Formel 1
Die grosse Frage vor dem Saisonstart: Endet die Vorherrschaft von Mercedes?

Die Formel-1-WM startet am Sonntag in Bahrain. Es ist eine Übergangssaison mit einigen Neuerungen und vielen Fragezeichen.

Cyril Aregger
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Weltmeister Lewis Hamilton geht weiter auf Rekordjagd.

Weltmeister Lewis Hamilton geht weiter auf Rekordjagd.

Dan Istitene / Pool / EPA

Am Sonntag beginnt mit dem GP von Bahrain (17 Uhr, SRF2) die 72. Saison der Formel 1. Die Köngisklasse im Motorsport hat nach der letzten Pandemie-Saison mit «lediglich» 17 Rennen, hauptsächlich in Europa, Grosses vor: In diesem Jahr sollen trotz pandemisch unsicherer Lage 23 Grand Prix durchgeführt werden – so viele wie noch nie in der Geschichte der Formel 1.

Die Favoriten

Nach der Machtdemonstration im letzten Jahr ist eigentlich klar: Lewis Hamilton auf Mercedes holt heuer den achten Weltmeistertitel, wird alleiniger Rekordweltmeister vor Michael Schumacher. Doch Achtung: Mercedes hatte bei den Testfahrten in Bahrain unerwartete Probleme: Damit sind nicht die üblichen kleinen technischen Pannen gemeint, sondern das Fahrverhalten des Mercedes W12, der sich unerwartet tückisch zeigt, was mehrere Dreher und einige Fast-Abflüge zur Folge hatte. Während den Testfahrten konnte der Grund für das instabile Heck nicht entdeckt werden. Beinahe sorgenfrei – und schnell – war hingegen Red Bull unterwegs. Gut möglich also, dass es zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton dieses Jahr zu einem engeren Duell um die Weltmeisterkrone kommt. Sowohl Mercedes wie Red Bull sind derzeit noch eifrig dabei, die Favoritenrolle dem jeweils anderen Team zuzuschieben und die eigenen Stärken kleinzureden. Es könnte also spannend werden.

Schlägt die Stunde von Red-Bull-Pilot Max Verstappen.

Schlägt die Stunde von Red-Bull-Pilot Max Verstappen.

Eduardo Verdugo / AP

Das gilt auch für die Positionen hinter den beiden Spitzenteams. McLaren, Aston Martin, Alpine, Ferrari und Alpha Tauri bilden das Mittelfeld. Hier einen Favoriten für den «Best of the rest» auszumachen, ist fast unmöglich. Immerhin scheint sich Ferrari nach der letztjährigen Desaster-Saison etwas gefangen zu haben.

Die Neuen

«MSC» ist zurück. Mick Schumacher fährt unter demselben Kürzel wie sein Vater, der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher. Die Hommage an seinen Vater war der Wunsch des 22-jährigen Deutschen. «Ich hoffe, alle freuen sich, das Kürzel wieder auf dem Zeitenmonitor zu sehen», schreibt er auf Twitter. Ganz vorne wie in früheren Jahren dürfte «MSC» in dieser Saison aber (noch) nicht auftauchen. Zwar hat Schumacher sein Talent schon mehrfach bewiesen – zuletzt mit dem Sieg der Formel-2-WM im letzten Jahr – doch sein Auto, der Haas-Ferrari dürfte auch in dieser Saison eines der schwächsten Fahrzeuge im Feld sein. Mick Schumacher muss sich also vor allem gegen seinen Teamkollegen Nikita Masepin (22) durchsetzen. Der Russe ist ebenfalls ein neues Gesicht in der Formel 1 und erreichte in der letztjährigen Formel-2-WM den fünften Rang. Der Sohn eines russischen Oligarchen (und Haas-Sponsors) sorgte im Dezember mit einem sexistischen Handy-Video, das sogar von seinem neuen Arbeitgeber als «abscheulich» verurteilt wurde. Seinen Platz im Team hat er dennoch behalten.

Startet unter dem Kürzel «MSC»: Mick Schumacher.

Startet unter dem Kürzel «MSC»: Mick Schumacher.

Dan Istitene / Pool / EPA

Der dritte neue Fahrer im Formel-1-Feld ist der Japaner Yuki Tsunoda bei Alpha Tauri, letztes Jahr dritter der Formel-2-WM. Tsunoda überzeugte bei den Testfahrten mit immer schneller werdenden Rennrunden. Kein Rookie, aber ein Wiedereinsteiger ist der zweifache Weltmeister Fernando Alonso. Der 39-jährige Spanier, der sich im Januar beim Fahrradtraining in der Westschweiz einen Kieferbruch zuzog, will es mit Alpine nochmals wissen.

Die Grafik aller Form-1-Teams

Alpine ist wie auch Aston Martin ein neuer Name bei den Teams. Dahinter stehen aber alte Bekannte: Aston Martin, das neue Team des vierfachen Weltmeisters Sebastian Vettel, startete in den letzten Jahren als Racing Point (und noch früher als Force India), Alpine ist der neue Name des Renault-Werksteams. Neues tat sich auch im Heck der McLaren-Rennwagen: Nach drei Saisons mit Renault-Motoren steckt hier nun eine Mercedes-Antriebseinheit.

