Europameisterschaft
England schlägt im Klassiker Deutschland und träumt schon vom Final im Wembley

England bezwingt im EM-Achtelfinal Deutschland mit 2:0. Im Wembley-Stadion wollen die Briten nun Geschichte schreiben.

Raphael Gutzwiller
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Raheem Sterling schiesst England mit seinem dritten Tor an dieser Europameisterschaft in die Viertelfinals.

Raheem Sterling schiesst England mit seinem dritten Tor an dieser Europameisterschaft in die Viertelfinals.

Andy Rain / AP

Endlich ist er da, der perfekt gespielte Angriff, auf den die Zuschauer im Wembley gewartet haben. Es ist eine Kombination aus dem Lehrbuch: Sterling spielt auf Kane, der auf Grealish ablegt. Grealish lanciert Shaw, der wieder in die Mitte legt zu Sterling. Wieder er. Zum dritten Mal schiesst Raheem Sterling das 1:0 in diesem Turnier, er ist zu diesem Zeitpunkt der einzige englische Torschütze. Er ebnet mit seinem Treffer den Weg zum letztlich verdienten 2:0 im Klassiker gegen Deutschland.

Schon im Vorfeld der Partie schwebt viel Geschichte mit. Wembley-Stadion, das Duell zweier Fussballnationen mit grosser Historie. Der WM-Final 1966 oder das Penaltyschiessen im EM-Halbfinal 1996 an selber Stätte sind nur zwei Beispiele. Sie machen den Sieg für England besonders süss, die Genugtuung im Mutterland des Fussballs ist riesig.

Die Euphorie ist in England riesig.

Die Euphorie ist in England riesig.

Rui Vieira / AP

Southgates taktischer Kniff

Gleichwohl ist diese Achtelfinal-Partie keine, die aufgrund ihres Spielverlaufs in die Annalen eingehen wird. Diesmal gibt es kein verrücktes Hin- und Her wie bei Spanien gegen Kroatien, es gibt keine Aufholjagd von Abgeschriebenen wie bei den Schweizern gegen die Franzosen. Hochstehend ist die Partie lange nur in taktischer Sicht.

Beide Teams lassen in der Defensive kaum etwas zu. Der englische Trainer Gareth Southgate kopierte das deutsche System und entreisst damit den Deutschen ihre gefürchteten Seitenverlagerungen auf die Aussenverteidigern. Kommt es zu Offensivaktionen, sind es lange Einzelaktionen von Sterling auf englischer oder Schnittstellenpässe auf der Seite der deutschen Elf.

Grealish, die Einwechslung mit Schwung

Gareth Southgate mit Jack Grealish, der nach seiner Einwechslung Schwung bringt.

Gareth Southgate mit Jack Grealish, der nach seiner Einwechslung Schwung bringt.

Frank Augstein / EPA

Zum Unterschied braucht es die Einwechslung von Jack Grealish. Der Publikumsliebling der 40000 englischen Fans im Wembley bringt Schwung ins Spiel und ist bei beiden Treffern beteiligt. Das 2:0 für Harry Kane bereitet er mit einer wunderbaren Flanke vor. Es ist ein Treffer, der für England im Turnierverlauf noch wichtig werden kann: Der Captain hat die Ladehemmungen abgelegt.

Das Ende der Jogi-Ära

Jogi Löw mit Thomas Müller nach seinem letzten Spiel als deutscher Bundestrainer.

Jogi Löw mit Thomas Müller nach seinem letzten Spiel als deutscher Bundestrainer.

Frank Augstein / AP

Während die Euphorie auch anhand der kommenden Gegner für England auf der auf dem Papier einfacheren Tableu-Hälfte steigt, ist bei Deutschland nicht nur die EM, sondern auch die Ära von Jogi Löw zu Ende. Nach 15 Jahren tritt Löw als deutscher Bundestrainer ab. Seine Amtszeit hätte ausgerechnet Thomas Müller verlängern können, hätte er die Grosschance in der 81. Minute beim Stand von 0:1 verwertet.

Stattdessen schiebt er den Ball alleine vor Pickford am Tor vorbei. Was wäre das für eine Geschichte gewesen, hätte der Rückkehrer Müller dieses wichtige Tor gemacht? Stattdessen geht es für Deutschland nun nach Hause.

Zurück nach Hause wollen auch die Engländer bald wieder. Nach Hause ins Wembley-Stadion. Dort, wo die Halbfinals und der Final der diesjährigen EM stattfinden. Den Viertelfinal spielen die Engländer nun in Rom, bevor es für sie wieder auf die Insel statt in die Ferien gehen soll. Im Wembley singen die Fans wieder ihre Fussballhymne: «Football is coming home».

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