FC Basel

Fischer, Sousa oder Yakin – wer ist der FCB-Wechselkönig?

Urs Fischer (links) und Paulo Sousa: Beide sind in Basel bekannt fürs Herumschieben von Spielern. Doch dies geschieht nicht aus reiner Lust am Zocken.

Urs Fischer (links) und Paulo Sousa: Beide sind in Basel bekannt fürs Herumschieben von Spielern. Doch dies geschieht nicht aus reiner Lust am Zocken.

Der aktuelle FCB-Trainer Urs Fischer und seine Vorgänger Paulo Sousa und Murat Yakin – jeder des Trios vertraut auf die Spielerrotation. Die Zahlen und Gründe für die ständigen Wechsel in der Startformation.

Urs Fischer, Paulo Sousa oder Murat Yakin – welcher FCB-Trainer hat am meisten zwischen den Spielen gewechselt? Wir haben die Frage mehreren Personen gestellt, die sich in den vergangenen Jahren mit dem FC Basel befasst haben. Und um eine gefühlsmässige Antwort gebeten. Resultat: Ausnahmslos alle Befragten tippten auf Sousa als Wechselkönig. Und sahen in Fischer den Trainer, der möglichst auf die Rotation verzichtet. Ganz ehrlich: Hätten nicht auch Sie so getippt?

Die «Nordwestschweiz» wollte es genau wissen, ist ins Archiv gestiegen und hat die Saisons 2013/14 (Yakin), 2014/15 (Sousa) und 2015/16 (Fischer) verglichen. Dabei wurden von Spiel zu Spiel alle Wechsel in der Startformation zusammengezählt. Die Summe teilten wir durch die Anzahl Spiele (ohne Spiel 1). Nicht berücksichtigt wurden der Cup und die Spiele, in denen der FCB bereits als Meister feststand.

Gefühl und Realität liegen oft weit auseinander – auch hier: Nicht Sousa, nicht Yakin, sondern Urs Fischer ist der Wechselkönig. 151 personelle Veränderungen in bisher 39 Spielen hat der 50-Jährige vorgenommen, was einer Rotationsquote von 3,9 entspricht. Anders formuliert: Fischer änderte die Startformation auf durchschnittlich 3,9 Positionen.

Somit hat Fischer nach drei Vierteln der Saison bereits mehr rotiert als Murat Yakin und Paulo Sousa in einer gesamten Saison:
Yakin wechselte 2013/14 in 49 Spielen 149-mal – Rotationsquote 2,9.
Sousa wechselte 2014/15 in 40 Spielen 127-mal – Rotationsquote 3,2.

Verständnis für die Prügelknaben

Doch wieso hatten alle Befragten das Gefühl, Sousa habe am meisten gewechselt? Das liegt einerseits daran, dass der Portugiese im ersten Saisonviertel tatsächlich an vielen Stellschrauben drehte: Neben dem Personal veränderte er auch oft das Spielsystem. Dies verstärkt zusätzlich den Eindruck, Sousa habe am stärksten rotiert. Im Spätherbst 2014 dann hatte Sousa sein System und Personalgerüst gefunden und vertraute bis zum Saisonende darauf. Kommt dazu: Unter Sousa hatte der FCB nur wenige Verletzte zu beklagen, der Trainer war aus gesundheitsbedingten Gründen kaum zur Rotation gezwungen.

Und was macht Fischer zum Wechselkönig? Hauptgrund dafür sind die zahlreichen Muskelverletzungen, die den FCB im Herbst 2015 ereilten. Gefühlt meldete sich nach jeder Partie ein Spieler mit einer Zerrung oder einem Muskelfaserriss ab, Fischer war zu Wechseln gezwungen. Quasi als Gegensteuer zum schnell drehenden Personalkarussell verzichtete Fischer auf Experimente beim Spielsystem, mit wenigen Ausnahmen zog er die 4-2-3-1-Formation durch.

Was mit Blick aufs Ganze auffällt: Keiner der drei Trainer hat in den untersuchten Spielen zwei Mal in Folge die exakt gleiche Startformation gewählt. Diese Statistik wird auch am Mittwochabend weiterhin Bestand haben: Denn angesichts von drei gesperrten (Embolo, Suchy, Safari) und sechs verletzten Spielern (Janko, Lang, Hoegh, Akanji, Sporar, Degen) ist Fischer vor dem Nachtragsspiel in Lugano zu Wechseln gezwungen.

Personalnot im Profikader

Im Sturmzentrum dürfte das 19-jährige Eigengewächs Cedric Itten sein Startelf-Debüt bei den Profis geben. Mit Robin Huser, Nicolas Hunziker und Pedro Pacheco figurieren drei weitere Junioren auf dem FCB-Matchblatt. Dort taucht nach sechswöchiger Absenz auch Jean-Paul Boëtius wieder auf. Früher als erwartet, schliesslich sollte der Holländer in dieser Woche Spielpraxis bei der U21 sammeln. Doch wegen der Personalnot im Profikader hat sich Fischer umentschieden.

Bei Gegner Lugano liegen die Probleme tiefer, ja sie bedrohen die Existenz in der Super League. 0:6 (gegen Sion) und 0:7 (gegen YB) haben die Tessiner zuletzt verloren, die Spieler machten dabei einen lustlosen Eindruck. Während es in Lugano heisst, die Mannschaft spiele gegen Trainer Zdenek Zeman, verteidigt Urs Fischer die Lugano-Prügelknaben: ««Sie haben sich zwei Mal viel vorgenommen. Und zwei Mal lagen sie schon früh im Spiel mit mehreren Toren im Rückstand. Das macht dich als Spieler kaputt, da lässt man auch mal den Kopf hängen. Das ist menschlich.»

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