Champions League
Fussball-Professor und Polit-Rebell Pep Guardiola kämpft um Titel und Unabhängigkeit Kataloniens

Der 47-jährige Josep «Pep» Guardiola hat FCB-Champions-League-Gegner Manchester City zum besten Team der Welt geformt. Er kämpft für seine Ideen – und die Unabhängigkeit seiner Heimat: Katalonien.

Sébastian Lavoyer
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Pep Guardiola
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Pep Guardiola will in Basel einen Sieg holen
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Keystone

Irgendwie wirkt er wie ein gelangweilter Schüler, wie er so dasitzt, den Worten des Übersetzers lauscht und an die Decke starrt. Wer will es ihm verübeln, er hätte auch selbst auf Deutsch übersetzen können, was er kurz zuvor auf Englisch sagte.

So aber sitzt Pep Guardiola einfach auf seinem Stuhl, runzelt hin und wieder die Stirn oder nimmt einen Schluck Wasser aus dem Glas. Zu seiner Rechten: Vincent Kompany, Captain von Manchester City. Beide in dunkelgrauen Hosen und in schwarzem Rollkragen-Pullover, der Klub-Uniform.

Es ist eine kleine gelbe Schleife auf der Brust von Guardiola, die den grossen Unterschied zwischen den zwei Männern ausmacht. Ein Symbol der Solidarität mit den inhaftierten Politikern, die sich für die Unabhängigkeit Kataloniens starkmachten. Guardiola ist flammender Anhänger der Idee eines unabhängigen Kataloniens.

Als er vor einigen Jahren von einem spanischen Radio-Reporter gefragt wird, was Katalonien für ihn bedeute, meinte er, dass er sich seinem «Land sehr verbunden» fühle. Man darf gespannt sein, ob er, der Fussballlehrer und Rebell in Personalunion, die Schleife auch heute zur Schau trägt. Und wie die Uefa darauf reagiert. Denn eigentlich verbieten die Regeln politische, ideologische oder religiöse Botschaften im Rahmen der Champions League genauso wie in allen anderen Wettbewerben des europäischen Fussballverbandes.

«Mourinho ist der verdammte Boss hier.»

José Mourinho, ewiger Rivale von Guardiola, äusserte ähnliche Zweifel schon kurz vor Jahreswechsel, als der Katalane in der Premier League mit der gelben Schleife auftrat. Aber wie könnte es auch anders sein. Mourinho nutzt jede Gelegenheit zur Provokation. Und er hat es tatsächlich auch schon geschafft, dass Guardiola die Fassung verliert. Ein einziges Mal. 2011 war das, vor dem Clásico, vor dem Duell zwischen ihm (Real Madrid) und Pep Guardiola (Barcelona). Da brüllte Mourinhos Widersacher in die Mikrofone: «Mourinho ist der verdammte Boss hier. Er weiss alles besser.» Wenigstens bis zum Tag darauf, bis Barcelona die Königlichen mit 6:2 wegfegte und wie Bettler aussehen liess.

Vielleicht sass er damals wie so oft bis spät in die Nacht vor seinem Laptop und brütete über Videos des Gegners. In München, der zweiten Station Guardiolas nach seinen vierzehn Titeln in vier Jahren mit dem FC Barcelona (2008 bis 2012), gab es Tage, an denen er im Büro gelebt haben soll. Zurückgezogen, fast schon eremitisch. Vermutlich von der Angst getrieben, der Angst vor dem Scheitern. Uli Hoeness sagte einst: «Er weiss, was er kann, setzt sich aber trotzdem extrem unter Druck.»

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AZ

So oft er auch im Rampenlicht steht, so stark die Augen auch auf diesen Mann gerichtet sind, der den europäischen Fussball vermutlich so stark geprägt hat wie wenige andere, so wenig ist über den Menschen Pep bekannt. Er meidet die Öffentlichkeit, gibt nur selten Interviews, lässt kaum Journalisten an sich heran. Sein Privatleben schottet 47-Jährige komplett ab.

Seine Lebensgefährtin Cristina Serra heiratete er vor knapp vier Jahren in Marrakesch, nachdem sie zuvor schon drei gemeinsame Kinder hatten. Er isst gerne Fisch, gilt als Coldplay-Fan und verkehrt in gebildeten Kreisen. So zählt der Schriftsteller David Trueba ebenso zu seinem Freundeskreis wie der Ökonom Xavier Sala i Martin, dessen Vorlesungen er in New York mit dem Fahrrad besuchte, als er sich nach seinen Erfolgsjahren in Barcelona eine Auszeit gönnte.

Ein Jahr ohne Titel

Seit anderthalb Jahren tüftelt Guardiola nun in Manchester. Und nachdem er in seinem ersten Jahr an der Linie der «Citizens» zum ersten Mal in seiner Trainer-Karriere ohne Titel bliebt, meinte er: «In Barcelona oder München musst du Titel gewinnen, sonst bist du weg.» Die Ölscheiche haben sich anders entschieden. Sie haben Guardiola behalten.

Es scheint so, als würde sich der akribische Arbeiter nun gleich mehrfach belohnen. In der Meisterschaft liegt City 16 Punkte vor Stadtrivale United, man ist sowohl im FA-Cup als auch im Ligacup noch im Rennen und im Achtelfinal der Champions League.

Das ist der Grund, warum er jetzt hier in Basel sitzt und Fragen beantwortet. Mässig interessiert, bis er auf Deutsch gefragt wird, wie denn seine Erinnerungen an Basel seien, den 5:0-Sieg mit Barcelona 2008, für die Basler bis heute die höchste Heimniederlage. Guardiola wacht auf, lacht und antwortet auf Deutsch: «Das war ein grosser Moment für mich in meinem ersten Jahr als Trainer, meine erste Champions-League-Kampagne. Wir haben eine gute Leistung gezeigt und ich freue mich, noch einmal hier zu sein.»

Dann lobt er das aktuelle Team für seine «sehr gut organisierte Defensive», für die «guten Konter». Ehe er sich beim Übersetzer für seine Arbeit bedankt, ihm freundlich auf die Schulter klopft und aus dem Raum verschwindet.

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