Eishockey WM

Patrick Fischer, der Begeisterer: Er brachte die «Nati» trotz kurzfristiger Änderungen in Form

Vermag die Spieler zu begeistern: Nationaltrainer Patrick Fischer.

Vermag die Spieler zu begeistern: Nationaltrainer Patrick Fischer.

Der Schweizer Eishockey-Nationaltrainer wird an der WM in Dänemark auch deshalb für seine Prinzipientreue belohnt, weil er die «Nati» für die Schlüsselspieler wieder attraktiv gemacht hat.

Die Kritik war erbarmungslos. Nach der missglückten Olympia-Expedition in Pyeongchang, welche für die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft auf dem enttäuschenden 11. Rang endete, da wurde mal wieder alles infrage gestellt. Die Qualität der Spieler. Das Niveau der Schweizer Liga. Ganz generell unsere Hockey-Kultur.

Und vor allem: das Wirken von Nationaltrainer Patrick Fischer. Vom Traum einer möglichen Medaille hatte er vor dem olympischen Turnier gesprochen. Nun entspricht es dem Wesen der Schweizer, dass einem das Verfehlen eines hochgesteckten Ziels gnadenlos um die Ohren gehauen wird. Wer grosse Töne spuckt, wer sich aus dem Fenster lehnt, der ist suspekt. Das passt nicht zu unserer Mentalität.

Patrick Fischer gibt den «Nati»-Spielern taktische Anweisungen.

Patrick Fischer gibt den «Nati»-Spielern taktische Anweisungen.

Den Kampf gegen ebendiese Mentalität hat Patrick Fischer bei seinem Amtsantritt im Dezember 2015 zusammen mit der Verbandsführung um Swiss-Ice-Hockey-CEO Florian Kohler und Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer aufgenommen. Der Schlüsselbegriff bei diesem Kulturwandel heisst sinnigerweise «Swissness» – nach Schweizer Art.

Es sollte sich, nach Jahren der nordamerikanischen Herrschaft an der Spitze des Nationalteams, eine eigene, schweizerische Hockeykultur entwickeln. Mit Fischer, diesem jungen, dynamischen Coach als Botschafter.

Der Hintergedanke war klar: Das Produkt Nationalmannschaft sollte generell wieder attraktiver werden. Einerseits im sportlichen Bereich. Mit einer offensiveren, spektakuläreren Spielweise. Andererseits auch für die Sponsoren und Gönner, für die der rhetorisch begabte Fischer der ideale Botschafter sein sollte.

Schöne Verpackung, aber...

So gut diese Ideen auch waren: Die schönste Verpackung hilft nichts, wenn der Inhalt nicht stimmt. So lange also die sportlichen Resultate nicht mit den wohlklingenden Ideen und Leitbildern mithalten konnten, so lange war das Projekt «Swissness» angreifbar. Vor allem dann, wenn die Leistungen, wie eben in Pyeongchang, zu wünschen übrig lassen.

Vor allem Patrick Fischer, der Headcoach der Nationalmannschaft fand sich im medialen Wirbelsturm wieder. Es gab nicht wenige kritische Stimmen, die eine Freistellung aus dem bis zur Heim-WM 2020 laufenden Vertrag forderten.

Eine der Konsequenzen aus dem olympischen Debakel war, dass der Verband Patrick Fischer im Vorfeld der WM aus dem medialen Rampenlicht nahm. Interviews gab er nur noch selten. Und auch während der jetzt laufenden Titelkämpfe macht sich Fischer rar. Die Medienarbeit wurde für den Headcoach auf das Allernötigste beschränkt.

Aufs Wesentliche konzentrieren

Der Hintergrund ist klar. Patrick Fischer sollte sich an dieser WM aufs Wesentliche konzentrieren: seine Arbeit mit den Spielern. Eine Kräftebündelung, die sich für die Schweizer Nationalmannschaft sehr positiv ausgewirkt hat.

Denn aus dem Patrick Fischer, der bei den Nationalspielern sehr beliebt ist und sie zu einer verschworenen Einheit formen kann, wurde ein Patrick Fischer, der seiner Mannschaft auch das nötige taktische Werkzeug mitgeben kann.

Raeto Raffainer ist von Fischers Arbeit beeindruckt: «Er musste vor diesem Turnier einige Hürden überwinden. Fünf Tage vor der WM gab es noch acht Veränderungen im Team.»

Raeto Raffainer ist von Fischers Arbeit beeindruckt: «Er musste vor diesem Turnier einige Hürden überwinden. Fünf Tage vor der WM gab es noch acht Veränderungen im Team.»

Raeto Raffainer schwärmt etwa davon, wie Fischer mit der schwierigen Ausgangslage umging, dass er sein WM-Team erst kurz vor Turnierstart zusammen hatte: «Ich muss ihm und seinem Coaching-Staff ein grosses Kompliment machen. Er musste vor diesem Turnier einige Hürden überwinden. Fünf Tage vor der WM gab es noch acht Veränderungen im Team. Das hatten wir in dieser Form noch nie. Aber er schaffte es, dass die Mannschaft schon bei Turnierbeginn bereit war und wichtige Punkte holte. Die Equipe hat sich in dieser Phase weiterentwickelt. Diese Fortschritte waren ein Schlüssel zum Erfolg.»

Die Lust der NHL-Cracks

Einer der wichtigsten Punkte bei der Beurteilung von Patrick Fischers Wirken ist die Tatsache, dass die Schweizer NHL-Spieler grosse Lust verspüren, auch nach einer anstrengenden Saison in Nordamerika für die Schweiz an der WM aufzulaufen. Der Nationalcoach hat es geschafft, den Stellenwert der nationalen Auswahl enorm aufzuwerten.

Ein einziger gesunder Spieler sagte für die Weltmeisterschaft ab: Dominik Schlumpf vom EV Zug. Raffainer: «Früher gab es in Olympia-Jahren regelmässig zehn Spieler, die auf die WM verzichteten. Das zeigt, dass diese Jungs wirklich Spass haben, sich für die Nationalmannschaft zu engagieren und mit Patrick Fischer zu arbeiten. Das ist die Grundlage, dass wir Erfolg haben können. Ohne die besten Spieler wird es für uns schwierig.» Mit ihnen ist aber alles möglich.

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