Boxen

Erstmals wieder im Ring: Arnold Gjergjaj meldet sich nach der Schlappe gegen David Haye zurück

Die Schmach von London: Arnold Gjergjaj wird von David Haye im Mai nach allen Regeln der Box-Kunst vorgeführt.

Die Schmach von London: Arnold Gjergjaj wird von David Haye im Mai nach allen Regeln der Box-Kunst vorgeführt.

Arnold «The Cobra» Gjergjaj kehrt zurück in den Ring. Sieben Monate sind seit der heftigen Schlappe von London gegen David Haye verstrichen. Nun bestreitet Gjergjaj in Basel seinen nächsten Kampf gegen einen Gegner, der ihm neues Selbstvertrauen verleihen soll.

Eigentlich möchte er gar nicht reden. Der Prattler Schwergewichtskämpfer Arnold Gjergjaj sagt mit leiser Stimme, er müsse nach der Demütigung gegen David Haye zuerst im Ring Wiedergutmachung betreiben. «Damit die Leute wieder an mich glauben.» Am Samstag greift der einzige namhafte Schweizer Profiboxer nach sieben Monaten Pause wieder ins Kampfgeschehen ein.

Gegner in der Kaserne Basel ist der 28-jährige Bosnier Jasmin Hasic, geführt als Nummer 509 in der unabhängigen Weltrangliste im Schwergewicht. Hasic hat zwar acht seiner neun Profikämpfe gewonnen (davon 5 durch K.o.), aber seinen unterlegenen Gegnern haftete ausnahmslos ein grandioses Verliererimage an.

Trotzdem warnt Gjergjajs Manager Angelo Gallina eindringlich: «Man muss dem Wesen der Sportart Boxen gerecht werden. Das Risiko einer Niederlage ist immer vorhanden. Gerade im Schwergewicht kann ein einziger Treffer entscheiden. Deshalb darf man sich nie zu sicher fühlen, muss stets hoch konzentriert und fokussiert bleiben.»

So trainiert Profiboxer Arnold Gjergjaj

So trainiert Profiboxer Arnold Gjergjaj

Dennoch ist Hasic in erster Linie ein Gegner fürs Gemüt der Kobra und dies im doppelten Sinn. Einerseits soll ein Sieg gegen den Bosnier als Balsam auf die nach wie vor spürbaren mentalen Wunden dienen. Die krachende K.-o.-Niederlage gegen den Engländer Haye am 21. Mai in London bedeutete nicht nur das Ende von Gjergjajs Ungeschlagenheit.

Die Art und Weise war vielmehr ein veritabler Schock für den gebürtigen Kosovaren und sein Umfeld. Nach einem Wirkungstreffer von Haye in den ersten 20 Sekunden des Kampfes erschien Gjergjaj in der Folge für den früheren Weltmeister eher als ein durch den Ring taumelndes Spielzeug denn als ernsthafter Gegner.

Arnold Gjergjajs Interview nach dem Haye-Kampf

Arnold Gjergjajs Interview nach dem Haye-Kampf

Mit leisen Worten und riesiger Enttäuschung stellte sich Arnold «The Cobra» Gjergjaj nach der klaren K.o.-Niederlage gegen David Haye in Runde 2 den Medien. Den Tränen nahe versuchte er zu erklären, was ihm zuvor im Ring geschehen war. Und er entschuldigte sich bei allen, «die ich heute enttäuscht habe».

Die beissende Kritik danach

Nach dem höchst einseitigen Kräftemessen war es für das Duo Gjergjaj/Gallina zudem schwierig zu realisieren, was mehr schmerzte – die Art und Weise der Niederlage oder die beissende Kritik im Anschluss. Gallina schüttelt noch immer ungläubig den Kopf: «Die Rückmeldungen waren extrem oft unter der Gürtellinie. Immerhin habe ich den Begriff Facebook-Haters nun selbst eindrücklich kennen gelernt.»

Der in den Kommentaren bestenfalls zum «Fallobst» degradierte Gjergjaj nahm die Unflätigkeiten erstaunlicherweise gelassener hin als sein Trainer und zeigte sogar ein gewisses Verständnis: «Ich erinnere mich, als der Italiener Roberto Baggio im WM-Final 1994 gegen Brasilien den Penalty übers Tor schoss. Da dachte ich vor dem Fernseher auch, was das für ein Idiot sei. Hätte es damals Facebook schon gegeben, ich hätte als Italien-Fan meine Enttäuschung wohl auch auf diese Weise kundgetan.»

Als Roberto Baggio des Boxens kann sich Arnold Gjergjaj noch längst nicht bezeichnen. Doch ein Sieg im Aufbaukampf gegen Hasic soll zumindest den Startschuss für einen erneuten Anlauf in die High Society des Schwergewichts verkörpern.

Immerhin liest sich seine Bilanz mit 29 Siegen und nur einer Niederlage nach wie vor verheissungsvoll. Nach zwei weiteren kalkulierten Erfolgen im Ring 2017 hofft der 1,97-m-Hüne auf eine zweite Chance in einem Titelkampf.

Gjergjaj geht gegen Haye in Runde 2 k.o.

«Hornussen goes Olympic»

Damit dieser erfolgreicher verläuft als der Kurzauftritt gegen Haye, will man im Team Gjergjaj einiges verändern. «Arnold braucht ein Setting, das diesem Niveau würdig ist», sagt Manager Angelo Gallina. Das heisst bessere Sparringpartner, einen erfahrenen Trainer und eine professionellere Kampfvorbereitung.

So hat man die Fühler im Trainerbereich nach Hamburg ausgestreckt und liebäugelt zudem für 2017 mit einem mehrwöchigen Auslandsaufenthalt – in England, den USA oder in Russland. «Denn unsere Arbeit vor dem Haye-Kampf war irgendwie wie Hornussen goes Olympic», sagt Angelo Gallina selbstkritisch, verweist aber gleichzeitig auf den entscheidenden Faktor: «Im Profiboxen ist alles eine Frage des Geldes.»

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