Eishockey

Wenn sich raue Kerle zum Kampfe rüsten, dann muss der Torhüter der Stärkste sein

Immer wieder Genoni: Auch Zugs Lammer prallt am SCB-Goalie ab.

Die entscheidende Rolle der Torhüter beim Aufbau einer Sieger-Mentalität im Playoff-Finale zwischen dem SC Bern und Zug. Den richtigen Mann zwischen den Pfosten zu haben entscheidet einmal mehr über Sieg oder Niederlage. Über den Meistertitel oder den undankbaren Vize-Meistertitel.

Eigentlich ist alles vorbei. Der SCB braucht nur noch einen Sieg zum Titel. Alles klar? Ja, aber es bleiben Zweifel. Wir sollten zumindest nicht ganz ausschliessen, dass die Zuger heute in Bern gewinnen und das Finale verlängern.

Die Ausgangslage ist nämlich eine ganz besondere: Zug hatte bisher nicht nur in jedem der vier Spiele eine «feldmässige» Überlegenheit. Zusammengerechnet sind es 126:85 Torschüsse. Die Zuger haben nach wie vor bei weitem genug Energie, um den SCB niederzuringen. Wir können mit dem Poeten Friedrich Hölderlin sagen: «Oh Hoffnung, holde, gütige, geschäftige, die du die Kabine der Verlierer nicht verschmähst.»

Die Hoffnung lebt

Diese Hoffnung lebt. Es sind nicht einfach die üblichen Sprüche, wenn Zugs Trainer Dan Tangnes sagt: «Ich versichere Ihnen: niemand in dieser Kabine gibt auf. Wenn wir uns nicht beirren lassen, so werden wir für unsere Arbeit belohnt.» Diese Hoffnung gründet nicht nur auf die optische Dominanz, die doch einfach einmal zinsen muss, und auf die vollen Energietanks.

Es ist noch etwas anderes: Die Zuger haben zu keinem Zeitpunkt über das annullierte 1:1 lamentiert. Ein regeltechnisch korrekter, aber sehr strenger, spitzfindiger Entscheid. Es wäre auch im Ermessen der Schiedsrichter gewesen, das Tor zu geben. Aber das war nach dem Spiel, als die Emotionen abgeklungen waren, nicht mehr das zentrale Thema. Trainer und die Spieler in Zug konzentrieren sich auf ihre eigenen Qualitäten. Es sind die ersten zarten Knospen einer Siegermentalität, die beim SCB seit Jahren in voller Blüte steht.

Wie entsteht eine Siegermentalität? Sie lässt sich ganz gut erklären. Das Ritual der Spielvorbereitung in der Kabine spielt eine zentrale Rolle. Wenn die rauen Kerle lange vor ihrem Auftritt ihre modischen Kleider an den Nagel hängen und in die ritterartigen Ausrüstungen steigen, entsteht das, was wir gemeinhin als «Siegermentalität» bezeichnen.

Klein und langsam oder gross und schnell

Wenn sich die harten Männer in Bern für die «Schlacht» rüsten, dann sehen sie den in Gedanken und Konzentration versunkenen Leonardo Genoni und denken: «Mag kommen, was will – der Leo rettet uns schon.» Und sie werden alle ein bisschen selbstsicherer, kaltblütiger und ein bisschen grösser, schwerer und schneller, als sie eigentlich sind.

Das gleiche Szenario geht auf der Gegenseite so: Wenn sich die harten Männer in Zug für die «Schlacht» rüsten, dann sehen sie den in Gedanken und Konzentration versunkenen Tobias Stephan und denken: «Ach, er ist ein so lieber Kerl und ein so guter Goalie. Aber er wird halt wohl wieder einen zu viel reinlassen.» Und sie werden alle ein bisschen weniger selbstsicher, weniger kaltblütig und ein bisschen kleiner, leichter und langsamer, als sie eigentlich sind.

Klingt polemisch. Aber es kommt der Wahrheit am nächsten. Und nächste Saison sitzt Leonardo Genoni in der Kabine der Zuger.

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