NHL
Chronische Knieverletzung kostet Mark Streit die WM-Teilnahme

Ein grosser Sieg für die New York Islanders in Montréal (4:3 n.V.). Aber Captain Mark Streit (35) muss leiden. Er leidet unter einer chronischen Knieverletzung. Der 35-Jährige wird bei der WM nicht dabei sein.

Klaus Zaugg, Montréal
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Mark Streit (rechts) und Lubomir Visnovsky.

Mark Streit (rechts) und Lubomir Visnovsky.

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In normalen Zeiten steht Mark Streit (35) nach dem Spiel den Reporterinnen und Reportern in der Kabine Red und Antwort. So wie das in der NHL Brauch und Recht ist. Doch nach dem grossen Sieg gegen die Canadiens (4:3 n.V.) fehlt Mark Streit. Es dauert fast 20 Minuten, bis er aus einem der Kabinen-Nebenräume auftaucht. Er trägt am rechten Wadenbein und am linken Knie Eisbeutel. Und sagt erstmals, was ihn plagt. Es ist eine chronische Verletzung am linken Knie, die er sich im November während seines Nationalmannschafts-Einsatzes beim Operetten-Turnier in Arosa im Spiel gegen Weissrussland zugezogen hat. Und die von den New York Islanders geheim gehalten wird. «Der Schoner ist verrutscht und ich habe mein Knie auf dem Eis aufgeschlagen. Dabei habe ich eine Knochenprellung erlitten. Es war so schmerzhaft, dass ich das Turnier nur mit Schmerzmitteln fortsetzen konnte. Es ist eine Verletzung, die während der Saison nicht mehr heilt. Sobald ich im Training und im Spiel warmgelaufen bin, spüre ich nichts mehr. Aber vor allem nachts kommen die Schmerzen.»

Damit ist auch klar, dass Nationaltrainer Sean Simpson bei der WM in Stockholm nicht mit Mark Streit rechnen kann. Der ehemalige SCB-Junior mag zwar jetzt nicht offiziell die WM absagen. Zumal er ja immer noch Chancen hat, mit den Islanders die Playoffs zu erreichen. Aber seine Aussage ist klar: «Ich spiele immer sehr gerne für die Schweiz. Aber ein WM-Einsatz macht nur Sinn, wenn ich in entsprechender körperlicher Verfassung bin. Vor allem auch, weil das Spiel auf dem grossen Eisfeld noch grösseren läuferischen Einsatz erfordert.» Nach der Saison muss Mark Streit erst einmal seine chronische Knieverletzung ausheilen lassen. Er wird so oder so bei der WM nicht spielen.

«Nicht weiter schlimm»

Gegen die Canadiens, den Tabellenführer der West-Konferenz, haben die Islanders ein 0:2 und 1:3 aufgeholt und schliesslich in der Verlängerung 4:3 gewonnen. Ein grosser, ein wichtiger Sieg, der die Playoff-Hoffnungen auch nach Wochen der Krise am Leben erhält. «Der Spielplan ist so intensiv, dass jede Mannschaft zwischendurch einen schlechten Tag erwischt. Uns fehlt die Erfahrung, um so eine Baisse zu spüren und die Spielweise an solchen Tagen entsprechend zu vereinfachen.»

Nach dem Spiel gegen die Canadiens hatte Mark Streit zusätzlich einen Eisbeutel am rechten Wadenbein. «Ich bin im Powerplay von einem Direktschuss von John Tavares hinten an der Wade getroffen worden. Das tut zwar weh, ist aber weiter nicht schlimm.» Und er sagt, es gebe bei so vielen Partien im Moment ja kaum einen Spieler, den nicht irgendwelche Blessuren plagen.

Sein Agent verhandelt

Mark Streit legt auch seine Vertragssituation erstmals offen. Er bestätigt, was bisher nur als Gerücht durch die Hockeywelt gegangen ist. «Ja, mein Agent verhandelt mit den Islanders über eine vorzeitige Vertragsverlängerung.» Mark Streits Kontrakt (4,10 Millionen Jahresgehalt) läuft nach der Saison aus. Er kann dann wechseln, wohin er will und ein neuer Arbeitgeber muss den Islanders keine Kompensation bezahlen.

Die Reglemente erlauben den Islanders als einzigem Team, jetzt mit Mark Streit bzw. dessen Agenten Pat Brisson zu verhandeln und den Vertrag vorzeitig zu verlängern. «Ich warte jetzt auf eine konkrete Offerte», sagt Mark Streit. Das Ziel sei ein Dreijahresvertrag. «Und vielleicht gibt es ja sogar ein viertes Jahr dazu».

Das Geld sei bei der Zukunftsplanung nicht der wichtigste Faktor. «Ich muss mich auch wohl fühlen. Und das ist bei den Islanders der Fall.» Wie viel Jahreslohn erwartet er im neuen Vertrag? Er schmunzelt: «Ich verdiene jetzt etwas mehr als vier Millionen Dollar und gehörte in jedem Vertragsjahr zu den fünf punktbesten Verteidigern in der NHL. Sie können sich ja erkundigen, welchen Marktwert so ein Spieler hat.»

Visnovsky als Entlastung

Den Islanders fehlen nach wie vor drei Punkte auf den Playoff-Strich und eine Playoff-Qualifikation wäre eine veritable Sensation. Aber «die Miserablen» kommen langsam wieder auf die Beine. Der Zuzug von Offensiv-Verteidiger Lubomir Visnovsky (36) – er kam aus der KHL – ist eine enorme Entlastung für Mark Streit. Der Slowake ist ein ähnlicher Spielertyp wie der Schweizer und hatte gegen die Canadiens mit 28:05 Minuten sogar mehr Eiszeit als Streit (26:35). «Er ist für uns enorm wichtig und macht unser Powerplay besser. Vorher war ich der Schütze von der blauen Linie und die Gegner konzentrierten sich darauf, meine Schüsse zu blockieren. Nun haben wir mit ihm einen zweiten Verteidiger, der von der blauen Linie sehr gut schiesst.» Der so wichtige Anschlusstreffer zum 2:1 war ein Tor, das Streit und Visnovsky an der blauen Linie vorbereitet haben.

Lubomir Visnovsky hat jetzt in sieben Spielen bereits fünf Assists erzielt und könnte am Ende der Saison vor Mark Streit (bisher 17 Spiele/8 Punkte) der punktbeste Verteidiger der Islanders sein. Allerdings hat er bei weitem nicht die Ausstrahlung, das Charisma von Mark Streit.

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