YuBeljahr
#14: Erinnerung an Liverpool im November

Wird diese Saison endlich ein YuBeljahr? Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg glauben fest daran, dass YB den FC Basel entthront. Sie begleiten ihren Verein auf dem Weg zum Titel mit einer wöchentlichen Meisterkolumne. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Bernhard Giger
Bernhard Giger
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Die Berner Young Boys bedanken sich bei ihren Fans.

Die Berner Young Boys bedanken sich bei ihren Fans.

Keystone

Am Sonntag war im Wankdorf wieder einmal Pyro-Tag, auch und vor allem aufseiten der Berner Fans. Für die angereisten Sion-Supporter gab es, je länger das Spiel dauerte, desto weniger Grund, Feuerwerk zu zünden. Stattdessen haben sie die eigenen Spieler, als sie am Schluss widerwillig zu ihnen kamen, ausgepfiffen.

Für den Speaker gibt es keine undankbarere Aufgabe, als die Fans zu mahnen, das Abbrennen von Feuerwerk sei verboten. Erstens brennen die Fackeln dann ja schon. Zweitens lockt der Reiz des Verbotenen zu sehr, als dass man die Dinger, schon mal reingeschmuggelt, in der Tasche lassen würde. Mit dem Feuer spielen in der Masse – ein letztes Abenteuer in der gleichgeschalteten digitalen Welt.

Das Verbot ist sinnvoll. Zu gross ist das Risiko, dass es schlimm enden kann, wenn etwas passiert. Als die Young Boys im Neufeld spielten, bewarfen die Basel-Fans den YB-Sektor einmal mit Feuerwerk. Panik brach aus und ich fand meinen Sohn und seinen Freund – beide damals zwölfjährig – minutenlang nicht mehr im Getümmel. Selten hatte ich mehr Angst.

Sie schüren Emotionen

Aber, ehrlich: Schön anzusehen sind sie schon, die gelegentlichen Pyro-Ballette im Stadion. Sie sind Teil des Spektakels, schüren Emotionen und machen Stimmung. Jeder Filmregisseur würde bei der Inszenierung eines Fussballspiels mit Pyro-Hintergrund arbeiten.

Doch Stimmung geht auch anders. Im November 2012 war ich mit Bänz Friedli am Europa-League-Auswärtsspiel in Liverpool. In England gilt in Sachen Pyro Nulltoleranz. Die YB-Fans, so erzählt man, hätten sich in letzter Minute entschieden, die Fackeln im Hotel zu lassen.

Es wurde ein denkwürdiger Abend an der Anfield Road, die Liverpool-Hymne und später die Standing Ovation des englischen Publikums für die Berner Gäste, weil diese mit einem Transparent ihr Mitgefühl für die Opfer der Katastrophe von Hillsborough bekundeten. Und schliesslich das 2:2, Bobadilla und Zverotic schossen die Tore für die Young Boys. Stimmung total. Ganz ohne bengalisches Feuer.

Zurück in der Gegenwart

Stimmung macht, zurück in der Gegenwart, zurzeit die Mannschaft. YB zündet Pyros genug. Und wenn die Berner und Bernerinnen auch noch mitbekommen, was diese Saison im Wankdorf abgeht und bei den Heimspielen vielleicht schon bald nicht nur 18'000, sondern 28'000 kommen, dann wird es auch hier so sein wie damals im regnerischen Liverpool.

Vielleicht schon nach dem nächsten Sonntag, wenn YB den FC Basel in der Tabelle um zehn Punkte abgehängt hat. Vielleicht.

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