National League

Die Lakers kassieren in Langnau die 30. Pleite – aber ihr Torhüter ist trotzdem glücklich

Melvin Nyffeler (l.) hält den Rapperswil-Jona Lakers die Treue – obwohl er fast immer als Verlierer vom Eis muss.

Die Rapperswil-Jona Lakers mussten gegen Langnau die 30. Niederlage einstecken. Warum Torhüter Melvin Nyffeler trotzdem glücklich ist.

Eine der grossen Fragen dieser Qualifikation: Gelingt es dem Tabellenletzten, unbeschadet an Selbstvertrauen, Zuversicht, Mut und Disziplin durch die endlose Qualifikation kommen? Von September bis Ende Februar fast immer verlieren hält eigentlich keine Mannschaft aus. Viele Teams sind auf dem beschwerlichen Weg durch die Qualifikation auseinandergebrochen. Beispielsweise Basel, die Lakers bei ihrem Abstieg 2015 und, natürlich, der EHC Kloten.
In Langnau haben die Lakers bereits ihre 30. Niederlage (3:5) eingefahren (bei 6 Siegen). Sie stehen noch miserabler da, als in der Abstiegssaison 2014/15. Seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel (2005/06) war nur Absteiger Basel nach 36 Runden statistisch noch schwächer (siehe Tabelle).

Und doch spricht vieles dafür, dass die Lakers heil durch die Saison kommen. Sie zeigten auch gestern keine für notorische Verliererteams typische Zeichen der Resignation. Ja, am Schluss verloren die Langnauer gar den Faden und beinahe das Spiel. Es gibt keinerlei Polemik gegen den Trainer. Einen so ruhigen, freundlichen Tabellenletzten haben wir in diesem Jahrhundert noch nicht erlebt.

Die tapferen Verlierer aus Rapperswil-Jona personifiziert keiner so sehr wie Torhüter Melvin Nyffeler. Er sorgt beim Aufsteiger auch für das einzige statistische Highlight. Hat er doch von allen Goalies der Liga mit Abstand am meisten Schüsse abgewehrt. Nur er kommt in dieser Wertung auf eine vierstellige Zahl.

Kein Interesse an den Grossen

Wer nun denkt, dass dieser tüchtige Schlussmann lieber bei einem Topteam im Tor stehen würde, liegt völlig falsch. Er hat sich durch eine frühzeitige Verlängerung beim Tabellenletzten bis 2021 gleich aus dem Rennen für einen Job bei den Grossen – in Bern und Lugano – genommen. Und er jammert nicht. Nicht über seine hohe Arbeitsbelastung und nicht über eine vergebene Karrierechance. Leichthin erklärt er, Angebote aus Bern oder Lugano habe er keine gehabt. «Sie hätten mich sowieso nicht interessiert.»

Melvin Nyffeler sagt, das Hockeyleben habe ihn Bescheidenheit gelehrt. «Als ich bei den ZSC Lions ein paar erfolgreiche Einsätze hatte, da wähnte ich mich bereits ganz oben.» Aber dann sei er so richtig auf dem Boden der Wirklichkeit gelandet. Chris McSorley holte ihn nach Genf. Aber noch vor dem ersten Spiel transferierte er den Zürcher nach Fribourg. Dort kam Melvin Nyffeler nicht an Benjamin Conz vorbei und nach Vertragsablauf stand er im Frühling 2015 arbeitslos da. «Es war eine schwere Zeit für mich. Rückblickend muss ich sagen: Es ist ganz gut, dass ich da durch musste. Ich bin stärker geworden.»

Er hat bei den Lakers eine neue, eine letzte Chance bekommen. «Ich bin zwar in der Liga angekommen. Aber ich habe mich noch nicht etabliert», schätzt Melvin Nyffeler, der Cup- und Aufstiegsheld der Lakers, seine Lage realistisch ein. «Ich muss noch besser werden und ich bin den Lakers sehr dankbar, dass sie mir diese Chance geben. Hier habe ich alles, was ich brauche, und wenn mein Vertrag in zwei Jahren ausläuft, werden wir weitersehen.»
Wenn es ihm gelingt, seine Mannschaft am Ende dieser Saison in der höchsten Liga zu halten, dann ist er einer der ganz grossen Torhüter unserer Zeit. Und wenn sein Vertrag 2021 ausläuft, wird er erst 27 sein und seine besten Jahre noch vor sich haben.

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