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Carlo Ancelotti gegen Josep Guardiola: Wenn zwei Trainergiganten aufeinandertreffen

Im heutigen Halbfinal-Hinspiel zwischen Real Madrid und Manchester City begegnen sich zwei Mannschaften mit unterschiedlichen Trainerphilosophien.

Pascal Däscher
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Reals Trainer Carlo Ancelotti kann bislang auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken.

Reals Trainer Carlo Ancelotti kann bislang auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken.

Matthias Balk / EPA/DPA

In der heutigen Champions-League-Partie zwischen Manchester City und Real Madrid treffen zwei Trainer aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine ist Carlo Ancelotti bei Real Madrid, der auf Kontinuität setzt und viel Ruhe und Erfahrung ausstrahlt. Der andere ist Josep «Pep» Guardiola, seit knapp sechs Jahren Fussballlehrer bei Manchester City, der gerne einmal vor wichtigen Partien taktische Umstellungen wagt und meist wild gestikulierend an der Seitenlinie steht.

Ancelotti ist die Nähe zur Mannschaft wichtig

Der 62-jährige Carlo Ancelotti, der liebevoll «Carletto» genannt wird, wird von seinen Spielern geschätzt und respektiert. Paolo Maldini, Spielerlegende bei der AC Milan, sagte einst, dass «Carlo sich nie aufregt oder aus der Ruhe bringen lässt». Er pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Spielern, ohne dabei an Respekt einzubüssen. Einzig bei seiner Zeit bei Bayern München soll sich der Italiener mit einigen Führungsspielern angelegt haben. Er konnte mit Spielern wie Franck Ribéry oder Arjen Robben umgehen, auch mit der eigenwilligen Art des Schweden Zlatan Ibrahimovic kam er zurecht.

Seine grössten Erfolge konnte Ancelotti mit der AC Milan sowie mit Real Madrid feiern. Mit der AC Milan gewann er 2003 und 2007 den Titel in der Champions League, mit den Madrilenen stemmte er 2014 die wichtigste Trophäe im europäischen Klubfussball. Nach dem letzten grossen Coup mit Real Madrid folgte ein zweijähriges Engagement bei Bayern München, letztes Jahr folgte ein glückloses Engagement beim FC Everton. Letztes Jahr kehrte er dann zu Real Madrid zurück. Mit den Königlichen steht Ancelotti in der laufenden Saison kurz vor dem Meistertitel und geniesst bei Reals Führung aktuell vollstes Vertrauen.

Guardiola erfolgreich, aber umstritten

Im Klubfussball hat Guardiola sowohl als Spieler als auch als Trainer viel erreicht. Mit dem FC Barcelona gewann der 51-Jährige in seinen Anfangsjahren als Chefcoach 2009 und 2011 die Champions League. Er perfektionierte den Ballbesitzfussball und das von ihm propagierte gepflegte Kurzpassspiel. Doch seit 2011 hat er es weder in München noch in Manchester geschafft, die Champions League erneut zu gewinnen. Für den Trainer aus Spanien eine viel zu lange Durststrecke, die er noch in dieser Saison beenden möchte.

Josep Guardiola will endlich wieder die Champions League gewinnen.

Josep Guardiola will endlich wieder die Champions League gewinnen.

Peter Powell / EPA

Bei seinen Spielern war Guardiola teils umstritten. Bastian Schweinsteiger sagte, dass man gespürt habe, dass er manche Spieler «mehr oder weniger mochte». «Gesagt hat er es nicht, aber ich habe es gespürt», sagt das Münchner Urgestein. Immer wieder sieht er sich dem Vorwurf konfrontiert, in den entscheidenden Spielen die falsche Taktik zu wählen. Darauf antwortet der Spanier mit einer Prise Sarkasmus: «In der Champions League denke ich immer zu viel nach, ich liebe es, dumme Taktiken zu erfinden.» Dennoch ist Guardiola ein hervorragender Stratege, der mit dem vorhandenen Spielermaterial gegen Real Madrid leicht zu favorisieren ist.

Mit dem Endspiel vor Augen dürfte es Carlo Ancelottis Mannschaft aber nicht an Motivation mangeln. Vor zwei Jahren verloren die Madrilenen im Achtelfinal der Champions League gegen Guardiolas «Citizens» und wollen sich für diese Niederlage revanchieren. Nach den erfolgreichen Jahren unter Zinédine Zidane ist es aus der Sicht Real Madrids wieder an der Zeit, die Champions-League-Trophäe wieder in die Höhe zu stemmen.

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