Fussball
Ein gebrauchter Nachmittag: Der FC Basel unterliegt dem FC Zürich mit 0:2

Der FC Basel verliert 0:2 gegen den neuen Meister FC Zürich – und gleich drei Spieler verletzungsbedingt. Es ist ein Tag zum Vergessen für die Basler.

Céline Feller
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Taulant Xhaka weiss wohl in diesem Moment genau: Das war’s. Er steht im Mittelkreis, als Assan Ceesay in Richtung Fankurve des FC Zürich abdreht, um dort sein Tor zum 1:0 zu feiern. Xhaka ist nach vorne gebückt, die Hände auf den Beinen aufgestützt. Der Blick? Leer.

Es ist die 40. Minute im Duell zwischen dem FC Basel und dem FCZ. Den Zürchern würde ein Unentschieden reichen, um den Meistertitel Wahrheit werden zu lassen. Weil sie bei vier noch ausstehenden Spielen 13 Punkte Vorsprung auf Verfolger Basel haben. Als Ceesay trifft, ist die erste Hand bereits am Meisterpokal. Und als Nikola Boranijasevic acht Minuten später (in der dritten Minute der Nachspielzeit) nachlegt und auf 2:0 aus Sicht des FCZ erhöht, da weiss nicht nur Xhaka, dass die Messe gelesen ist.

Guter Start, früher Bruch

Dabei hatte der FCB gut begonnen. In der 3. Minute prüft Valentin Stocker FCZ-Keeper Yanick Brecher. Das Stadion – mit 33810 Zuschauern so gut gefüllt wie nie in dieser Saison – erhebt sich. Die Stimmung ist elektrisierend, die Basler Fans peitschen ihr Team nach vorne. Es ist eine Ambiance, die begeistert. Und eine, die es lange nicht mehr gab. Und man spürt: Ganz Basel will verhindern, dass der Erzrivale im eigenen Stadion Meister wird.

Auch die Spieler zeigen diesen unbedingten Willen. Verreissen sich in den ersten Minuten. Folgerichtig gibt es in Minute 4 gleich die nächste grosse Basler Möglichkeit. Liam Millar zwingt Brecher zu einer Blitzreaktion. Man muss sich fragen: Was wäre passiert, wenn Brecher nicht zwei Mal so gut gehalten hätte? Hätte der FCB dann dem FCZ die Meisterparty versaut? Es ist hypothetisch.

Gerissenes Band, kaputtes Knie, gebrochener Arm

Denn ab Minute 5 reisst beim FC Basel der Faden. Michael Lang wird mindestens gelb-würdig gefoult. Und obschon die Karte bei Schiedsrichter Fedayi San stecken bleibt, gibt es für Lang kein Weitermachen mehr. Bis zur 14. Minute humpelt er über’s Feld, versucht um jeden Preis, weiter zu machen. Aber die Schmerzen sind zu gross.

Der FCB verliert damit einen dieser Spieler, die es braucht in einer solche Affiche. Eine Persönlichkeit, einen Leader. Und es sollte nicht der Letzte sein. Auch Stocker muss in der 25. verletzt raus. Bei Lang lautet die erste Diagnose Aussenbandriss im rechten Fuss. Bei Stocker muss abgeklärt werden, ob im Knie alles noch ganz ist.

Ohne diese zwei und mit den dazugehörigen Wechseln muss sich der FCB neu sortieren und findet nicht zurück zu seinem Spiel. Es folgt eine emotionsgeladene, von Rudelbildungen, harten bis überharten Grätschen und fehlenden gelben Karten geprägte erste Halbzeit, und der FCZ schafft, was dem FCB nicht gelingt: Das Tor zu treffen. Die Zürcher holen aus einer bescheiden Leistung in der ersten Hälfte das Maximum heraus. Zwei Tore und die frühe Entscheidung.

«Wir hatten grosse Chancen. Statt aber diese zu nutzen, kassieren wir Tore. Das ist kein Zufall mehr. Das passierte auch schon gegen Luzern, St. Gallen, Sion. Auf den letzten Metern vor dem Tor fehlt uns die Aggressivität und die Entschlossenheit», analysiert FCB-Coach Guillermo Abascal das Spiel – und die aktuelle Problematik der Basler.

Denn in Halbzeit 2 kreiert der FCB kaum mehr Zählbares. Da ein Freistoss von Sebastiano Esposito, der als einzige Spitze agiert. Dort ein Abschluss von Adam Szalai, nach dessen Einwechslung der FCB in einer Art 4-2-4-System agiert, Xhaka nach hinten in die Innenverteidigung schiebt, Fabian Frei nach vorne ins Mittelfeld. Und vor allem: Noah Katterbach die Höchststrafe erleidet, nach seiner Einwechslung in der 14. Minute in der 67. wieder runter zu müssen.

YB nur noch drei Punkte hinter dem FCB

Es ist der letzte Versuch, dieser Partie Impulse zu verleihen von aussen. Aber es misslingt. Auch, weil der FCB mit Liam Millar den dritten Akteur verletzungsbedingt verliert. Der Kanadier schreit vor Schmerzen beim Gang in die Kabine, er hat sich wohl den Arm gebrochen.

Während der FCB einen durch und durch gebrauchten Nachmittag erlebt, schaukelt der FCZ mit aller Souveränität das 2:0 nach Hause. Die Zürcher holen damit den ersten Meistertitel seit 13 Jahren. Und dem FCB verbleibt nur die Gratulation. Und ein letztes Ziel für die restlichen vier Spiele: Platz 2 zu sichern. Denn YB hat zu allem Übel auch noch drei Punkte gut machen können an diesem Wochenende zum Vergessen für den FCB.