Karjala-Cup

Das Nati-Aufgebot zum Karjala-Cup zeigt: Wir stehen am Anfang einer neuen Ära

Nationaltrainer Patrick Fischer ist heutzutage auch ein «Nationalmanager».

Nationaltrainer Patrick Fischer ist heutzutage auch ein «Nationalmanager».

Ein Turnier wie jedes andere? Eine Vorbereitung wie jede andere? Auf den ersten Blick ja. Auf den zweiten Blick erkennen wir eine Zeitenwende. Eine Ära ist zu Ende gegangen. Die Ära der Nationaltrainer, wie wir sie kennen. Nun beginnt die Ära der «Nationalmanager».

Im Rückblick erkennen wir, dass Sean Simpson, der Silber-Schmied von 2013, der letzte grosse nationale «Bandengeneral» war. Die Umstände waren ja auch einfacher. Die Autonomie der Liga war zwar gross, die Macht des Verbandes aber auch – es gab öfter ein Gegeneinander als ein Miteinander.

Der Nationaltrainer bot die Spieler auf und wenn sie nicht kamen, notierten die Chronisten die Namen jener, die nicht kommen wollten oder konnten. Polemik um Absagen gehörten zu jedem Nati-Aufgebot wie das Glockengeläut zur Kuhherde. Inzwischen gibt es die Trennung zwischen Liga und Verband nicht mehr so wie früher.

Florian Kohler ist der Erste, der in den Bereichen Verband und Liga das letzte Wort hat. Unter ihm ist die Position des Technischen Direktors, also die von Raeto Raffainer – Chefs aller Nationalteams – gestärkt worden.

Belastung der Speiler so gross wie nie

Die Belastung der Spieler ist heute so gross wie nie: Meisterschaft, Cup, Champions Hockey League und Nationalteam. In dieser Saison kommt neben der WM, das olympische Turnier dazu. «Wenn wir die bestmögliche Mannschaft beim olympischen Turnier und bei der WM haben wollen, dann geht das nur in enger Zusammenarbeit mit den Klubs», sagt Raeto Raffainer.

Patrick Fischer musste für den Karjala Cup einige Änderungen im Aufgebot vornehmen.

Patrick Fischer musste für den Karjala Cup einige Änderungen im Aufgebot vornehmen.

Was dies in der Praxis bedeutet, zeigt das Aufgebot für den Karjala-Cup. Einerseits geht es darum, das bestmögliche Team zu haben. Die Resultate sind wichtig, wenn die Schweiz zu diesem hochkarätigen Turnier eingeladen werden soll. Andererseits gilt es die Belastung der Spieler zu berücksichtigen.

Wir haben heute zwar mehr «nationalmannschaftsfähige» Spieler als zuvor – aber immer noch weniger als die grossen Nationen. Raffainer sagt: «Es macht keinen Sinn, Spieler für die Partie vom Mittwoch gegen Kanada aufzubieten, die am Dienstag auswärts in der Champions League gespielt haben.»

Trainersein ist Managersein

Man muss mehr Rücksicht auf die Spieler nehmen. Das bedeutet, dass der Nationaltrainer nicht mehr alle Aufgaben erfüllen kann. Raeto Raffainer: «Ein Nationaltrainer ist heute auch ein Manager. Er kann sich nicht mehr um alles kümmern und braucht Spezialisten, die ihn unterstützen.»

Im Falle von Nationaltrainer Patrick Fischer sind es vor allem Taktikspezialist Thomas Albelin im sportlichen und Raeto Raffainer im organisatorischen Bereich. Der eine hilft ihm die Ordnung auf und der andere die Ordnung neben dem Eis aufrechtzuerhalten.

Die ersten Jahre der neuen Ära der «Nationalmanager» bescherten uns Chaos bei den WM 2015 (mit Hanlon) und 2016 (die erste Fischer-WM). Nun zeichnet sich eine erfreuliche Entwicklung ab. Der charismatische Patrick Fischer managt mit Raffainer und Albelin unsere Hockey-Ressourcen immer besser. Der Karjala-Cup kann die erste Station auf dem Weg zum Ruhm bei Olympia und bei WM sein.

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