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Für ihn überweist Manchester United 120 Millionen: Warum Pogba eine gute Investition ist

Der Transfer von Paul Pogba zu Manchester United gibt zu reden. Ist der französische Nationalspieler wirklich 120 Millionen wert? Fest steht: Wertvoll ist er nicht nur auf dem Rasen.

Markus Brütsch
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Bald im Dress von Manchester United zu sehen: Paul Pogba.

Bald im Dress von Manchester United zu sehen: Paul Pogba.

KEYSTONE/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

120 Millionen Euro! So viel muss Manchester United bezahlen, um Paul Pogba zu bekommen. Um präziser zu sein: um ihn wieder zu bekommen. Die Red Devils haben den Franzosen nämlich schon mal in ihren Reihen gehabt. Mit gutem Auge im Nachwuchs von Le Havre entdeckt, hatten sie den damals 16-Jährigen im Sommer 2009 nach Old Trafford in die Jugendakademie geholt. Nach zweieinhalb Jahren stieg er ins Profikader auf und fühlte sich bereit für die Premier League. Doch Trainer Alex Ferguson sah dies anders und liess den Jungstar so lange auf der Bank schmoren, bis dieser ein halbes Jahr später ablösefrei in die Arme von Juventus Turin flüchtete. Und jetzt also legt die United 120 Millionen Euro für einen Spieler auf den Tisch, den sie vor drei Jahren gratis ziehen lassen musste. Wie verrückt ist die Fussballwelt eigentlich geworden?

Neuer Transferrekord

Pogba schraubt den von Gareth Bale gehaltenen Transferrekord gehörig in die Höhe. 100 Millionen hatte sich Real Madrid die Dienste des Walisers kosten lassen, als dieser 2013 von Tottenham in die spanische Hauptstadt wechselte. Bale war damit sechs Millionen teurer als Ronaldo, der 2009 für 94 Millionen Euro von ManUnited zu Real gekommen war. Apropos Ronaldo: Innerhalb eines Jahres nach der Ankunft des Superstars hatten die Madrilenen schon 1,2 Millionen Ronaldo-Trikots verkauft und damit die Ablösesumme mehr als refinanziert.
Obwohl ManUnited in dieser Transferperiode bereits 42 Millionen Euro für den Armenier Henrikh Mkhitaryan an Borussia Dortmund und 38 Millionen für den Ivorer Eric Bailly an den FC Villarreal überwiesen hat und das Salär des ablösefrei vom PSG gekommenen Zlatan Ibrahimovic stemmen muss, bringt der Pogba-Deal den englischen Rekordmeister und dessen Eigentümerin, die Glazer-Familie, finanziell nicht an den Abgrund.

Die Transfersumme von 120 Millionen entspricht 19,6 Prozent des Jahresumsatzes von 600 Millionen Euro. Der Transfer des Argentiniers Juan Veron vor 15 Jahren hatte gar 21,7 Prozent des Umsatzes ausgemacht, jener von Rio Ferdinand ein Jahr später 19,9 Prozent.

Es geht nicht nur um den sportlichen Wert
Trainer José Mourinho sagt, dass er glücklich sei, diesen grossen Spieler in seinen Reihen zu wissen. «Er wird für uns noch sehr wichtig sein.» Gut, mit 1,91 Meter ist der Mittelfeldspieler tatsächlich gross, aber wie gut ist er denn wirklich? Bei der EM ist er nicht speziell aufgefallen, beim 0:0 gegen die Schweiz hat er im Trikot der Franzosen eine Viertelstunde gepowert, war danach aber nicht mehr zu sehen.

Doch bei einem Transfer wie diesem geht es längst nicht mehr nur um den sportlichen Wert eines Spielers. Im 23-jährigen Pogba, der 330 000 Euro pro Woche verdienen soll, wird der Mann gesehen, der das Potenzial zum Weltstar hat. Omnipräsent in den sozialen Medien und eine Milchkuh im Merchandising. Eine gute Investition also.