Rückkehr
Alles rückt an seinen Platz: Marco Streller ist zurück beim FC Basel

Er war Spieler und Sportchef, ist eine Legende im Verein und jetzt zurück beim FC Basel: Marco Streller. Der 40-Jährige kehrt zu seinem Herzensverein zurück. Es ist eine weitere Korrektur früherer Fehler.

Céline Feller
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Marco Streller kehr per sofort zurück zum FC Basel.

Marco Streller kehr per sofort zurück zum FC Basel.

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Der 14. Juni 2019 ist so ein Tag, den man in Basel nicht so schnell vergisst. Zumindest, wenn man dem FC Basel zugeneigt ist. Es ist jener Tag, an dem Marco Streller den Verein verlässt. «Seinen» Verein. Zum zweiten Mal, und bei diesem Mal hat es diesen leichten Anschein des endgültigen. Zumindest bis der Verein nicht von Grund auf wieder neu aufgestellt würde, mit einer neuen Führungscrew, einem neuen Besitzer.

Utopien, die damals so surreal scheinen, wie es beim Betrachten des Auftretens des FC Basel in dieser Saison schier unmöglich anmutet, dass vor drei Monaten noch alles brachlag in diesem Klub. An diesem 14. Juni schmeisst Streller also hin. Als Sportchef seines Herzensvereins, bei dem er einen Posten ausübte, von dem er selbst insgeheim wusste, dass er zu früh kam.

Streller hatte keine entsprechende Ausbildung, mit seinem Mentor Georg Heitz konnte er zwar ein halbes Jahr mitlaufen, ihm zuschauen, lernen, alles aufsaugen. Aber ein halbes Jahr «Learning by Seeing» reichte nicht. Doch Streller schmeisst nicht hin, weil er plötzlich merkt, dass ihm die Sprachenvielfalt fehlt oder das wirtschaftliche Denken, sondern weil er es – auch gesundheitlich – als nicht mehr aushaltbar erachtet, mit Besitzer Bernhard Burgener und CEO Roland Heri zu arbeiten.

Marco Streller (links) mit Ex-FCB-Trainer Marcel Koller (Mitte) und Roland Heri (rechts). Mit dem CEO überwarf er sich.

Marco Streller (links) mit Ex-FCB-Trainer Marcel Koller (Mitte) und Roland Heri (rechts). Mit dem CEO überwarf er sich.

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Was die drei Gesichter des Vereins bis zu Strellers Schlussstrich austragen, ist ein Machtkampf. Einer, dessen Verlauf und Ausgang bekannt sind. Strellers Entscheide wurden über Nacht verworfen, das Arbeitsklima mit jedem neu angebrochenen Tag vergifteter. Mühsamer. Streller erzählte einst, mit etwa einem Jahr Abstand zu seinem Ende als Sportchef, dass er gar um Erlaubnis bitten musste, wenn er einen Bleistift kaufen wollte. Eine Tatsache, welche die ihm nicht zugestandene Führungsfreiheit symbolisiert. Und dass er sich fast ein Jahr nach der Trennung vom FCB noch über so etwas echauffieren konnte, verdeutlicht den Schmerz, den ihm der Abschied damals bereitete.

Eine Mischung aus Wesen und Weiterbildung

Fast genau 26 Monate später hat dieser Schmerz ein Ende. Marco Streller ist zurück beim FC Basel. Das vermeldet der Verein am Donnerstagmittag. «Schön bisch wieder do» – mit diesen Worten heisst ihn der Klub offiziell herzlich willkommen zurück auf der Geschäftsstelle des FCB. Denn dort wird seine neue Stelle sein. Nicht im und um den Fussballplatz. Nein, Streller wird nicht wieder Sportchef, im Gegenteil. «Ohne Berührungspunkte zum Sport», so schreibt es der FCB sehr deutlich, kehre er zurück und übernehme per sofort verschiedene Aufgaben im Bereich Business-Development sowie als Ambassadeur des Klubs.

Als Letzterer wird er ähnliche Aufgaben übernehmen, wie sie Karli Odermatt in den letzten Jahren ausübte. Im Business-Development soll Streller den Marketingbereich entwickeln, externe Geldquellen akquirieren. Es ist ein Job, bei dem Streller natürlich von seinem gewinnenden Wesen und seiner Eloquenz profitieren kann und wird.

Aber in dieser strategischen Position wird auch zu tragen kommen, dass er in den vergangenen zwei Jahren seit seinem Abgang beim FCB viel in seine künftige berufliche Laufbahn investiert hat. Streller hat diesen Sommer seinen CAS in Sportmanagement an der HSG in St.Gallen erfolgreich abgeschlossen sowie mittlerweile ein KMU-Studium absolviert. Fakten, die auch erklären, wieso Streller, der nie verbarg, dass er im wirtschaftlichen Bereich seine Defizite hat, sich nun einen solchen Posten zutraut – und ihn per sofort antreten wird. Dass er zurück ist beim FCB, ist nur logisch.

Streller schloss es in diesen zwei Jahren nie aus, zurückzukehren – sofern gewisse Personen nicht mehr beim Verein sind. Ausserdem kennt Streller seinen ehemaligen Mitspieler Degen lange und gut. Während Degens Streit mit Burgener war Streller – so hört man es – durchaus mit helfender Hand zur Stelle. Und Strellers Rückkehr ist nicht nur logisch, sie ist auch richtig. Degen holt mit ihm eine Identifikationsfigur zurück, eine Person, die so eng verbunden und so sehr mit dem Herzen dabei ist, wenn es um den FCB geht, wie es nur möglich ist.

Rahmen, Gaugler und jetzt Streller

Es ist eine Art Korrektur eines Fehlers, die Degen mit der Einstellung Strellers vornimmt. Ebenso wie er es bereits bei Remo Gaugler gemacht hat, der nach Strellers Rücktritt den FCB verlassen musste und mittlerweile als Nachwuchschef amtet. Degen und sein Team fällen viele richtige Entscheide. Das weiss auch Streller. Zwar war der Überlegungsprozess bei ihm ein längerer, aber Nein sagen war für ihn wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Zu vieles ist bei diesem neuen FCB so, wie er es sich damals vorgestellt hatte. Nicht nur die Führung, nicht nur Gaugler und auch nicht nur Percy van Lierop, der im Nachwuchs endlich da ist, wo Streller ihn haben wollte, als er ihn verpflichtet hatte.

Einst waren Remo Gaugler (links) und Marco Streller die sportliche Führung – bis plötzlich beide weg waren. Jetzt sind die Freunde wieder beide beim FC Basel.

Einst waren Remo Gaugler (links) und Marco Streller die sportliche Führung – bis plötzlich beide weg waren. Jetzt sind die Freunde wieder beide beim FC Basel.

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Sondern viel mehr ist auch der Mann mittlerweile Cheftrainer, den Streller zwei Mal holen wollte: Patrick Rahmen. Der Mann, den Streller im Sommer 2019 quasi schon eingestellt hatte, bis die Führung um Burgener und Heri seinen Entscheid revidierte. Es war der berühmte Tropfen zu viel. Jener, der den Ausschlag dafür gab, dass Streller an diesem 14. Juni 2019 hinschmiss.

Jetzt, am 12. August 2021, ist er zurück. Weil beim FCB langsam alles an jenem Platz zu sein scheint, wo es längst hätte sein sollen. Und dazu gehört auch Marco Streller, der nach zwei Jahren wieder dort ist, wo er sich am wohlsten fühlt. Bei seinem FC Basel.

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