FC Basel

Aldo Kalulu bekämpft Rassismus mit Lachen und sagt: «Ich hätte die Banane essen sollen»

Beim Spiel gegen den FCZ wurde Aldo Kalulu mit einer Banane beworfen. Im Interview erklärt der Offensivspieler des FC Basel, warum Lachen das beste Mittel gegen Rassismus ist und wie er das erste halbe Jahr in der Schweiz erlebt hat.

Monsieur Kalulu, was haben Sie gedacht, als am Sonntag eine Banane aus dem FCZ-Sektor neben Ihnen landete?

Aldo Kalulu: Ich habe gelacht.

Kann man über Rassismus lachen?

Ich kann das. Ich habe mich nicht angesprochen gefühlt. Es ist ja nicht die breite Masse, die so denkt. Nur weil da jetzt einer eine Banane geworfen hat, müssen wir nicht alles generalisieren. Deswegen habe ich gelacht.

Überspielen Sie Ihre Enttäuschung?

Nein, natürlich bin ich enttäuscht. Aber ich sage immer: Um eine Welt zu schaffen, brauchst du alles. Dummköpfe und Intelligente. Es gibt sicher Leute, die so ein Bananenwurf aufregt. Mich nicht.

Würden Sie mit dem Übeltäter an einen Tisch sitzen und diskutieren?

Nein. Er hat mit dieser Aktion seine Meinung schon ausgedrückt. Er wird sein Leben weiterführen und ich meines.

Sollte der Werfer bestraft werden?

Ich finde schon. Rassismus wie auch Gewalt haben im Stadion nichts verloren.

Solche Dinge wollen wir auch ausserhalb des Stadions nicht sehen. Haben Sie auch abseits der Fussballplatzes Rassismus erleben müssen?

Ich habe das bisher nur im Fussball erlebt, was dieses Spiel in ein schlechtes Licht rückt. In anderen Sportarten kommt es zwar auch immer wieder vor, aber seltener. Leider ist der Fussball oft eine Bühne für Rassismus. Das ist schade.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Fussball zieht so viele Menschen an wie kaum eine Sportart. Vielleicht wird das Fairplay deswegen zum Teil nicht so gross geschrieben. Aber Achtung: Wir dürfen auch hier nicht generalisieren. Es gibt Fussballfans und Vereine, die grossen Wert auf Fairplay legen. Da werden nicht einmal die Gegner ausgepfiffen, obwohl wir Fussballer diese Pfiffe eigentlich sogar mögen. Das gehört dazu.

Was ist schön an Pfiffen?

Das motiviert. Es entsteht ein Gefühl von «sie gegen mich, ich gegen sie». Das heizt die Stimmung an. Dann kann ich sogar Schimpfwörter wie «Scheiss YB» oder «Scheiss FCB» irgendwo nachvollziehen. Wenn aber Schnapsfläschchen oder Feuerzeuge geworfen werden, hört der Spass auf. Das kann zu Verletzungen führen.

War die Banane nach dem Spiel in der Kabine ein Thema?

Nein. Niemand hatte Lust, das noch einmal zu diskutieren. Auch mit meiner Freundin Emma habe ich das nicht weiter besprochen.

In England wurden zuletzt sowohl Pierre-Emerick Aubameyang als auch Raheem Sterling rassistisch beleidigt. Warum kommt es im Stadion vermehrt zu Rassismus?

Vielleicht liegt es daran, dass es ein probates Mittel ist, Spieler durch Beschimpfungen zu destabilisieren. Von den Rängen aus aber auch auf dem Platz. Es kam schon vor, dass mich ein Gegenspieler als «dreckigen Schwarzen» bezeichnet hat. Dabei meint er das gar nicht so. Er will mich nur verunsichern. Am Schluss ist es eine mentale Frage, wie du mit solchen Provokationen umgehst. Meine Antwort ist Lachen. Wenn rassistische Beleidigungen der letzte Trumpf dieser Leute sind, kann ich nicht anders als zu lachen.

Kennen Sie das Sprichwort: Der Klügere gibt nach?

Bislang nicht, aber das trifft es ganz gut. Es gibt Personen, die da sensibler sind. Die sind dann enttäuscht, weinen oder verlassen sogar den Platz. Aber ich kenne auch viele wie mich, die einfach lachen. Ich glaube, das ist die beste Lösung.

