Interview

Er hat dem FCSG schon Weinflaschen geschenkt – jetzt ist Constantin über den Mega-Vertrag von Peter Zeidler empört

Sie arbeiteten 2016 und 2017 für rund acht Monate zusammen: Sion-Präsident Christian Constantin und Trainer Peter Zeidler, der mittlerweile den FC St.Gallen coacht.

Sie arbeiteten 2016 und 2017 für rund acht Monate zusammen: Sion-Präsident Christian Constantin und Trainer Peter Zeidler, der mittlerweile den FC St.Gallen coacht.

Der FC St.Gallen hat seinen Cheftrainer Peter Zeidler bis 2025 an sich gebunden. Beim FC Sion, wo die Trainer unter Christian Constantin teils im Dreimonats-Rhythmus kommen und gehen, wäre so etwas undenkbar. Der Präsident der Walliser sagt, was er vom Entscheid der Ostschweizer hält und ob er bei dessen Erfolg vom Saulus zum Paulus wird.

Ein Trainer, der noch einen Kontrakt bis 2022 hat, erhält eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2025. Das muss für Sie undenkbar sein...

Ich hätte das nie gemacht! Das ist eine viel zu lange Vertragsdauer. Als Peter Zeidler beim FC Sion war, hatte er zunächst ein Arbeitspapier bis Weihnachten, und er arbeitete super. Dann verlängerte ich den Kontrakt – und im Frühling lief es weniger zufriedenstellend.

Im Wallis gibt es permanent Wirbel rund um den Trainerposten. Müssen Sie nicht neidisch nach St.Gallen blicken? In der Ostschweiz herrscht die totale Ruhe, man blickt voller Zuversicht in die Zukunft.

Ich bin nie neidisch auf andere. Schauen Sie, ich verfolge den FC St.Gallen seit langem, und dieser Verein hat schon ganz andere Zeiten durchgemacht. Zeiten, in denen ich dem FCSG Weinflaschen geschenkt habe, die er dann verkaufen beziehungsweise zu Geld machen konnte. Es gibt immer Perioden, in denen es einer Mannschaft super läuft wie jetzt St.Gallen, das zu Recht um den Titel spielt.

Cédric Itten: Einer der Gründe für den Höhenflug des FC St.Gallen.

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Waren Sie nie versucht, Ihren Trainern langfristige Verträge anzubieten, um für mehr Kontinuität beim FC Sion zu sorgen?

Noch längere Verträge, als ich sie ohnehin abschliesse? Nein, auf keinen Fall! Ich habe meinen Trainern in der Vergangenheit teils schon viel zu lange Verträge gegeben. Peter Zeidler hat es sicherlich gut gemacht – in seinem Alter (Anm. d. Red.: Zeidler ist 57) noch zu einem Fünfjahresvertrag zu kommen...

Welches sind die Risiken, die der FC St.Gallen mit seiner aktuellen Vertragspolitik eingeht?

Bei Verträgen gibt es keine Risiken. Man muss einfach zahlen, wenn sie aufgelöst werden.

Christian Constantin: «Vielleicht gibt es 2025 keinen professionellen Fussball mehr»

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Wenn Sie sehen, welchen Job Peter Zeidler in der Ostschweiz macht, müssen Sie es doch bereuen, mit ihm im Wallis nicht mehr Geduld gehabt zu haben.

Nein. Ich bin zufrieden, dass ich ihm die Chance gegeben habe, in der Schweiz Fuss zu fassen, wo ihn vorher niemand kannte. Er ist mir im Übrigen auch dankbar dafür.

Gesetzt der Fall, St.Gallens Weg führt zum Erfolg, und Peter Zeidler ist auch 2025 noch Trainer in der Ostschweiz: Machen Sie dann eine Kehrtwende und arbeiten künftig auch mit Ihren Trainern langfristig zusammen?

Schauen Sie: Mit der Coronakrise und den Ereignissen, mit denen wir es zurzeit zu tun haben, ist es sehr unsicher, ob es im Jahr 2025 überhaupt noch professionellen Fussball in der Schweiz geben wird. Wir wissen ja nicht einmal, wie die kommende Saison über die Bühne gehen soll. Es dauert noch so lang bis ins Jahr 2025.

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