WM14
Antoine Griezmann – der grosse Aufsteiger der Franzosen

Antoine Griezmann, der «Fast-Schweizer», heisst der grosse Profiteur vom Ribéry-Out. Er hat sich innerhalb kürzester Zeit in die Startformation von Frankreich gespielt. Der Teamkollege von Haris Seferovic ging einen aussergewöhnlichen Weg.

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Der Fast-Schweizer Antoine Griezmann (links) mit Arsenal-Star Olivier Giroud.

Der Fast-Schweizer Antoine Griezmann (links) mit Arsenal-Star Olivier Giroud.

Keystone

Sein WM-Aufgebot verdankt Antoine Griezmann der starken Saison, die er in der Primera Division gezeigt hat. Der Nahe der Schweizer Grenze in Mâcon geborene Flügelstürmer war mit 16 Treffern der sechstbeste Torschütze Spaniens - hinter den Grössen Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Diego Costa, Karim Benzema und Alexis Sanchez.

Griezmann, der gegen Honduras (3:0) in der Startformation stand, obwohl er zuvor nur vier Länderspiele bestritten hatte, könnte eine der Hauptgefahren für die Schweiz sein.

Haris Seferovic, der Siegtorschütze gegen Ecuador, wird einiges über Griezmann zu berichten wissen. Die beiden spielen gemeinsam für Real Sociedad San Sebastian.

«Ich habe mich sehr für Seferovic gefreut», sagte Griezmann in Ribeirão Preto, wo die Franzosen ihr Trainingscamp eingerichtet haben.

«Wir unternehmen in San Sebastian oft etwas zusammen. Auf dem Spielfeld war es zuletzt ein bisschen schwieriger, weil er weniger oft zum Einsatz kam. Aber wir hatten uns zuvor auch in den Spielen gut verstanden. Haris ist ein junger Stürmer mit viel Talent.»

Über die WM in Brasilien haben sich die beiden im Frühling oft ausgetauscht. Das Wiedersehen am Freitag in Salvador wird herzlich verlaufen zwischen den zwei Spielern, die sich bis zuletzt nicht sicher sein konnten, in das jeweilige Kader berufen zu werden.

Griezmann: «Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich den ersten WM-Match von Beginn weg spielen würde, hätte ich sicherlich geantwortet: 'Du spinnst!'»

Griezmann ist einen aussergewöhnlichen Weg gegangen. Als zierlicher und kleingewachsener Junior fand er in Frankreich kein Ausbildungszentrum, das an ihm interessiert gewesen wäre.

Unter anderem fiel er in Lyon durch. Ein Junioren-Turnier, das er mit Montpellier bestritt, öffnete ihm schliesslich als 13-Jähriger die Tür zu Real Sociedad San Sebastian.

Als 18-Jähriger kam er erstmals für die 1. Mannschaft der Basken zum Einsatz und war danach am Aufstieg von der 2. Liga bis in die Champions League massgeblich beteiligt.

Auf Ribérys Spuren?

«Der Spanier» im Team von Didier Deschamps zeichnet sich durch Tempospiel und technische Finesse aus. Sein «One-Touch-Football» sorgt in Frankreich für Lobeshymnen.

Bereits werden Vergleiche mit dem jungen Franck Ribéry gemacht, der 2006 unter ähnlichen Umständen ins französische WM-Kader gerutscht war und sich dann in Deutschland profilierte.

«Ich bin geehrt», sagt Griezmann dazu. «Aber man kann uns nicht vergleichen. Wir schreiben das Jahr 2014, und ich bin Antoine Griezmann.»

Etwas später stellt er auch noch klar, dass bei Griezmann das «E» ausgesprochen wird. Auch in Frankreich erfährt man in diesen Tagen Neues über den 23-Jährigen.

Bis vor der WM-Vorbereitung war Griezmann vielen Franzosen vor allem wegen einer unangenehmen Geschichte ein Begriff.

Er hatte zwischen zwei EM-Barragespielen mit der U21-Nationalmannschaft zusammen mit drei Teamkollegen einen nicht genehmigten Ausflug ins Nachtleben von Paris gemacht.

Auch weil die Junioren im Rückspiel noch einen Vorsprung verspielten und ausschieden, fiel die Strafe des Verbandes drastisch aus. Bis Dezember 2013 war das Quartett von allen Nationalmannschaften ausgeschlossen.

Das führte dazu, dass Deschamps den aufstrebenden Griezmann nur einmal vor der Bekanntgabe des WM-Aufgebots testen konnte, im Länderspiel gegen Holland (2:0) Anfang März.

Der Linksfüsser überzeugte in jenem Match nicht restlos, trotzdem wurde er ins WM-Kader berufen und stieg nach dem Forfait von Ribéry sogar zum potenziellen Stammspieler auf.

«Es war einfach, mich in diese Mannschaft zu integrieren. Das Spielsystem steht», so Griezmann.

Auch am Freitag gegen die Schweiz dürfte der Shootingstar wieder den Vorzug gegenüber dem ebenfalls formstarken Olivier Giroud erhalten. (si)

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