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Shaqiris Reife, Xhakas Mühe und ein Neuling, der bereits fehlt – das sind die Erkenntnisse nach der 1:2-Niederlage der Schweiz in England

Der Auftakt ins Länderspieljahr ist den Schweizer Fussballern resultatmässig missglückt. Was bleibt nach der Niederlage im Wembley? Lesen Sie unsere sechs Erkenntnisse.

Etienne Wuillemin
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Der Abschluss ist versöhnlich. Und ganz im Stil des guten Gastgebers. Als Englands Trainer Gareth Southgate gefragt wird, warum die Schweiz ein herausfordernder Gegner war, setzt er zum Lob an: «Ich beobachte den Schweizer Weg seit langem. Schon vor zehn Jahren ist mir aufgefallen, wie gut Klubs und Verband zusammenarbeiten. Die Ausbildung der Spieler ist auf hohem Level. Da sind technisch und taktisch starke Akteure am Werk.» Und schliesslich: «Ich bin sicher, die Schweiz wird auch jetzt wird ein erfolgreiches Jahr haben.»

Es sind mehr als einfach nett gemeinte Worte aus Anstand. Southgate und seine Engländer mussten für den 2:1-Sieg durchaus leiden. Und hätten sich nicht beklagen können, wenn es anders gekommen wäre.

Das Fazit von Murat Yakin nach seiner ersten Niederlage im achten Spiel als Nationaltrainer lautet: «Es waren am Ende zwei Geschenke zu viel. Aber es ist mir lieber, passieren sie in einem Testspiel als an der WM.» Was aber bleibt für die Schweizer nach diesem Abend im Wembley?

Embolo und Yakin – das passt

Regelmässiger Skorer unter Yakin: Breel Embolo.

Regelmässiger Skorer unter Yakin: Breel Embolo.

Claudio Thoma / freshfocus

Breel Embolo war einer der Abwesenden, als die Schweiz im November die WM-Qualifikation sicherstellte. Nun kehrte er zurück – und traf gleich wieder. Auch im dritten Spiel unter Yakin, skorte Embolo (2 Assists gegen Nordirland und 2 Tore gegen Litauen im Oktober-Zusammenzug). Er deutete an, warum ihn Yakin als klare Nummer 1 im Schweizer Sturm sieht. Auch wenn er in der zweiten Hälfte abbaute, sein Tempo und seine Wucht, und die damit verbundenen Qualitäten als Ballverteidiger im offensiven Drittel sind im Prinzip unersetzlich. Umso besser, wenn er weiter so regelmässig trifft – die Chancenverwertung war unter Petkovic immer wieder ein Problem.

Das Fehlen von Okafor ist bereits spürbar

Im Fokus: Noah Okafor.

Im Fokus: Noah Okafor.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Noah Okafor war im letzten November einer der erstaunlichen Gewinner. Der 21-Jährige Stürmer von Salzburg imponierte in seinen Länderspielen zwei und drei. Nun, da er im Wembley wegen muskulären Problemen fehlte, war dies bereits spürbar. Er dürfte mit seinem Tempo und der Gradlinigkeit eine grosse Waffe werden im Schweizer Spiel. Dieses Tempo fehlte der Schweiz auf den Flügeln gegen England. Vargas gelangen noch am ehesten einige Akzente, von Zuber und Steffen ging jedoch nie Gefahr aus.

Shaqiri: Die EM-Lust ist geblieben

Reifer Auftritt: Xherdan Shaqiri.

Reifer Auftritt: Xherdan Shaqiri.

Andy Rain / EPA

Die letzten Erinnerungen von ihm ans Wembley sind nicht gut. Ob 2015 oder 2018, es waren Zeiten, als bei Xherdan Shaqiri Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander klafften. Als er sich selbst als Weltstar betrachtete, das aber selten auf den Platz brachte. Nun aber war da ein Shaqiri am Werk, wie ihn sich die Nati nur wünschen kann. Keine unnötigen Zaubereien, eine tolle Körpersprache, voller Lust den Gegner – insbesondere Henderson – am Aufbau zu stören. Und zwischendurch immer mal wieder eine auffällige Aktion nach vorne. Natürlich sticht die Flanke vor dem 1:0 heraus. Auch seine Eckbälle waren hervorragend. Es ist augenfällig, dass er gut im Rhythmus ist, die Konstanz in Chicago könnte ihm auch langfristig helfen. Jedenfalls knüpfte Shaqiri nahtlos an die guten Leistungen der EM und des Herbstes an.

Xhaka: Der Chef ist zurück, hat aber noch einige Probleme

Hier lang! Granit Xhaka.

Hier lang! Granit Xhaka.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Nein, es war nicht das beste Länderspiel, das Granit Xhaka je für die Schweiz absolviert hat. Aber auch nicht das schlechteste. Nach langer Absenz ist der Chef zurück auf dem Feld. Er spielte einige Fehlpässe zu viel. Aber es war insgesamt ein solider Auftritt. Seine Präsenz wird der Schweiz ohne Frage guttun. Spannend wird zu beobachten sein, ob und wie rasch es ihm gelingt, sich an den Yakin-Fussball zu gewöhnen, der schnelleres Umschalten verlangt als jener von Petkovic, der etwas mehr auf Ballbesitz ausgelegt war.

Der Zweikampf auf der rechten Seite verschwindet

Muss gesetzt sein rechts hinten: Silvan Widmer.

Muss gesetzt sein rechts hinten: Silvan Widmer.

Claudio Thoma / freshfocus

Lange war es eine offene Ausgangslage. Seit dem Rücktritt von Stephan Lichtsteiner hat sich auf der rechten Abwehrseite niemand den Stammplatz erkämpft. Silvan Widmer und Kevin Mbabu wechselten sich immer wieder ab. Doch nun haben sich die Kräfteverhältnisse klar zu Gunsten von Widmer verschoben. Er spielt konstant stark, sowohl bei Mainz in der Bundesliga wie auch in der Nati. Mbabus Leistungen dagegen unterliegen grossen Schwankungen. Besonders auffällig wird der Unterschied, wenn beide während desselben Spiels zum Einsatz kommen. Weil die Schmerzen bei Widmer nach dem Tritt von Foden in sein Wadenbein zu gross wurden, musste er raus. Mbabu war danach eine Klasse schlechter. Und es stellt sich die Frage, ob gar ein anderer Back-up von Widmer eine Chance erhalten sollte.

Jonas Omlin ist eine valable Alternative

Beim Penalty gegen Kane chancenlos, aber in der zweiten Halbzeit mit drei schönen Paraden: Jonas Omlin.

Beim Penalty gegen Kane chancenlos, aber in der zweiten Halbzeit mit drei schönen Paraden: Jonas Omlin.

Claudio Thoma / freshfocus

Der Zweikampf um die Nummer 2 hinter Yann Sommer ist eröffnet. Yakin gab im Wembley Jonas Omlin eine Chance. Dieser konnte sich vorab in der zweiten Hälfte auszeichnen, als er drei gute Aktionen der Engländer vereitelte. Favorit als Sommer-Backup bleibt indes Gregor Kobel. Der BVB-Torhüter wird am Dienstag gegen den Kosovo zum Einsatz kommen.

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