicht einmal ein Polemiker.

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