NHL
Luca Sbisa: Einer der spielt wie ein Kanadier

Luca Sbisa spielt so gut wie nie. Er ist inzwischen der kanadischste aller Schweizer. In der NLA wäre er kein Star, aber für die NHL ist er der perfekte Spieler. Der Verteidiger hat sich in Nordamerika perfekt angepasst.

Klaus Zaugg, Toronto
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Verteidiger Luca Sbisa glänzt bei den Vancouver Canucks mit guten Pässen.

Verteidiger Luca Sbisa glänzt bei den Vancouver Canucks mit guten Pässen.

KEYSTONE

Der 24-Jährige hat in 23 Partien gerade mal 4 Skorerpunkte gebucht. Und doch ist er bei den Vancouver Canucks ein wichtiger Spieler. Was dies bedeutet, zeigte sich beim Gastspiel in Toronto. Damien Brunner wurde nach einem Fehler in der Partie gegen Toronto ins Farmteam abgeschoben. Obwohl seine New Jersey Devils 5:3 gewonnen hatten.

Für die Canucks geriet die Partie in Toronto zum «Betriebsunfall». Bei der 2:5-Niederlage stand Sbisa bei drei Gegentoren auf dem Eis. Auf die Einsatzzeit hatte dies keinen Einfluss. Er spielte durch und hatte 17:04 Minuten Eiszeit. Beim 3:5 nach Verlängerung einen Tag später in Ottawa stand er sogar von allen am längsten im Einsatz: 22:46 Minuten. Wer zum Team gehört, der fällt nicht wegen eines missglückten Abends in Ungnade. Was ebenso für Yannick Weber, den zweiten Schweizer im Team, gilt. Der 26-Jährige stand in Toronto bei zwei Gegentreffern auf dem Eis und wurde dafür ebenfalls nicht mit gekürzten Einsatzzeiten bestraft.

Sbisa ist kaum wiederzuerkennen. Letzte Saison war er in Anaheim zum Zweifler geworden. Er verlor seinen Stammplatz. Der Wechsel nach Vancouver im Sommer hat seine Karriere neu lanciert, vielleicht sogar gerettet. Neues Team, neue Stadt, neues Glück. «Es war nach fünf Jahren Anaheim Zeit für einen Wechsel. Es gab keine Weiterentwicklung mehr, ich hatte eine bestimmte Rolle und konnte mich daraus nicht mehr befreien.»

Agressiver Zweikämpfer

In Vancouver ist Sbisa einer der wichtigen Defensiv-Verteidiger – «Shutdown Defenseman» – und Schlüsselspieler im Boxplay. Eine Rolle, die dem kräftigen und erstaunlich flinken Riesen, 188 cm/93 kg, behagt. «Der Druck ist weg. Skorerpunkte sind in meinem Spiel bloss ein Bonus.» Von allen Schweizern hat sich der ehemalige Zuger Junior am stärksten dem nordamerikanischen Hockey angepasst.

Er ist schlau und mutig, aber nicht aggressiv im Zweikampf, spielt den schnellen ersten Pass mit feinen Händen, deckt die Scheibe gut ab, setzt sich entlang der Banden durch, und sein ganzes Spiel ist darauf ausgerichtet, kein Risiko einzugehen. Da ist nichts mehr vom «fliegenden» Stil der NLA zu erkennen. Wer Sbisa zuschaut, hält ihn für einen spielerisch konservativen Kanadier und käme nie auf den Gedanken, dass er ein Schweizer ist. Kein Wunder. Sbisa spielt seit 2007 in Nordamerika.

Der ehemalige Zuger Junior ist ein Mann für die NHL geworden, geformt auf den kleineren nordamerikanischen Eisfeldern. In der vergleichsweise offenen, offensiv ausgerichteten NLA würde er mit ziemlicher Sicherheit wegen zu geringer Punkteproduktion kritisiert. Es passt ins Bild, dass er während der Lockout-Saison 2012/13 in Lugano in 41 Partien «nur» auf 12 Punkte kam, bei seinen WM-Einsätzen 2011 und 2012 sogar zu Unrecht in die Kritik geriet und für das Olympia-Turnier 2010, aber nicht für Sotschi 2014 aufgeboten worden ist.

Selbstsicher und gelassen

Sbisa ist erst 24 und spielt jetzt sein bestes Hockey. Auch persönlich ist der Reifeprozess unübersehbar. Aus einem eher schüchternen Jungen ist ein selbstsicherer, freundlicher, gelassener junger Mann geworden, der nicht nur weiss, was er will. Sondern auch weiss, wie gnadenlos das NHL-Geschäft sein kann.

Er hat mit ein bisschen Glück noch mindestens zehn gute Jahre in der NHL vor sich. Der auslaufende Vertrag dürfte im nächsten Sommer verlängert und das Salär von aktuell 2,9 Millionen Dollar wohl auf über 3 erhöht werden. In der NHL hat solides Defensivhandwerk noch goldenen Boden.

Vancouver ist nicht nur sportlich die Traumdestination für Sbisa. Seine Freundin, die er 2010 während der Olympischen Spielen in der Stadt kennen gelernt hat, kommt aus Vancouver. Sie muss jetzt nicht mehr nach Kalifornien fliegen, um ihren Boyfriend zu treffen. Sbisa sagt, Vancouver sei schon immer seine Lieblingsstadt gewesen. «Bei schönem Wetter gibt es keine schönere Stadt als Vancouver. Das Meer und die Berge sind so nahe und wenn einmal schlechtes Wetter ist, dauert es nicht lange, bis es wieder schön wird.»