Nebst Fahrern und Teams gibt es auch bei den Strecken einen Neuzugang: Am 5.Dezember soll der GP von Saudi-Arabien auf einem Stadtkurs in der Hafenstadt Dschidda durchgeführt werden – verschiedene Menschenrechtsorganisationen haben bereits gegen die Durchführung protestiert. Weniger umstritten ist hingegen ein Comeback: Das holländische Zandvoort empfängt nach 36 Jahren erstmals wieder den Formel-1-Zirkus.

Alfa Romeo

Die Bilanz der letzten Saison fiel für den Rennstall aus Hinwil mager aus: Gerade mal acht Punkte sammelte das ehemalige Sauber-Team, das die neue Saison wieder mit Kimi Räikkönen (FIN, 41) und Antonio Giovinazzi (ITA, 27) in Angriff nimmt. Die Schweizer Formel-1-Fans dürften sich berechtigte Hoffnungen machen, dass sie ihren Fokus heuer wieder vermehrt nach vorne richten können: Alfa Romeo hat bei den Testfahrten am wenigsten Zeit auf das Bahrain-Qualifying 2020 verloren und auch Kimi Räikkönens Rennsimulation überzeugte mit gutem Speed – Alfa scheint ein gutes Auto auf die Räder gestellt zu haben. Deshalb und dank dem wieder erstarkten Ferrari-Motor darf man sich berechtigte Hoffnungen auf den Anschluss ans Mittelfeld machen.

Die neuen Autos

Die Formel-1-Saison 2021 ist ein Übergangsjahr. Die aktuellen Boliden sind Weiterentwicklungen der letztjährigen Modelle, ehe es 2022 ein komplett neues Reglement geben wird. Die Teams hatten im aktuellen Reglement deshalb nur beschränkte Möglichkeiten, ihre Fahrzeuge weiterzuentwickeln und mussten sich dabei auf die Bereiche konzentrieren, bei denen sie den grössten Handlungsbedarf orteten. Komplett neu konstruiert werden durfte auf diese Saison hin jedoch die Antriebseinheit. Über diese wird dann ab der kommenden Saison ein Entwicklungsstopp oder zumindest eine -beschränkung bis 2025 verhängt werden.

Einige kleinere Änderungen im technischen Reglement, zum Beispiel am Unterboden oder am Heckdiffusor, sollen den Abtrieb und somit auch die Geschwindigkeit und die Belastung der Reifen vermindern. Mit Erfolg, wie die Testfahrten in Bahrain zeigten: Kein Team erreichte die Qualifying-Zeiten des Rennens vor rund drei Monaten, nur Alfa Romeo, Ferrari, Alpha Tauri und Williams schafften es, weniger als eine Sekunde zu verlieren.

Die neuen Regeln

Auf und neben der Rennstrecke gibt es zahlreiche Neuerungen in den Reglementen. Die wohl auffälligste wird ein neues Qualifikationsmodell sein: Anstelle des «normalen» Qualifyings wird voraussichtlich bei den Grand Prix in Silverstone, Monza und Sao Paulo am Samstag ein «Minirennen» über 100 Kilometer durchgeführt werden, um die sonntägliche Startaufstellung zu bestimmen. Für die ersten drei dieser Sprint-Qualifikation gibt es 3, 2 und 1 WM-Punkt zu gewinnen, die Qualifikation für dieses Rennen wird am Freitag stattfinden. Die Rennen am Sonntag beginnen zudem wieder zur vollen Stunde – diejenigen in Europa jeweils um 15 Uhr.

Gekürzt werden die Trainingszeiten am Freitag. Die beiden Sessions dauern nur noch je 60 Minuten anstelle von 90 Minuten bisher.

Eine weitere Neuerung, die zwar nicht sichtbar, aber mittelfristig sehrwohl spürbar sein wird, ist die Budgetdeckelung: 2021 dürfen die Formel-1-Teams noch maximal 160 Millionen Franken ausgeben, von 2023 bis 2025 werden es noch 150 Millionen Franken sein. Dies soll für eine grössere Chancengleichheit unter den Teams sorgen. Ausgeklammert von dieser Grenze sind unter anderem die Gehälter der Piloten (die ab 2023 ebenfalls gedeckelt werden sollen) und die dreier weiterer Topverdiener sowie Marketingkosten. Die Budgetobergrenze gilt nur für Formel-1-Teams, die ihr Auto komplett selbst konstruieren. Wer Teile einkauft, wie zum Beispiel Alfa Romeo bei Ferrari, muss mit noch weniger budgetieren.

Der Rennkalender

Der voraussichtliche Formel-1-Kalender: Sonntag: Bahrain. 18. April: Emilia-Romagna (Imola). 2. Mai: Portugal. 9.Mai: Spanien. 23. Mai: Monaco. 6.Juni: Aserbaidschan. 13. Juni: Kanada. 27.Juni: Frankreich. 4. Juli: Grossbritannien. 1. August: Ungarn. 29. August: Belgien. 5. September Niederlande. 12.September: Italien (Monza). 26. September: Russland. 3. Oktober: Singapur. 10. Oktober: Japan. 24. Oktober: USA. 31. Oktober: Mexiko. 7. November: Sao Paulo. 21. November: Australien. 5. Dezember: Saudi-Arabien. 12. Dezember: Abu Dhabi.

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