Frauenfussball

Alayah Pilgrim und ihr Fussballtraum: Der wichtige Wechsel von A nach B

Alayah Pilgrim: Ein Fussballtalent, das mit dem Wechsel nach Basel seinen nächsten Schritt in Richtung Profi-Karriere macht.

Alayah Pilgrim: Ein Fussballtalent, das mit dem Wechsel nach Basel seinen nächsten Schritt in Richtung Profi-Karriere macht.

Alayah Pilgrim aus Muri wechselte kürzlich von den FC Aarau Frauen zum FC Basel. Dort unterschrieb sie einen Vertrag für zwei Jahre. Für ihren Karriere-Plan ist der Wechsel, sowie die Dauer des Vertrags, perfekt. Doch wie organisiert sie Fussball, Lehrabschlussprüfungen und Privatleben?

Alayah Pilgrim spaziert ein wenig nervös zum St. Jakob-Park – ein Treffen mit den Medien steht an. Nachdem man sich coronakonform mit genügend Abstand begrüsst hat, geht es zum Fotoshooting. Dabei fällt auf: Ihre Hosen tragen nicht ihre Initialen A.P., sondern die Buchstaben R.X.

«Wir haben noch keine eigenen Trainingssachen», lacht die 17-Jährige, «die Hose lieh mir eine Kollegin.» Ihre Kleider seien aber in der entsprechenden Grösse bestellt.

Bei der angesprochenen Kollegin handelt es sich um Riola Xhemaili, welche, wie sich später herausstellt, eine nicht ganz unwichtige Rolle in Pilgrims Leben spielt. Kennen tun sich die beiden aus der Nationalmannschaft.

Die Fussballerin Alayah Pilgrim kommt ursprünglich aus Muri. Das Spiel mit dem Ball begann für sie vor einigen Jahren per Zufall, als der Trainer des FC Muri sie bei einem Polyturnier spielen sah. 2017 spielte sie dann als 14-Jährige bei der U17 des FC Aarau, ein Jahr später bei der Aarauer Erstmannschaft.

Die Professionalität von Basel ist nicht selbstverständlich

Nun macht die 17-jährige Fussballerin einen weiteren Schritt in ihrer Karriere. Während der Spielbetrieb durch die Coronakrise zum Erliegen kam, führte die Murianerin Gespräche mit den Verantwortlichen des FC Basel. Und siehe da: Nun sitzt sie vor uns im blauen Shirt mit FCB Logo.

Doch der Entscheid fiel ihr nicht leicht: «Ich hatte von mehreren Vereinen Angebote», sagt die Sportlerin ein wenig verlegen, «ich musste schauen, wo es am besten passt.» Der Weg von Muri nach Basel sowie ihr letztes Lehrjahr als Fachfrau Gesundheit im Spital Muri mussten mitberücksichtigt werden.

Die Professionalität und die Spielphilosophie des FCB gefallen der jungen Spielerin.

Die Professionalität und die Spielphilosophie des FCB gefallen der jungen Spielerin.

Schlussendlich hat sie sich für den FCB entschieden – und ist sehr glücklich damit. Die Professionalität und das Team seien ausschlaggebend gewesen, erklärt Pilgrim nach einer kurzen Denkpause. «Ich war auch schon Zuschauerin bei ein paar Spielen», fügt sie an. Dabei habe die Spielphilosophie einen guten Eindruck hinterlassen.

Die Professionalität, die in Basel an den Tag gelegt wird, ist nicht selbstverständlich im Frauenfussball. Deshalb weiss sie das besonders zu schätzen: «Die Trainings sind sehr strukturiert. Es gibt einen Kraftraum, Athletiktrainer und Physiotherapeuten.» Zudem kommt ihr der Club bei Weg und Wohnen entgegen: Der FCB bezahlt den Weg und stellt ihr eine Wohnung zur Verfügung. Man merkt, dass ihr dies sehr wichtig ist. Bei fünf Trainings pro Woche schläft sie immerhin zwei bis drei Mal in Basel.

Eine gemeinsame Leidenschaft, die verbindet

Pilgrim hat auch eine persönliche Verbindung zum FCB: Ihr Freund Elijah Okafor, Bruder von Noah Okafor (Spieler bei Red Bull Salzburg), spielt auch hier. «Das ist sicher auch ein Grund, weshalb ich mich für Basel entschieden habe», grinst sie, «aber ich habe meine Entscheidung nicht davon abhängig gemacht.»

Kennengelernt haben sich die beiden über Instagram. Okafor erzählt, dass er vor rund einem Jahr von Riola Xhemaili auf Pilgrim aufmerksam gemacht wurde: «Ich war ziemlich beeindruckt von Alayah», sagt er. Schmunzelnd gibt die 17-Jährige zu, dass sie ihm erst gar nicht zurückschreiben wollte. «Aber Riola meinte: <Komm, schreib zurück, er ist ein Lieber>», erinnert sie sich lächelnd.

