FC Aarau
Frage an den Sportchef: Ist Sven Christ noch der richtige Trainer?

Sportchef Urs Bachmann spricht über die Krise des FC Aarau, den erfolglosen Trainer und die Boulevardpresse.

Ruedi Kuhn
Drucken
FCA-Sportchef Urs Bachmann beobachtet das Team während des Trainingslagers in Belek

FCA-Sportchef Urs Bachmann beobachtet das Team während des Trainingslagers in Belek

Dean Fuss

Urs Bachmann, haben Sie ein gutes Gedächtnis?

Urs Bachmann: Meistens schon. Warum fragen Sie?

Erinnern Sie sich an den letzten Sieg des FC Aarau?

Natürlich. Das war am 5. Oktober 2014 beim 3:2 gegen YB im Brügglifeld.

Richtig. Seit dem Erfolg gegen die Berner sind mehr als vier Monate verstrichen. In diesem Zeitraum brachte es der FC Aarau auf neun Spiele und mickrige drei Punkte. Wie erklären Sie sich den Einbruch?

Nach dem gelungenen Start mit 14 Punkten aus 11 Partien verloren wir einige Spiele unglücklich. Ich hatte den Eindruck, dass die Mannschaft gegen Ende der ersten Saisonhälfte mental ausgepowert war.

Gab es einen Knackpunkt, der die Negativserie ausgelöst hat?

Ja. Der Knackpunkt war das Heimspiel gegen den FC Zürich. Wir verloren nach einer starken Leistung unglücklich 0:1. Kam hinzu, dass Sandro Wieser nach dem Foul gegen Gilles Yapi die rote Karte sah und für sechs Spiele gesperrt wurde. Das Ganze war für die Spieler ein Schock. Ich sehe durchaus Parallelen zum Spiel gegen Vaduz zum vergangenen Sonntag. Auch da spielte das Team bis zum Platzverweis von Sandro Burki ansprechend, gab danach nicht auf und hatte Chancen, verlor aber wie schon gegen den FCZ 0:1.

Bei all dem Misserfolg stellt sich für viele die Trainerfrage. Auch für Sie?

Für mich stellt sich die Trainerfrage nicht. Innerhalb des Teams herrscht ein guter Geist. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Sven Christ die Mannschaft nicht erreicht. Und wer sagt denn, dass ein Trainerwechsel ein Garantieschein für Erfolg ist.

Wie erleben Sie Christ in dieser schwierigen Phase?

Christ ist sich der schwierigen Situation bewusst. Trotzdem ist er weit davon entfernt, die Nerven zu verlieren. Er weiss genau, was er will und arbeitet äusserst konzentriert.

Das mag alles so sein, aber nach dem 0:1 gegen Vaduz sprach Christ von einer guten Leistung. Das war es definitiv nicht.

Für mich war die Leistung in Ordnung. Das Resultat ist schlecht. Sehen Sie: Hätten wir einen guten Lauf, wären die zwei Pfostenschüsse von Nganga und Radice rein gegangen. Momentan haben wir einen schlechten Lauf. Das muss sich ändern. Und zwar schnell.

Kommen wir zu Ihrer Person: Haben Sie als Sportchef vor und während dieser Saison etwas falsch gemacht?

Nein. Ich bin mir keiner Fehler bewusst. Pech war, dass sich Frank Feltscher und Edgars Gauracs kurz nach den Transfers schwer verletzt haben. Ich erachte die Mannschaft der Rückrunde etwas stärker als zu Beginn der Meisterschaft.

Sind Sie nach wie vor der Meinung, dass die Trainerwahl richtig war?

Ja. Sven Christ ist der richtige Trainer für den FC Aarau.

Der aktuell schlechte Lauf erinnert an die Abstiegssaison 2009/10. Damals hiess der Trainer Ranko Jakovljevic. Er hatte keine Super-League-Erfahrung und scheiterte. Heute heisst der Trainer Christ. Er hat auch keine Super-League-Erfahrung.

Ich kann diese Frage nachvollziehen und sehe auch die Parallele bezüglich Erfahrung der Trainer. Aber nicht jedes Déjà-vu wird zu einem Muster.

Sie sind seit fünf Jahren Sportchef des FC Aarau. Gemessen am Dienstalter sind Sie hinter YBs Fredy Bickel und Basels Georg Heitz auf Rang drei in der Super League. Können Sie Christ dank Ihrer Erfahrung helfen?

Ja. Indem ich die Ruhe bewahre und regelmässig mit ihm spreche.

Haben Sie nach dem 0:1 gegen Vaduz mit ihm gesprochen?

Ja. Wir haben das Spiel analysiert und über die Leistungen der Spieler diskutiert. Wir haben auch darüber gesprochen, wie man diese Riesenenttäuschung möglichst rasch verarbeiten kann.

Geben Sie ihm Tipps?

Nicht was das Sportliche betrifft. Im Führungsbereich und in der Persönlichkeitsebene aber schon.

Am Tag nach dem Spiel titelte die Boulevardpresse «Christ attackiert Mall». Christ war damit nicht einverstanden. Was sagen Sie zu dieser Schlagzeile?

Ich kann den Ärger von Christ verstehen. Er hat Mall nicht attackiert. Der ‚Blick‘ hat diese Aussage völlig aus dem Kontext gerissen. Christ hat gesagt, dass die Entstehung des Gegentores deutlich früher passiert ist und dass Mall in keiner Art und Weise für die Niederlage verantwortlich gemacht werden kann.

Haben Christ und der «Blick» ein Problem miteinander?

Diese Frage müssen Sie nicht mir sondern Christ und dem ‚Blick‘ stellen.

Ich frage aber Sie.

Ich denke nicht, dass Christ ein Problem mit dem «Blick» hat. Christ ist ein Trainer mit Ecken und Kanten. Er wehrt sich gegen falsche Aussagen. Ich finde es gut, dass er sich nicht alles gefallen lässt. In der momentanen sportlichen Situation ist es auch nicht verwunderlich, dass die Boulevardpresse über den FC Aarau schreibt. Schliesslich ist sie auf solche Geschichten angewiesen.

Was erwarten Sie vom FC Aarau am nächsten Sonntag beim Tabellenletzten Luzern?

Für den FC Aarau sind alle 16 Partien wichtig. Die Partie in Luzern ist ein 6-Punkte-Spiel. Wir müssen und wollen Punkte holen. Ich erwarte, dass die Spieler mit einer Topeinstellung und einer absoluten Siegermentalität antreten. Nur so können wir das Glück auf unsere Seite zwingen.

Aktuelle Nachrichten