EM-Kolumne
Die Schweizer Fussballer sind Teil von uns geworden, wir Teil von ihnen – von geteiltem Glück, das anhalten wird

So einfach das Spiel sein mag, die Kraft des Fussballs ist nicht zu begreifen. Wie die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft ihr Glück und ihre Geschichte mit uns, mit der ganzen Welt teilten – es war eindringlich und bleibt unvergesslich.

Christian Brägger
Christian Brägger
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Geteiltes Glück in Bukarest: Die Schweizer Nati feiert mit den mitgereisten Fans den epischen Sieg gegen Weltmeister Frankreich.

Geteiltes Glück in Bukarest: Die Schweizer Nati feiert mit den mitgereisten Fans den epischen Sieg gegen Weltmeister Frankreich.

Bild: Vadim Ghirda / AP

27 Tage weit weg von daheim. 27 Tage weit weg vom Coronavirus, weil es die Uefa mehr oder weniger beiseite wischt. Und damit einmal mehr offenbart, wie gross der Fussball ist, wie sehr über allem er steht. Zehn Flüge quer durch Europa. Fast ebensoviele PCR-Tests wie Selbstdeklarationen. Vor allem: Teil einer Bewegung, die ihresgleichen sucht, vor Ort wie in helvetischen Gefilden. Bis sie nach dem letzten Fehlschuss vom Elfmeterpunkt abrupt endet in St. Petersburg. Aber nicht im Herzen. Das Schweizervolk hat oft gerungen mit seinen Fussballern, mit seinen Secondos. Dabei sind sie der Spiegel der multikulturellen Schweiz, sie gehören zu uns wie wir zu ihnen, sie bereichern unser Leben wie umgekehrt. Ob man das nun will oder nicht. Vielleicht will man das nun ein bisschen mehr, oder zumindest ist die Schutzmauer kleiner geworden.

In Erinnerung bleibt das geteilte Glück

Was in der vergangenen Woche passiert ist, fällt schwer, in Worte zu fassen. Es ist kaum zu begreifen. Aber womöglich ist grundsätzlich die Kraft des Fussballs nicht zu begreifen, so einfach das Spiel sein mag. In der vergangenen Woche sind die Schweizer Fussballer Teil von uns geworden, wir Teil von ihnen. Das gilt für die Journalisten wie Fans vor Ort, das gilt für die Daheimgebliebenen. Und es hat schon den Hauch von Magie, wenn Unverstandene plötzlich verstanden werden, wenn als unfähig Beschimpfte plötzlich die Fähigsten sein sollen. Dabei spielen sie ja immer noch Fussball.

Auf den unbegreiflichen Fussball: La-Ola-Welle im Achtelfinalspiel zwischen Frankreich und der Schweiz.

Auf den unbegreiflichen Fussball: La-Ola-Welle im Achtelfinalspiel zwischen Frankreich und der Schweiz.

Bild: Robert Ghement / AP

Im Film «Into The Wild» kommt ein Einsiedler auf diese Erkenntnis, bevor er vergiftet stirbt: «Man wird nur glücklich, wenn man das Glück mit anderen teilen kann.» Es fühlt sich an, als ob wir das vor Ort genauso erlebt haben. Dass die Spieler ihr Glück und ihre Geschichte mit uns teilten, mit der ganzen Welt – auch deshalb war das Ganze so bewegend und eindringlich, vor allem im Stadion. 27 Tage, doch nur schon die Erinnerung an dieses Gefühl ist für die Ewigkeit.

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