Dieser Tage wurde man als EHC-Olten-Berichterstatter häufig gefragt, was denn für diese Mannschaft in den heute Abend beginnenden Playoffs drinliegen würde. Die Antwort war stets dieselbe: Ein Schulterzucken mit der Bemerkung, dass alles passieren kann. Vom sang- und klanglosen Ausscheiden in der ersten Runde bis hin zum Meistertitel. Diese Prognose könnte natürlich jeder geben. Aber es ist zum jetzigen Zeitpunkt eben schlicht und einfach nicht möglich, eine Einschätzung abzugeben, die Hand und Fuss hat. Eine gewisse Ratlosigkeit ist zu spüren.

Als man dachte, dass der EHCO seinen Weg gefunden hat

Weshalb das so ist? Nun, da genügt ein Blick zurück auf die vergangenen Wochen. Wir erinnern uns, wie der EHC Olten Ende Januar wunderbar in Fahrt kam. Wie er die Farmteams der GCK Lions und der Ticino Rockets mit 11:0 und 9:0 vom Eis fegte. Wie er überzeugende Heimsiege gegen Langenthal und Kloten feierte. Wie er den Eindruck machte, dass er seinen Weg gefunden hat und endlich so auftritt, wie man es sich von einem Swiss-LeagueSpitzenteam erhofft.

Zehn Tage und eine Nationalmannschaftspause später kam dann die grosse Ernüchterung. Beim 0:3 in Langenthal sah die Mannschaft bis auf wenige Phasen uralt aus. Das 4:1 gegen ein schwaches Winterthur war ein Muster ohne Wert. Und bei der 1:2-Penaltyschiessen-Niederlage bei der Zug Academy hinterliess man erneut einen mehr als unbefriedigenden Eindruck. Mit der Folge, dass jetzt, kurz vor den Playoffs, die Stimmung mal wieder negativ ist. Der EHC Olten hat zuletzt kaum Argumente dafür geliefert, dass er in den Playoffs etwas reissen wird.

ABER: Es ist eine uralte und abgedroschene Floskel, doch die ist eben wahr: In den Playoffs beginnt alles bei null. Alles, was vorher war, zählt nicht mehr. Jetzt kommen die Wochen, die darüber entscheiden, ob es in der Endabrechnung eine erfolgreiche Saison sein wird oder ein Flop. Jetzt kommen die Wochen, in welchen keine Entschuldigungen mehr zählen. Jetzt muss geliefert werden.

Es gibt keine zwei Meinungen darüber, dass die Mannschaft des EHC Olten das Potenzial dazu hat, am Ende zu triumphieren. Kein anderer Swiss-Ligist verfügt über eine vergleichbare offensive Feuerkraft. Kein anderer Konkurrent verfügt über gleich zwei derart ausgezeichnete Goalies wie Matthias Mischler und Simon Rytz. Und auch die Verteidigung der Oltner ist alles andere als schlecht besetzt.

Was dem EHCO im Vergleich zu seinen grössten Rivalen bisweilen fehlt, sind zwei Dinge: die Disziplin und die richtige Einstellung. Die Powermäuse können das beste Team der Swiss League sein, wenn es im Kopf stimmt. Wenn jeder Spieler bereit ist, sich ans System zu halten. Wenn jeder Spieler bereit ist, an sein Limit zu gehen.

Egal, ob man wenig Eiszeit erhält. Egal, ob man eine Rolle spielen muss, die einem nicht passt. Egal, ob man in der kommenden Saison schon bei einem anderen Verein unter Vertrag steht. Egal, ob man noch kein neues Vertragsangebot erhalten hat. Es zählt nur das Hier und Jetzt.

Es sind also grundsätzliche Dinge, die diese Mannschaft (und Headcoach Chris Bartolone) bisweilen plagen. Und die ihr am Ende auch zum Verhängnis werden können. Aber – und das ist die gute Nachricht: es sind eben Defizite, die sich korrigieren lassen. Talent kann man sich nicht aneignen. Die richtige Arbeitsmoral sehr wohl.

Hilft am Ende doch nur das Prinzip Hoffnung?

Was, also, kommt aus dieser Wundertüte in den kommenden Wochen raus? Man sollte das Prinzip Hoffnung ja grundsätzlich nie anwenden. Aber letztlich ist es eben die Hoffnung darauf, dass die Spieler den Ernst der Lage erkennen und alles dafür tun, dass der EHC Olten Erfolg hat, der auf einen positiven Playoff-Frühling hoffen lässt. Im letzten Jahr hat das Team bewiesen, dass es die Ruder im richtigen Moment herumreissen kann. Bitte noch einmal!