Es regnet blau-weisse Konfetti vom Himmel über dem Stade de Suisse, als YB-Trainer Adi Hütter zurück zu seiner Bank läuft. Oben auf dem Balkon der Haupttribüne des Stade de Suisse hüpfen die FCZ-Spieler und reichen sich den Pokal weiter, während aus den Stadionlautsprechern «We are the Champions» dröhnt.

Hütter streicht sich mit der Hand über die Stirn, blickt kurz in den dunstgeschwängerten Himmel über «seinem» Stadion und verschwindet in den Katakomben.

«Natürlich bin ich enttäuscht. Mein letztes Spiel in Bern endet mit einer Niederlage», sagt der 48-jährige Österreicher nach der 1:2-Pleite gegen den FCZ im Cupfinal. Und erinnert sich an seine Anfänge in Bern, das 4:0 gegen Vaduz, am 12. September 2015. Wie gerne hätte er sein fast dreijähriges Wirken in der Bundeshauptstadt wieder mit einem Triumph beendet – mit dem Double, dem ersten für YB seit 60 Jahren.

Adi Hütter, Trainergott

Heute wird Hütter noch einmal mit seinem Team zusammensitzen, sich verabschieden von seinen Spielern, dem Staff. Er zieht weiter, weiter nach Deutschland, in die grosse Bundesliga zu – welch’ Ironie des Schicksals – dem DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Ein Traum erfüllt sich für den Mann, der YB befreit hat von seinem 32 Jahre währenden Titelfluch.

Young Boys bekommt den Schweizer Pokal

Young Boys bekommt den Schweizer Pokal

Die Young Boys haben Lugano mit 3:1 geschlagen und nahmen den Meisterpokal feierlich entgegen. Nach 32 Jahren sind die Berner endlich wieder Schweizer Meister. Für Adi Hütter, Trainer des Clubs, ist es "ein magischer Moment, wenn man den Pokal in den Händen trägt".

Am 28. April bescherten Hütter und sein Team der Hauptstadt einen vulkanartigen Gefühlsausbruch. Nach dem 2:1 gegen den FC Luzern war klar: YB ist nicht mehr abzufangen, die Meisterschaft geht nach Bern. Die Menschen stürmten mit Freudentränen in den Augen auf den Kunstrasen, Wildfremde lagen sich in den Armen. Meister, endlich Meister. Und das schon vier Runden vor Schluss. Adi Hütter, Trainergott.

Unmöglich Spannung hochzuhalten

Was folgte, war kollektiver Rausch. Feier an Feier. Inoffiziell, offiziell – Jubel, Trubel, Heiterkeit. In diesem Moment die Spannung hochzuhalten, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Bezeichnenderweise meinte Cupsieger-Trainer Ludovic Magnin dann auch, dass es «das Herz, der Hunger auf den Sieg» waren, die an diesem Sonntag den Unterschied gemacht hätten.

Das konnte und wollte auch Hütter nicht in Abrede stellen: «Heute hat es nicht gereicht, weil wir nicht 100 Prozent bereit waren. Aber ich lasse mir wegen einer Niederlage nicht diese tolle Saison kaputtmachen», sagt er.

Als die gebeutelten Berner Fussballer längst unter der Dusche stehen, da kommt Hütter noch einmal auf den Platz. Er steht vor die Kurve, applaudiert, verneigt sich und formt ein Herz mit den Händen. «Der Verein, die Stadt, die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen. Ich verlasse Bern mit viel Wehmut», sagt er. Trotz dieser Niederlage: In Bern wird er immer als Trainergott in Erinnerung bleiben. Als Erlöser.