Strafbefehl

Erstes Schweizer Dopingurteil gegen Veloprofi Pirmin Lang schafft neue Fragen

Pirmin Lang trat 2017 als Veloprofi zurück.

Pirmin Lang trat 2017 als Veloprofi zurück.

Der 2017 zurückgetretene Radrennfahrer Pirmin Lang wird als erster Elitesportler aufgrund des Schweizer Sportförderungsgesetzes strafrechtlich belangt. Er wollte dem Hauptangeklagten der «Operation Aderlass» illegales Material liefern.

Der Fall erinnert an einen Krimi mit historischer Komponente – jener des bislang einzigen entlarvten Schweizer Sportlers der «Operation Aderlass». Es begann im Februar 2019 filmreif mit einer spektakulären Razzia an der Langlauf-WM im Tirol. Der Schlag gegen einen internationalen Dopingring des Erfurter Arztes Mark Schmidt brachte bis heute 23 überführte Athleten aus acht Ländern hervor, darunter Ex-Radprofi Pirmin Lang.

Für den 2017 zurückgetretenen Luzerner mit Wohnsitz im Kanton Aargau endete die Aufdeckung seiner Vergehen vor der Aargauer Staatsanwaltschaft. Diese ermittelte zum Verdacht, dass der Velofahrer nicht nur Dopingmittel konsumiert, sondern auch damit gehandelt hat. Die Erkenntnisse der Untersuchung sind bemerkenswert.

Am unspektakulärsten ist das Urteil. Der Strafbefehl gegen Lang sieht eine bedingte Geldstrafe von 500 Franken und eine Busse von 100 Franken vor. Er hat das Verdikt akzeptiert und ist damit das erste rechtskräftig verurteilte Schweizer Elitesportler seit Einführung der Antidoping-Bestimmungen im Sportfördergesetz 2012.

Wie denn das? Athlet liefert Ware an Arzt!

Dass Dopingvergehen im Sport nicht öfter vor dem Kadi landen, hängt damit zusammen, dass in der Schweiz das eigentliche Dopen nicht verfolgt wird. Einzig der Kauf oder Verkauf von illegalen Substanzen ist verboten. Das milde Urteil gegen Lang hat seinen Grund darin, dass einerseits ein Teil der Verfehlungen aus den Jahren 2012 und 2013 verjährt sind und man dem 35-Jährigen nur den versuchten Verkauf von illegalen Mitteln beweisen konnte.

Dass es tatsächlich auch passiert ist, daran haben die Ermittler aufgrund der Indizien kaum Zweifel. Spektakulär ist der Name des Empfängers von Langs Lieferung einer verbotenen Substanz und eines verbotenen Hilfsmittels zum Doping. Es ist der Erfurter Arzt Mark Schmidt, der seinerseits gemäss eines Berichts der «NZZ am Sonntag» zugab, Lang in den Jahren 2015 und 2016 mit Dopingmitteln versorgt zu haben.

Daraus ergeben sich mehrere offene Punkte. Einerseits ist es schwer zu glauben, dass der Veloprofi ab 2012 zwar offensichtlich mit Dopingmitteln handelte, sie aber erst drei Jahre später selber konsumierte. Von wem hat Lang die Ware erhalten? Und wieso bezieht der Kopf des Netzwerkes Dopingmittel von einem Schweizer Radprofi?

Gegen wen ermittelt die Schweizer Justiz?

Es sind Fragen, denen auch Antidoping Schweiz nachgeht. Mit der strafrechtlichen Verurteilung Langs eröffnet die Behörde nun ihr Disziplinarverfahren gegen Pirmin Lang. Und sie wartet den Abschluss eines weiteren Verfahrens der Justiz ab. Gegen wen es sich richtet, ist unbekannt. Fest steht, dass es nicht der ehemalige Rad-Nationaltrainer Danilo Hondo ist. Auch er wurde im Mai 2019 als Kunde von Doktor Schmidt überführt. Es gibt also im Rahmen der «Operation Aderlass» mindestens einen weiteren Beteiligten aus der Schweiz. Wie in einem echten Krimi eben.

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