Eishockey Playoff-Halbfinal

Bestrafter SCB-Minimalismus: Biel gelingt gleich zum Auftakt das Break

Kari Jalonens Strategie geht nicht auf und der SCB gegen Biel unter.

Biel gewinnt in Bern zum Halbfinalauftakt ein Spiel, das eigentlich keines war mit 4:2. Der SC Bern verliert mit dieser Leistung seinen Favoritenstatus.

Ein neuer Höhepunkt des unsäglichen SCB-Minimalismus, eine der schlimmsten SCB-Niederlagen der Neuzeit. Biel gewinnt den Auftakt der Playoff-Halbfinalserie in Bern mit 4:2. Das Problem ist nicht so sehr die Niederlage. Die kann korrigiert werden.

Es ist die Art und Weise, wie der Qualifikationssieger dieses Spiel verloren hat. Nämlich nach dem Motto: Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht und Kari Jalonen macht den Guy Boucher, bis er krachend verliert.

Was der SCB seinem zahlenden Publikum seit der Weihnachtspause immer mehr zumutet, übertrifft selbst das, was die treusten Zuschauerinnen und Zuschauer einst unter dem defensiven Defensivcoach Guy Boucher zu erdulden hatte. Das Abenteuer mit dem NHL-General mündete damals im Frühling 2014 für den Titelverteidiger in der Abstiegsrunde.

Hätten die Berner unter dem Kanadier so jeden Ansatz zum konstruktiven Spiel verweigert wie gestern, so hätte er ein Timeout genommen und seine Jungs aufgefordert, es denn doch nicht zu übertreiben und ein wenig zu spielen.

Der SCB hat die Partie gestern in den schlimmsten 25 Minuten seit Menschengedenken verloren. Statt vor der grössten Zuschauerkulisse Europas zu spielen – also den Torerfolg zu suchen – verhinderte der SCB erfolgreich den Ausbruch eines Spiels. Kari Jalonens Jungs warteten einfach darauf, dass ihnen die Hockeygötter durch einen gegnerischen Fehler oder einen Zufall eine Chance offerieren würden.

Diese Wartezeit tat ihnen nicht gut. Beat Gerber, vor dem Spiel für seine 900 Partien für den SC Bern beglückwünscht, verliert bei der Spielverzögerung hinter dem eigenen Tor den Puck – 0:1. Eric Blum, einer der kreativsten, dynamischsten Verteidiger der Liga – aber nur, wenn man ihm seine Freiheiten lässt – findet einfach keinen freien Mitstreiter und verliert die Scheibe in der der verzweifelten Vorwärtsbewegung in der neutralen Zone – 0:3 nach 21 Minuten und 27 Sekunden.

Als weitere Chancen fast im Minutentakt folgen, nimmt Trainer Kari Jalonen sein Timeout (27. Minute) und verhindert, dass die Mannschaft ganz auseinanderfällt. Und weil ein Tor in einem unberechenbaren Spiel auf einer rutschigen Unterlage immer fallen kann, steht es auf einmal 1:3. Weil es in einem Spiel mit Körperkontakt immer eine Strafe beziehungsweise ein Powerplay geben kann, ist der SCB nach 36 Minuten und 53 Sekunden wieder im Spiel. Es steht nur noch 2:3.

SCB nicht mehr Favorit

Wer Energie aus der grössten Arena Europas gewinnen kann, für den ist es möglich, im dritten Drittel alle Versäumnisse nachholen, alles zu korrigieren und ein 2:3 doch noch in einen Sieg zu verwandeln. Aber dazu ist der SCB nicht fähig.

Er hat Kari Jalonens unsäglichen Minimalismus offenbar schon so sehr in seiner taktischen und spielerischen DNA, dass eine wuchtige Reaktion ausbleibt. Die Bieler kommen nie mehr richtig unter Druck und am Ende sind sie fast verwundert, dass es so «ring» gegangen ist.

Biel führt im Halbfinal mit 1:0 und den Sieg in Bern, den sie in jedem Fall brauchen, um in den Final zu kommen,den haben die Seeländer damit bereits. Kann der SCB reagieren? Kann der SCB doch noch Hockey spielen? Oder kann der SCB tatsächlich nur noch Hockey verhindern? Das sind die grossen Fragen. Nach wie vor hat der SCB bei weitem die Substanz für den Final und für den Titelgewinn. Aber die Favoritenrolle ist der SCB nun los.

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