Der damalige Barcelona-Spieler Dani Alves hat 2014 auch nicht schlecht auf einen Bananenwurf reagiert.

Der hat sie gegessen oder?

Ja.

Das hätte ich vielleicht auch machen sollen. Am besten hätte ich die Banane mit einem FCB-Fan geteilt. Das wäre cool gewesen. Doch das ist mir in diesem Moment nicht in den Sinn gekommen. Noch bevor ich die Ecke dann doch ausgeführt habe, war das Thema für mich abgehakt. (Aldo Kalulu wechselt kurz von französisch auf deutsch) Fertig.

Damals reagierte die ganze Fussballwelt solidarisch, auch Xherdan Shaqiri: 

Wechseln wir das Thema. Wie haben Sie sich in Basel eingelebt?

Basel gefällt mir. Es gibt viele Gemeinsamkeiten mit meiner Heimatstadt Lyon. Zum Beispiel den Fluss, der mitten durch die Stadt geht, viele Einkaufsmöglichkeiten und Cafés. Das mag ich.

Wer begleitet Sie bei den Ausflügen?

Meine Freundin Emma. Mit ihr bin ich seit der Schulzeit zusammen. Sie hat uns auch ein Haus in Dornach organisiert. Die Ruhe auf dem Land gefällt uns. Am Sonntag nach den Spielen gehen wir mit unserem Hund in den Wald. Oft bekommen wir auch Besuch von unseren Familien und Freunden aus Lyon.

Wer sind Ihre besten Freunde beim FCB?

Ich bin oft mit Afimico Pululu, Dimitri Oberlin, Kevin Bua unterwegs. Manchmal begleitet uns auch unser grosser Bruder: Geoffroy Serey Die.

Ihre Freunde sprechen alle französisch. Wie läuft das Deutschlernen?

Oh. Ich bemühe mich, immer wieder deutsch zu reden. Mein Lieblingswort ist «natürlich». Das ist ein ganz schweres Wort. Ihr Schweizerdeutschen betont oft das «ch». Am Anfang habe ich das nicht verstanden, aber jetzt betone ich meine deutschen Wörter aus Gewohnheit eher wie die Schweizer. (Kalulu wechselt auf schweizerdeutsch) Ich! Natürlich! 

Bringen Sie den anderen auch französisch bei?

Fabian Frei, Silvan Widmer und Jonas Omlin sprechen schon ganz gut. Taulant Xhaka und Albian Ajeti lernen von mir. Xhaka liebt ein französisches Schimpfwort. Das sagt er immer wieder.

Haben Sie auch geflucht, als Sie unter dem neuen Trainer Marcel Koller nicht mehr zum Einsatz kamen?

Geflucht nicht, aber es war schon schwierig. Bevor ich irgendwo hin wechsle, befasse ich mich intensiv mit dem neuen Klub, dem Trainer und seiner Spielphilosophie. Raphael Wicky hat mich im persönlichen Gespräch überzeugt. Leider wurde er nach nur zwei Spielen entlassen.

Warum waren Sie unter Marcel Koller lange aussen vor?

Jeder Trainer hat seinen Spielstil und seine Spieler, auf die er setzt. Spieler, die unter Wicky aussen vor waren, kommen jetzt zum Zug. Ein Trainer kann es nie jedem recht machen, also habe ich das akzeptiert.

Haben Sie in dieser Zeit überlegt, den FCB im Winter zu wechseln?

Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht. Ich habe keine Lust, eine Saison gar nicht zu spielen. Aber ich bereue den Schritt nicht, weil Basel ein grosser Klub ist. Deswegen habe ich mir gesagt: Warte auf deine Chance und nutze sie. Auch wenn ich nicht spiele, sollen alle sehen: Der gibt trotzdem 100 Prozent. Dem können wir nichts vorwerfen.

Hat Marcel Koller Ihnen gesagt, warum er Sie nicht auf Sie setzt?

Nein, aber als Spieler spürst du das. Ich habe mich aber nie hängen lassen und sicher auch von den Verletzungen meiner Mitspieler profitiert. Jetzt habe ich eine Chance bekommen. In den letzten drei Spielen war ich mit meiner Leistung zufrieden. Klar geht es immer besser, aber ich bin glücklich.

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