Die neue Position fördert ihre Fortschritte

Vor dem ersten Training beim FCB hatte Pilgrim Respekt. Ihr war klar: Hier wird es anders ablaufen als beim FCA. «Es war schon eine Umstellung», sagt sie, «das Tempo und das Niveau sind höher.» Dennoch sei sie beim ersten Training gut mitgekommen – trotz schweren Beinen nach der Einheit. «Aber das ging allen so», sagt sie begleitet von einem erleichterten Grinsen.

Bei ihrem ersten Einsatz für den FCB (einem Testspiel gegen Basel OB) schoss Pilgrim bereits zwei Tore.

Bei ihrem ersten Einsatz für den FCB (einem Testspiel gegen Basel OB) schoss Pilgrim bereits zwei Tore.

Pilgrims Ziele beim FCB sind klar: «Im Team weiterkommen, Titel holen. Einfach alles geben für den FCB.» Auf die Frage, was fussballerisch zu ihren Stärken gehöre, antwortet die Murianerin wie aus der Pistole geschossen: «meine Schnelligkeit». Zudem habe sie ein gutes Spielverständnis und sei kopfballstark.

«Alayah hat das Profil einer Offensivspielerin», beschreibt sie ihr Trainer Sébastien Bader. Dennoch ist die Spielerin beim FCB nicht Stürmerin. Als Flügelspielerin wird sie offensiv wie defensiv eingesetzt. Dies sei laut Bader ein Pluspunkt, um ihre Fortschritte zu fördern. «Sie hat die Qualität, grosse Distanzen abzudecken und alle Phasen des Spiels gut zu meistern», sagt Bader.

Dem Traum, im Ausland zu spielen, einen Schritt näher

Für die 17-Jährige ist der FCB eine Art Sprungbrett: «Ich bin zwar nicht nach Basel gekommen mit dem Gedanken: <Der FCB muss mich ins Ausland bringen>, aber ich hoffe es natürlich.» Immerhin hat sie das Ziel, eines Tages im Ausland zu spielen.

«Mit der Wahl unseres Basler Projekts zeigt sie ihren Willen, in erster Linie in der Schweiz auf die nächste Karrierestufe zu gelangen», sagt der Cheftrainer. Solange sie aus Leidenschaft spiele, sei alles möglich – auch Profi in einem ausländischen Spitzenteam zu werden.

Pilgrims Ziele decken sich mit denen ihres Freundes: Beide wollen Profi werden. Je nach dem zieht es nicht beide zur selben Zeit ins Ausland – ein Hintergedanke, der immer da ist. «Aber das ist noch weit weg. Deshalb lasse ich es auf mich zukommen», sagt Pilgrim und zuckt leicht mit den Schultern. Okafor stimmt ihr dabei zu. Für ihn ist klar: «Egal, wie es kommt: Wir werden uns immer gegenseitig unterstützen und motivieren.»

Ein zielstrebiger Herzensmensch voller Energie

Abseits des Rasens besitzt die zielstrebige Spielerin alle Charakterstärken, die es auch auf dem Platz braucht: Ihre Mutter Tanja Pilgrim sagt, ihre Tochter habe die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen und sei ein Organisationstalent. Ihre Ambitionen und ihr Engagement haben Einfluss auf die ganze Familie: «Alayah ist für uns eine treibende Kraft- und Energiequelle», sagt ihre Mutter.

Zudem bleibe sie bei grosser Belastung stets konzentriert und behalte den Überblick. Dem stimmt die Sportlerin nickend zu: «Ich bin mir Druck gewöhnt und kann gut damit umgehen.» Das muss sie auch können. Denn auf sie warten nicht nur die neuen Herausforderungen beim FCB, sondern auch die Lehrabschlussprüfungen im nächsten Jahr.

Pilgrim selbst schwärmt von ihrem Umfeld: Der Lehrbetrieb kommt ihr wo immer möglich sehr entgegen. Ihre Familie supportet sie jederzeit. Man merkt der 17-Jährigen an, dass sie über jede Unterstützung dankbar ist. Auch ihre Mutter spürt, dass sich ihre Tochter wohl fühlt: «Alayah ist ein Herzensmensch. Sei es als liebevoll unterstützende Tochter, verständnisvolle kleine Schwester, vertrauenswürdige Freundin oder verantwortungsbewusste Pflegefachfrau.»

Die junge, ehrgeizige Fussballerin hat das Glück, von allen Seiten grosse Unterstützung zu erfahren und ihren Traum weiterhin so verfolgen zu können, wie sie sich das vorstellt.

Meistgesehen

Artboard 1